Salus-Hauptpreis für die „Humusrevolution“

13.10.2017

Für das Buch „Die Humusrevolution – wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen“ wurden Stefan Schwarzer und Ute Scheub gestern in München mit dem Hauptpreis von Salus ausgezeichnet.

Mit dem Medienpreis des Öko-Gesundheitsunternehmens werden Veröffentlichungen prämiert, „die sich kritisch mit den Risiken und Auswirkungen der Agro-Gentechnik beschäftigen oder der Frage nachgehen, welche Chancen eine ökologische und gentechnikfreie Landwirtschaft für eine gesunde Lebensweise eröffnet. Dabei legt die Jury besonderen Wert auf eine sachkundige, inhaltlich präzise und allgemeinverständliche Auseinandersetzung mit dem Thema. Weitere Bewertungskriterien sind die Aktualität, Qualität, Nachhaltigkeit und Kreativität der Umsetzung.“

Demokratie – die Unvollendete

16.06.2017

Im Auftrag des bundesweiten Vereins Mehr Demokratie habe ich ein neues Buch geschrieben, das im oekom-Verlag erschienen ist. Der Verlag kündigt es folgendermaßen an:

Vorwärtsverteidigung durch Partizipation

Die Demokratie ist durch Vertrauensverlust bedroht, was rechtspopulistische Bewegungen geschickt ausnutzen. Ist das das Ende dieser jahrhundertealten Idee? Ganz und gar nicht! Ute Scheub und der Verein Mehr Demokratie e.V. sind überzeugt, dass die Demokratie dem menschlichen Grundbedürfnis nach Resonanz entspringt. Um die aktuelle Resonanzstörung zwischen Regierenden und Regierten zu beseitigen, empfehlen sie Volksabstimmungen, ausgeloste Bürgerräte, Bürgergutachten, kurz: eine Vorwärtsverteidigung der Demokratie durch neue partizipative Formen.

Das Buch Demokratie – die Unvollendete >, das Beispiele aus der Praxis und kreative Denkmodelle präsentiert, gibt es kostenfrei als PDF zum Herunterladen. Es ist gratis unter diesem Link herunterladbar. Gegen Spende ist die Printausgabe hier bestellbar.

 

Regeneration ist möglich

12.01.2017

Ein Manifest anlässlich des Erscheinens von  der „Humusrevolution“ am 20.Februar 2017  im oekom-Verlag 

Der Stopp der Klimakrise und die Regeneration der planetarischen Ökosysteme binnen weniger Jahrzehnte ist möglich – einfacher und schneller, als die meisten annehmen. Das ist die Botschaft dieses Buches.

Das Grundrezept:

* Ersatz der Agroindustrie durch regenerative Agrikultur,

* Ersatz der Fossilenergie durch regenerative Energien.

Die Lösung liegt uns buchstäblich zu Füßen. Die Natur hilft uns mit dem Wunder der Photosynthese, den Kohlenstoff aus dem atmosphärischen Kohlendioxid dorthin zu bringen, wo er herstammt und nun dramatisch fehlt: in den Boden. Humusaufbau entzieht der Atmosphäre Treibhausgase, macht den Boden fruchtbar, sichert die Ernährung, erneuert das Grund- und Trinkwasser, sorgt für gesunde Pflanzen, Tiere, Menschen, regeneriert ganze Landschaften, drängt Versteppung und Verwüstung zurück, schafft Millionen sinnvoller Arbeitsstellen. Eine Win-Win-Win-Lösung. Viele Beispielprojekte im In- und Ausland zeigen, wie es geht.

Wir brauchen dafür keine High-Tech, kein gefährliches Geo-Engineering, keinen globalen CO2-Handel, keine Gentechnik, keine chemischen oder bioökonomischen Mixturen aus den Labors der Agrokonzerne. Eine rein biologische Ernährung der Weltbevölkerung ist möglich, und sie ist nötig, denn sie hilft bei der Heilung der Ökosysteme. Mehr noch: In einer Welt voller Gewaltkonflikte um Ressourcen und Millionen von Umweltflüchtlingen ist regenerative Agrikultur ein Schlüssel zum Frieden.

Den Schlüssel zu kennen reicht allerdings nicht. Das Tor zur Regeneration der Erde wird von Agrokonzernen, Großgrundbesitzern und Wirtschaftslobbyisten blockiert. Wichtiger als CO2-Handel wäre eine Landreform zugunsten von (klein)bäuerlichen Höfen, die agrarökologisch produzieren, und eine Streichung aller direkten und indirekten Subventionen für umweltzerstörende Produktion von Lebensmittel und ihren Export. Wir brauchen wahre Preise, die den ökosozialen Schaden oder Nutzen eines Produkts ausweisen.

Die global verflochtene Agroindustrie mit Konzernen wie Monsanto & Co gefährdet das Überleben der Menschheit genauso wie die Energiekonzerne. Sie muss zurückgedrängt werden zugunsten von gemeinnützigen Stiftungen und Organisationen, die in die vernachlässigte agrarökologische Forschung investieren und die Kleinbauern und vor allem Kleinbäuerinnen weltweit unterstützen.

Mit Wissen über regenerative Methoden, das alte Traditionen mit neuen Erkenntnissen verbindet, kann auf weit kleineren Flächen als bisher mehr und intensiver geerntet werden. Permakultur, Biointensivkulturen, pfluglose Bodenbearbeitung, Terra Preta, Holistisches Weidemanagement, Agroforstsysteme und weitere Praktiken weisen den Weg. Eine Region, die so wirtschaftet, kann Flächen an die Wildnis zurückgeben und gefährdeten Arten ein Refugium bieten. Denn das Artensterben gefährdet das Überleben der Menschheit inzwischen mehr als die Klimakrise.

Alle Lösungen sind vorhanden. Wir brauchen nur eine entschlossene Zivilgesellschaft, die sie durchsetzt, und Politiker, die nicht länger die Agroindustrie strukturell bevorzugen. Eine solche Agrarwende würde in Deutschland laut Umfragen von einer großen Bevölkerungsmehrheit unterstützt.

Wir brauchen einen nationalen und internationalen Zusammenschluss von Kleinbauern-, Umwelt-, Klima- und Ernährungsbewegungen. Oder um Ronnie Cummins als Mitbegründer des globalen Bündnisses »Regeneration International« zu zitieren: Es bedarf einer »massiven Graswurzelarmee von Erd-Regenerierenden: drei Milliarden Kleinbauern und Dorfbewohnerinnen, Rancher, Hirten, Waldbewohnerinnen, Stadtgärtner und indigene Gemeinden – assistiert von mehreren Milliarden bewussten Konsumenten und urbanen Aktivistinnen.«

 Regeneration ist möglich – lokal, regional, national und global. Worauf warten wir noch?

Ute Scheub, Stefan Schwarzer: Die Humusrevolution – Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen. oekom Verlag 2017

Bundesverdienstkreuz für meine afghanische Freundin

13.10.2016

Meine afghanische Freundin Mariam Notten hat am 12. Oktober im Roten Rathaus von Berlin das Bundesverdienstkreuz verliehen bekommen – und ich bin sehr stolz auf sie. Frauensenatorin Dilek Kolat würdigte ihre langjährigen Verdienste um Frauen-, Kinder- und Menschenrechte und bezog sich dabei auf unseren Verein Scheherazade. Hier der Pressetext:

„Mariam Abrahami-Notten erhält die Auszeichnung, weil sie sich seit vielen Jahren für die Gewährleistung von Bildung und Sicherheit für Kinder und Jugendliche sowie die Förderung wirtschaftlicher Eigenständigkeit und beruflicher Perspektiven für Frauen einsetzt. Zu Ihrem Engagement gehört vor allem die konkrete Hilfe durch den Aufbau und die Unterstützung von Projekten und Hilfsorganisationen. Ein Schwerpunkt dieser Arbeit liegt zum Beispiel im afghanischen Kultur- und Kommunikationszentrum Berlin und in der Berliner FrauenfrAKTION. Außerdem hat sie den Unterstützungsverein für afghanische Kriegsopfer „Scheherazade“ mitbegründet, der zum Ziel hat, die Opfer der Kriege in Afghanistan zu unterstützen und ihre Not zu lindern. Der Verein baute ein Waisenhaus und eine Schule in Saradj und unterhält mehrere Projekte zur Selbstversorgung von Frauen und Witwen. Es gibt außerdem ein Frauenbüro für die dortige Frauenorganisation, eine Teppichweberei, eine Schneiderei und eine Bäckerei sowie einen kleinen Kindergarten.

Hier die Pressemitteilung

Riesige Mehrheit für Naturschutz, Energiewende und Tierwohl

27.04.2016

Nicht immer fördern repräsentative Umfragen Erfreuliches zu Tage. Die vierte bundesweite Befragung der deutschen Bevölkerung zu ihrem Naturbewusstsein aber schon. Laut dieser vom Bundesumweltministerium am 27.April 2016 veröffentlichten Umfrage ist eine riesige Mehrheit der Bevölkerung für Naturschutz in Stadt und Land, für die Energiewende, für regionale Kreislaufwirtschaften, Bioausbau und Tierwohl. Und eine ebenso gigantische Mehrheit wendet sich gegen Pestizide, Kunstdünger und Gentechpflanzen.

Die Ergebnisse im Einzelnen: Für 94 Prozent gehört die Natur zum guten Leben, 90 Prozent geben an, in der Natur „glücklich“ zu sein. 93 Prozent wollen das Tierwohl in der Landwirtschaft berücksichtigt wissen. 85 Prozent befürworten regionale Kreisläufe und 84 den Ausbau der Biolandwirtschaft. 97 Prozent finden öffentliche Parks wichtig, 92 Prozent schätzen Naturräume in der Stadt als Raum für Erholung und Entspannung – vor allem Ältere und finanziell Benachteiligte. Und trotz aller PR-Kampagnen der Gegenseite unterstützen weiterhin 90 Prozent den Ausbau der Erneuerbaren Energien.

91 Prozent glauben, dass Pestizide schaden. 86 Prozent lehnen den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ab und 79 die Fütterung von Nutztieren mit solchen Pflanzen. 74 Prozent möchten auf den Einsatz von Kunstdünger verzichtet wissen.

Nun gut, viele Menschen sind in Worten progressiver als im Handeln – abzulesen etwa am weiterhin hohen Konsum von Quälfleisch und Billiglebensmitteln. Dennoch, auch wenn man das von den Umfrageergebnissen abzieht, bleiben immer noch etliche Pfunde, mit denen man politisch wuchern kann.

Blütenstaubwirtschaft

08.02.2016

Seit einiger Zeit arbeite ich für den Schweizer Zeitpunkt, ein kleines, feines,meinungsstarkes und unabhängiges Blatt. Wer es abonnieren will, kann so viel bezahlen, wie er oder sie möchte – allein das macht es doch wirklich durch und durch sympathisch.

Die Printausgabe und die Website sind nicht identisch. Wer Genaueres wissen will, sollte den Zeitpunkt bestellen oder abonnieren, zum Beispiel im Schnupperabo. Eins meines Leib- und Magenstückchen steht aber auf der Website und beschäftigt sich mit der sogenannten Blütenstaubwirtschaft. Allein der Titel – ist er nicht schöööööön?

Regenerative Agrikultur – die Lösung der Klimakrise liegt uns zu Füßen

05.10.2015

Mein Beitrag zur Blogparade Für eine bessere Welt:

Bringt den Kohlenstoff zurück in die Erde!“ Das ist das Motto der sogenannten regenerativen Agrikultur. Dieser neue Begriff kommt aus den USA, in Europa ist er noch weitgehend unbekannt. Die Grundidee: Beim Aufbau humusreicher Böden kann Kohlenstoff langfristig unterirdisch gebunden werden, also dort, wo er in Form von Fossilenergien und Kohlendioxid in die Atmosphäre ging. Böden sind global gesehen der größte Speicher für CO2, größer noch als Ozeane und Wälder. Theoretisch könnten die weltweiten Agrarflächen jährlich mehr CO2-Emissionen unschädlich machen als weltweit ausgestoßen werden.

Darauf wies auch der Agrarwissenschaftler Timothy LaSalle vor kurzem bei einem Vortrag in Berlin hin. Der Direktor des renommierten Rodale Institutes in Pennsylvania, der nunmehr vor allem in Afrika forscht und arbeitet, hat das Konzept des regenerativen Landbaus maßgeblich mitgeprägt. Es gebe eine Methode für planetarisches „Geo-Engineering“, die billig und überall anwendbar sei, so LaSalle, das sei die Photosynthese. Sie bringe Kohlenstoff in die ausgelaugte Erde zurück, wo er eine zentrale Rolle für Humusbildung und Förderung des Bodenlebens einschließlich Mykorrhizapilzen und Bakterien spiele. Zudem könne man damit die Artenvielfalt erhöhen, gesunde Lebensmittel produzieren, Hunger bekämpfen und die Wasserhaltefähigkeit der Böden verbessern.

Regenerative Landwirtschaft sei mehr als „Bio“, führte er weiter aus. Pflugloser Anbau, Mulchen mit Zwischenfrüchten, Kompostwirtschaft, Misch- statt Monokulturen, all das gehört dazu. Und vor allem auch eine kluge Bewirtschaftung von Weidegründen, in die stickstoffbindende Leguminosen, Phacelea oder Sonnenblumen eingesät werden. Denn Gräser könnten mit ihrem gewaltigen unterirdischen Wurzelwerk gigantische Mengen Kohlenstoff bis zu vier Meter hinab in die Erde bringen.

Pioniere wie die Soil Carbon Cowboys probieren die neuen Methoden in den USA derzeit mit großem Erfolg aus und schwärmen in einem Film auf Vimeo, dass ihre Böden, Tiere und Pflanzen damit gesünder werden und sie selbst jede Menge Zeit und Geld sparen.

In einem White Paper führt Jack Wittrege die Potenziale der regenerativen Landwirtschaft in allgemeinverständlicher Form aus. Titel: Soil Carbon Restoration: Can Biology do the Job? Jeder und jede kann dabei mitmachen und eigenhändig Böden wiederaufbauen, unter anderem mit pflanzenkohlebehandelten Küchenabfällen und der Terra-Preta-Technik.

Ronnie Cummins vom US-Verband Organic Consumers Association schwärmte denn auch jüngst in einem Artikel für die Online-Zeitung Truthout von der „Regenerativen Revolution“, weil sie die Boden-, Nahrungs- und Gesundheitskrise gleichzeitig lösen könne. Wenn man das globale Ziel anstrebe, die Erderwärmung unter zwei Grad plus halten zu wollen, dann müsse man jährlich global mindestens 0,4 Prozent des atmosphärischen Kohlenstoffes in die Erde zurückbringen. Und das sei auf diesem Wege erreichbar, zumal man damit „Hunderte von Millionen ländlicher (und urbaner) Jobs“ schaffen könne.

Dafür sei es nötig, eine weltweite Koalition von Nahrungs-, Wald- und Klimabewegungen zusammenzubringen, eine „massive Graswurzelarmee von Erd-Regenerierenden: drei Milliarden Kleinbauern und Dorfbewohnerinnen, Rancher, Hirten, Waldbewohnerinnen, Stadtgärtner und indigene Gemeinden – assistiert von mehreren Milliarden bewussten Konsumenten und urbanen Aktivistinnen.“ Auch der Papst mit seiner Umwelt-Enzyklika „Laudato Si“ wird sich hier sicherlich gern einreihen.

Deutsche Austerität in Griechenland: Nicht in unserem Namen

15.07.2015

Oder: Machen Sie Urlaub in Griechenland, Frau Merkel!

Folgender Offener Brief an die Bundesregierung haben die Teilnehmenden der internationalen GEN+20-Konferenz geschrieben, das ist das Global Ecovillage Network, das über 10.000 Dörfer und Gemeinschaften aller Kontinente verbindet. In Deutschland besteht es aus einem wachsenden Netzwerk an Ökodörfern, Gemeinschaften und Transition Town mit Wissen und Expertise für die Regeneration zerstörter Landschaften, Gemeinschaftsaufbau auf allen Ebenen, soziales Unternehmertum, dezentrale Versorgung mit Energie, Wasser und Lebensmitteln, gesunde Wasserkreisläufe, regionale Wirtschaftskreisläufe. Der Brief gefällt mir so gut, dass ich ihn hier nochmals veröffentliche:

Sehr geehrte Frau Merkel, (…) wir möchten hiermit deutlich sagen:

– Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie von Hilfsmaßnahmen für Griechenland und Südeuropa sprechen, wo es doch um eine lukrative und hochverzinste Kreditvergabe geht, deren Last die Ärmsten der Armen tragen: die Rentner, die arbeitslosen Jugendlichen, die Kranken in den Krankenhäusern, die kaum noch versorgt werden können.

– Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie den Ländern Südeuropas ein Wirtschaftsmodell aufzwingen wollen, das sie abhängig von den reichen Ländern macht und ihre Solidarität und Würde, die Natur und die regionalen Wirtschaftskreisläufe zerstört.

– Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie die Rückzahlung der Nazi Zwangskredite und die Forderungen nach Reparationszahlungen Deutschlands an Griechenland für die Massaker des Zweiten Weltkriegs kategorisch ablehnen. Mit welchem Recht? Wissen Sie, wie grausam die Wehrmacht dort vorging?

– Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie einen Schuldenschnitt Griechenlands ablehnen. Haben Sie vergessen, dass Griechenland unter den Staaten war, die 1953 Deutschland großzügig 60% seiner Schulden erlassen haben und es trotz seiner großen Schuld großzügig in die Arme der Staatengemeinschaft aufnahmen? Ist es nicht an der Zeit, ähnlich solidarisch zu sein?

– Sie handeln nicht in unserem Namen, wenn Sie die Griechen für ihren Hilferuf und ihr demokratisches Nein gegenüber Ihrer Schuldenpolitik mit noch strengeren Bedingungen bestrafen.

Sie zerstören mit Ihrer Strenge und Unerbittlichkeit innerhalb der Europäischen Gemeinschaft nicht nur den guten Ruf, den wir als Deutsche in der Nachhaltigkeitsbewegung haben. Sie zerstören auch die europäischen Werte von Demokratie und gegenseitiger Hilfe.

Sie könnten aber sehr wohl in unserem Namen handeln.

– Setzen Sie sich für einen Schuldenschnitt mit den Ländern Südeuropas ein.

– Zeigen Sie Offenheit für die Bereitschaft der Deutschen, ihre finanzielle Schuld aus dem 2. Weltkrieg jetzt, wo Griechenland es, braucht, zu bereinigen und die menschliche Schuld wenigstens teilweise abzutragen. Mit einem Kniefall in Athen würden Sie wirklich in die Geschichte eingehen.

– Setzen Sie auf die Zukunft! Unterstützen Sie Modellprojekte, z.B. die entstehenden Ökodörfer in Griechenland, die als Ausbildungsorte Menschen zeigen, wie sie regionale Energie-, Wasser- und Lebensmittelautonomien aufbauen und eine nachhaltige Wirtschaft schaffen können unabhängig vom Euro werden können.

– Setzen Sie ein Zeichen: Machen Sie Urlaub in Griechenland.

 

 

Neue Wörter braucht das Land

01.01.2015

 Degrowth. Postwachstum. Transformation. Nachhaltigkeit. Share & Collaborative Economy. Open Source. Coworking Spaces. Transition Towns. Commons-basierte Peer-to-Peer-Produktion. Was empfinden Sie, wenn Sie diese Wörter lesen? Selbst auf mich, die ich ein Fan der damit verbundenen sozialen Bewegungen bin, wirken die Begriffe wenigsagend, insiderhaft, ausschließend. Dass diese Bewegungen bislang nicht aus der Nische herausgewachsen sind, liegt auch an den hölzernen Begriffen. Nein, nicht, weil das englische oder denglische Wörter sind. Ein bisschen Englisch können wir ja alle, und treffende Lehnwörter bürgern sich schnell ein. Sondern, weil sie zu abstrakt sind. Sie sind kaum emotional besetzt und können deshalb keine positiven inneren Bilder erzeugen. Wenn Neulinge sie hören, verspüren sie wahrscheinlich keinerlei Resonanz, keinen Nachhall, kein Wärmegefühl.

 Sprache erzeugt Wirklichkeit. Begriffe prägen das Bewusstsein. Stimmige Wörter lassen ganz neue Welten in uns entstehen. Neue soziale Bewegungen können nur dann wirkmächtig werden, wenn die Menschen sich über Schlüsselwörter und gemeinsame Losungen miteinander verbinden, in einem gemeinsamen Wärmestrom, wie Ernst Bloch sagen würde. Also ist es strategisch entscheidend, Wörter zu erfinden oder neu zu besetzen. Politiker und Medienleute erwähnen alte Begriffe so lange in den gewünschten negativen oder positiven Kontexten, bis sie eine andere Färbung angenommen haben. Neger oder Asylant waren ursprünglich neutral, heute sind sie extrem abwertend. Bei Schwulen verlief der Prozess umgekehrt: Ursprünglich ein diskriminierender Begriff, ist er durch beständigen Bezug auf Menschenrechte und Selbstbestimmungsrechte heute geradezu wohlklingend geworden.

 Wir können als Menschen nur deshalb sprechen, weil unser Kehlkopf entsprechend gebaut ist und unsere Organe einen Resonanzkörper für die Stimme bilden. Sprache wird also sprichwörtlich von uns verkörpert. Deshalb sollten gute Begriffe einen geringen Abstraktionsgrad und einen hohen Verkörperungsgrad haben. Sprache muss atmen, muss sprichwörtlich stimmig sein, sollte Starres und Flüssiges zusammenbringen.

 Das war auch der Tenor in einem höchst lebendigen und kreativen Workshop, den wir auf der Degrowth-Konferenz in Leipzig zum Thema „Neue Wörter braucht das Land“ abgehalten haben. Um das Ergebnis vorweg zu nehmen: Ein durchschlagendes Wort haben wir weder für Degrowth noch für Commons gefunden. Aber viele gute Ansätze und interessante Wortschöpfungen.

Im Englischen ist Degrowth ja durchaus stimmig, aber er lässt sich einfach nicht gut übersetzen. Postwachstum klingt viel zu sehr nach Brief- und Paketbergen im Postamt. Wachstumsrücknahme oder Schrumpfen empfinden zu viele Menschen als negativ, gar als Bedrohung. Die Comicfiguren der Schrümpfe, die die Oya-Redaktion nach Leipzig mitbrachte, sind witzig und sympathisch, doch dass weniger mehr sein kann, diese Erfahrung haben bisher zu wenige Menschen gemacht. Aber was dann? Mit die beste Übersetzung ist Entwachsen, denn darin steckt die positive Erfahrung, dass man als menschlich-biologischer Organismus irgendwann erwachsen und pubertärer Anwandlung entwachsen ist, zumindest mehr oder weniger.

Später las ich in einem Aufsatz von Josef Senft das schöne Wort Ausgewachsen. Ins Lateinische übersetzt könnte die Postwachstums-Epoche Adultum genannt werden. Senfts Begründung: „Von einem Erwachsenen (englisch: adult) erwartet man Zuwachs an Mündigkeit und Übernahme von Verantwortung für sich und andere.“ Dazu zitiert er Jakob von Uexküll, den Begründer des Weltzukunftrates und Alternativen Nobelpreises, der der Meinung ist, „dass die globale Konsumkultur einer gemeinschaftlichen Bürgerkultur weichen wird; nicht weil es jemand vorschreiben würde, sondern weil es dazu keine Alternative gibt außer Chaos, Kriege und den Zusammenbruch unserer Gesellschaften.“ Gefällt mir sehr! Und solange sich die Epoche des Adultum noch nicht verwirklicht hat, könnten wir Degrowth in Ausgewachsenheit oder ausgewachsene Wirtschaft übersetzen.

Commons ist ein weiteres sperriges Wort. Im Deutschen wird es mit Allmende oder Gemeingüter übersetzt, aber die Commons-Vordenkerin Silke Helfrich war damit nicht nur in unserer Leipziger Wörterbastelwerkstatt unzufrieden: Allmende erinnert zu sehr an die mittelalterliche Gemeindewiese, und das Wort Gut suggeriert ein statisches materielles Ding. Dabei gibt es doch unzählige immaterielle Commons, angefangen von der Sprache selbst über Landschaft und Luft, Wissen und Kultur bis zur freien Software von heute. Zudem ist das Allerwichtigste an den Commons das Commoning, die Verständigung unter allen Beteiligten, wie eine gemeinsame Ressource zu nutzen und gleichzeitig zu schützen sei. Hmh. Sind Gemeinwertwachstum, Gemeintum und Wir-schafft bessere Begriffe für die Commons? Und was könnte das passende Verb für Commoning sein? Gemeinschaffen? Klingt zu sehr nach gemein, fanden manche. Dann besser vergemeinschaffen oder vergemeinschaften. Oder gemeintun. Oder vergemeinen. Oder auch pflegnutzen. Begriffe, die etwas zum Klingen bringen, oder?

Wenn ein Wort sehr vielen gefällt, dann ist – um eine weitere wunderschöne Wortschöpfung aus Leipzig zu erwähnen – Gemeinstimmigkeit erreicht. Gemeinstimmig – man hört förmlich die Resonanz in vielen Körpern. Gemeinstimmig ist nicht einstimmig, aber mehr als vielstimmig. Es ist eine geheimnisvoll zustande kommende Übereinkunft vieler Stimmen, ohne dass eine förmliche Abstimmung stattgefunden hat oder stattfinden müsste.

Nachhaltigkeit hingegen ist ein echtes Problemwort. Konzerne und Lobbyisten haben es so nachhaltig grüngewaschen und totgetrocknet, dass es nach nichts mehr klingt. Zumal es im usprünglichen Sinne auch nicht mehr bedeutet als „andauernd“. Nicht zufällig definiert Monsanto auf seiner deutschen Website Nachhaltigkeit kühndreist um in „mehr produzieren“ und satte Profite machen. Man könnte noch hinzufügen: die Umwelt nachhaltig schäden.

Was also könnte das Wort ersetzen? Manche sagen dafür Enkeltauglichkeit, aber gerade mal zwei kommende Generationen einzubeziehen ist auch eher mickrig; indigene Völker wie die Kogi rechnen in Zeitspannen von mindestens zehn Generationen, wenn sie Zukunft planen. Andere ersetzen den Begriff augenzwinkernd durch Nochhältigkeit – noch hält unser Planet. Mir persönlich gefällt Nachhalligkeit sehr gut – hier ist wieder die Resonanz drin, der Nachhall. Nachwüchsigkeit, ein Wort, das mir neulich im Wald einfiel, ist vielleicht noch eindeutiger, nämlich bildhaft dafür, dass alles, was man verbraucht, wieder nachwachsen muss.

Manche möchten inzwischen ganz auf das Wort nachhaltig verzichten und finden regenerativ schöner und ausdruckskräftiger – so auch das Internationale Netzwerk der Ökodörfer (GEN). Wir hatten im Vorfeld von Leipzig darüber eine längere Diskussion. Die Natur bewirkt ja viel mehr als Regeneration, lautete ein Einwand, sie entfaltet sich in immer neuen Arten und immer größerer Komplexität, das ist keine einfache Reneration, sondern eine Entwicklungsspirale nach oben. Könnte man nicht Spiralität sagen? Erinnert zu sehr an Spiritualität, befanden andere. Oder an Spirelli-Nudeln. Wir wurden uns nicht recht einig.

Fortschritt und Entwicklung, da aber waren wir uns in Leipzig einig, sind ebenfalls Problemkandidaten. Erstens, weil Millionen von Menschen und nichtmenschliche Lebewesen im Namen des Fortschritts getötet worden sind und immer noch geopfert werden. Zweitens, weil es ein eurozentristischer Begriff ist, der eine lineare Entwicklung der Menschheitsgeschichte hin zum Besseren behauptet und angeblichen Entwicklungsländern die westliche monetarisierte Wirtschaft als einzig mögliche aufimperialisiert. Was könnte diese Begriffe ersetzen? In der indigenen Denktradition Lateinamerikas ist es das Gute Leben (Buen Vivir), uns gefiel aber auch Entfalterung, Wendelwandel und Wohlseinswachstum.

Und wie können wir die neu entstehende Ökonomie nennen, die nachhaltig ökosozial gewendet ist, nichtmonetäre Pflegearbeit einbezieht und auf Glücks- statt Wachstumsvermehrung setzt? Auch darüber haben wir in der Wortwerkstatt der Degrowth lange gegrübelt, haben Wörter auseinandergeschnippelt und neu zusammengeklebt. Hier einige Vorschläge aus Leipzig und anderswoher: notwendende Wirtschaft (weil sie Not wendet), Ecommony (so Friederike Habermann in Anlehnung an die Commons), Glücksökonomie, Bedarfsökonomie, Ökosozialwirtschaft, Balancewirtschaft, Genugwirtschaft, WELTwirtschaft, Erdwirtschaft, Lebenswirtschaft, Wir-Schaft, Oikonomie. Letztere in Anlehnung an das griechische Wort „oikos“ für Haus; Oikonomia meinte ursprünglich Hauswirtschaft oder Haushaltslenkung ohne jeden monetären Hintergrund.

Für diesen Prozess der Transformation oder Entgelderung sind natürlich auch Ziele notwendig. Oder notwendelig, um auf „Degrowthisch“ zu sprechen. Was gehört dazu? In Leipzig befanden wir: Das gute Leben natürlich, das gelinglichen sollte. Vielfalt und Füllfalt. Die Entfalterung unser aller Potenziale. Die Umdefinition von Wertigkeit in Werdigkeit. Die Anerkennung des menschlichen Giebtriebs, der nicht ausgegeizt werden dürfe.Und das Zusammenwachsen aller sozialer Bewegungen zur Allwende.

Welche Bewegungen sind das? Die Transition Towns könnten wir Wandelstädte oder Wendelgemeinden nennen. Die Bewegungen, die Soft- und Hardware Open Source ins Internet stellen, schaffen Offene Quellen – man hört es doch gleich erfrischend plätschern und sprudeln. Die Share & Collaborative Economy hingegen ist nicht so einfach zu übersetzen, weil das deutsche Wort „teilen“ auch „zerteilen“ und „trennen“ beinhaltet und „Kollaboration“ den historischen Beigeschmack der Zusammenarbeit mit den Nazis beinhaltet. Ökonomie des Teilens und Zusammenarbeitens? Hm, ziemlich sperrig.Ich plädiere hier für einen abkürzenden Begriff, etwa Ko-Ökonomie, in Anlehnung an die Ko-Evolution in neueren Evolutionstheorien oder die Ko-Kreation in Partizipationsmodellen.

Was haben wir noch? Coworking Spaces könnten Zusammenarbeitsplätze genannt werden. Die Ko-Ökonomie von Peer to Peer (abgekürzt: P2P) ist eine unter Gleichen (abgekürzt: =) oder auch eine Zell=kultur. Und die Commons-basierte Peer-to-Peer-Produktion, die der Commons-Vordenker Michel Bauwens statt des Kapitalismus am Ende des Weges leuchten sieht? Warum kann sie nicht Commonie heißen, wie es Johannes Heimrath schon länger vorschlägt? Oder, wie ich es auch schon gelesen habe, Peercommony? Oder Co-Commonisierung?

Wie dem auch sei – was gefällt euch Lesenden denn am besten? Was erzeugt in euch Resonanz, gute Klänge und schöne Bilder? Um Antwort wird gebeten…

Schweigestreik am 10. Dezember

04.12.2014

Der elf(!!)jährige Klimaaktivist Itzcuauhtli Roske-Martinez aus dem Bundesstaat Colorado ist laut der US-Onlinezeitung „truthout“  in einen „Schweigestreik“ getreten. Er will solange nicht mehr reden, bis die Regierenden dieser Welt einen ernsthaften „Klima-Erholungs-Plan“ verabschieden, den Planeten wiederaufforsten und Erneuerbare Energien fördern würden. Seine Begründung: „Wozu soll ich in die Schule gehen und ein Haufen Zeugs lernen, wenn es keine Welt mehr gibt, in der es wert ist zu leben?“

Ein Werbetrick überehrgeiziger Eltern? Sieht nicht danach aus. Sein Bruder Xiuhtezcatl, der den Artikel schrieb, ist auch erst 14, tritt aber auf Umweltkonferenzen auf, seit er 6 ist. „Wir wurden in der aztekischen Tradition erzogen“, schreibt er, und: „wir sind Öko-Hip-Hop-Performer und Jugenddirektoren einer internationalen Organisation namens Earth Guardians.“

Bevor er aufhörte zu reden, rief Itzcuauhtli in einem zweiminütigen Video zum weltweiten Schweigestreik am 10. Dezember auf. Man möge an diesem Tag bitte ein grünes Armband tragen und ein Foto an sie schicken. Die Jungs zählen jetzt schon hunderttausende Klicks auf ihrer Website.

Zurück aus der Zukunft

23.10.2014

In letzter Zeit durfte ich gleich mehrmals die Erfahrung machen, wie es ist, zurück aus der Zukunft zu blicken. Bereits im April lud uns der US-Kulturphilosoph Charles Eisenstein im Rahmen einer Veranstaltung im Berliner Supermarkt zu einer kollektiven Reise in die Zukunft des Jahres 2025 ein: Jeweils zwei Personen aus dem Publikum sollten sich gegenseitig interviewen, was sie dort erlebt hatten, anschließend erzählten einige auf der Bühne ihre „Erfahrungen“. Erstaunlich war, dass – ganz anders als bei allen politischen Veranstaltungen – fast nur Frauen redeten. Ebenso erstaunlich war, dass sie fast alle von einer besseren Zukunft erzählten. Oder besser gesagt: von Möglichkeitsräumen, die sich geöffnet hatten. Der Saal vibrierte vor positiver Energie. Eine Illusion oder ein Vorgeschmack, was möglich wäre, wenn wir alle unsere Potenziale voll ausschöpfen könnten?

Wir haben das auf der Leipziger Degrowth wiederholt. Hier waren die Erzählungen aus dem Publikum mehr technobestimmt, mehr Peterchens Mondfahrt, aber auch ziemlich positiv. Zudem war ich vor kurzem Gast bei einer Podiumsdiskussion aus dem Jahre 2025 in der Luckenwalder Hutfabrik. Hierbei konnten sich das Podium nicht so recht einigen, ob die Zukunft besser geworden war oder nicht. Dennoch war auch hierbei spürbar, wie stark solch ein Format die kollektive Fantasie anregt und wie sehr wir Visionen brauchen.

Trotzdem! Hoffnung! machen!

27.07.2014

Anlässlich des 100. Geburtstages meines journalistischen Vorbildes Robert Jungk wurde ich gebeten, einen Beitrag für ein Buch über den Träger des Alternativen Nobelpreises zu schreiben. Das tat ich gerne, weil er mir beigebracht hat, „ermutigenden Journalismus“ zu betreiben. In diesem Sinne habe ich auch gegenüber dem Journalistenportal Newsroom argumentiert, als es mich zu einer der „500 einflussreichsten Medienfrauen“ Deutschlands nominiert hat. Eine der angeblich einflussreichsten – denn schön wäre es, wenn ermutigender Journalismus weiterverbreitet wäre. Ist er aber nicht. Hier einige Sätze aus meinem Text über Robert Jungk:

In den Anfangszeiten der taz, Ende der 1970er bis Anfang der 1980er Jahre, hatte ich immer wieder mit Robert Jungk zu tun. Wir sollten die Berichterstattung über gelungene Projekte und positive Alternativen nicht vergessen, riet er uns in seiner unvergesslich freundlichen und zugewandten Art.  Als junge taz-Ökoredakteurin nahm ich mir seinen Rat zu Herzen und versuchte, Berichte über geglückte Alternativen ins Blatt zu heben. Aber es gab Vorbehalte, denn Medien arbeiten nach der Logik „only bad news are good news“. Konservative Zeitungen haben kein Interesse an der Verbreitung positiver Alternativen, linke und alternative Redaktionen fühlen sich der Kritik der Verhältnisse verpflichtet.

Mehr als zwanzig Jahre lang habe ich in der taz Misstände zu geißeln versucht und damit zwangsläufig vorwiegend schlechte Nachrichten formuliert. Ich merkte immer mehr, dass diese sich wie schwarzer Feinstaub auf meiner Seele absetzten, dass sich meine seelische Energie verdüsterte. Was ist mit journalistischer Aufklärung gewonnen, wenn sie das Gegenteil bewirkt? Bestärken wir mit einer Übermacht schlechter Nachrichten nicht genau jene Ohnmachtshaltung, die wir doch überwinden wollen? Stärken wir damit nicht die Falschen, die gegenwärtigen Machthaber?

Zum Glück ist einigen Redaktionen ist das alte Spiel „only bad news are good news“ zu blöde geworden. In den USA entstanden Initiativen des „lösungsorientierte Journalismus“; in Großbritannien, Spanien, Argentinien und anderen Ländern wurden Websites mit „positive news“ gegründet; in Österreich formierte sich die „Mutmacherei“; in Deutschland finden sich in „enorm“ oder „brandeins“ Geschichten über engagierte Sozialunternehmen; in „Futurzwei“, dem Schweizer „Zeitpunkt“ und auf den taz-“Fortschrittsseiten“ schreibe ich selbst Geschichten des Gelingens. Trotzdem – so lautet der Titel von Jungks Autobiografie. Und „trotzdem“ könnte auch das Motto sein für alle, die ermutigenden Journalismus in seiner Tradition fortführen wollen.

 

 

Factory mit weiblichem Faktor

27.05.2014

Die neue Ausgabe der Zeitschrift Factory des Wuppertal Instituts widmet sich dankenswerterweise dem Zusammenhang zwischen geschlechtergerechtem und ökosozialem Wirtschaften. Als Mitautorin möchte ich Ihnen und Euch die Ausgabe ans Herz legen, hier ist sie herunterladbar.

Fröhliche Ostergrüße von der NSA

02.03.2014

Was man aus Handy-Verbindungsdaten so alles herauslesen kann, dazu hat die US-Bürgerrechtsbewegung ACLU einen neuen unterhaltsamen 4-Minuten-Clip produziert.

 

Fröhliche Weihnachtsgrüße von der NSA

17.12.2013

Fröhliche Weihnachten wünscht Ihnen Ihre NSA! Wie wir arbeiten, erklärt Ihnen die US-Bürgerrechtsbewegung American Civil Liberties Union (ACLU) auf diesem hübschen kleinen Video hier.

Good News: Wie Männer und Frauen Gewalt beenden und die Umwelt retten

06.12.2013

Nun gibt es mein Buch „Gute Nachrichten“ in aktualisierter Version auch auf Englisch: „Good News – How Women and Men Stop Violence and Save the Planet“, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung und mir. Es enthält 36 Geschichten aus aller Welt von meiner Website „Visionews“. Diese Beispiele mutiger Frauen und Männer eignen sich sehr gut für Friedens- und Bildungsprojekte im Rahmen internationaler Zusammenarbeit.

Das gedruckte Buch können Sie gratis auf der Website der Heinrich-Böll-Stiftung bestellen. Die elektronische Version können Sie auf Visionews als PDF-Datei herunterladen.

Das dichteste Genossenschaftsnetz der Welt

27.10.2013

Mein nächstes Buch, das ich derzeit zusammen mit Annette Jensen schreibe, trägt den Arbeitstitel „Glücksökonomie“. Es geht um jene Formen des Wirtschaftens, die Menschen weltweit glücklich machen, weil sie das Gemeinwohl und den Geist der Kooperation fördern. Manche Formen sind schon ziemlich alt, wie die Genossenschaften, andere wie die Share Economy sind erst durch das Internet möglich geworden.

Im September habe ich das Angenehme mit dem Nützlichen verbunden und mich mit meiner Familie in Corte d´Aibo einquartiert, einer wunderschön gelegenen Bio-Winzer-Kooperative nahe Bologna mit einer exquisiten Küche, um über das italienische Genossenschaftswesen zu recherchieren. Von dort aus haben wir die Emilia Bologna erkundet, in der sich im Laufe vieler Jahrzehnte das dichteste Kooperativennetz der Welt gewebt hat.

Natürlich, vor allem große Genossenschaften wirtschaften heute kaum anders als ganz normale kapitalistische Betriebe. Das liegt vor allem an der neuen Generation der Manager, die nix anderes gelernt haben als Profitmachen. Daneben aber gibt es unzählige Kooperativen, die das Gemeinwohl ihrer Mitglieder und der Gesellschaft im Auge haben.

Wir waren sehr beeindruckt von dieser Kultur der Kooperation, die die ganze Emilia Romagna durchzieht. Immer noch werden hier stolze 40 Prozent des regionalen Bruttosozialprodukts genossenschaftlich erwirtschaftet und sogar 85 Prozent der sozialen Dienstleistungen. Das Pro-Kopf-Einkommen in der Emilia Romagna liegt um etwa ein Drittel über dem nationalen Durchschnitt, die Erwerbslosigkeit ist um die Hälfte geringer. Im Krisenland Italien macht das einen spürbaren Unterschied aus.

 

Ärger um Blue Economy in Deutschland

13.08.2013

Weltweit scheint die Blue Economy wunderbar zu gedeihen (siehe Text im Blog weiter unten), doch mit dem deutschen Zweig gibt es einen Haufen Ärger. Ich habe darüber in der taz vom 15.6. berichtet, hier ein Auszug:

Chido Govera, Aidswaisin aus Simbabwe und Meisterin der Pilzzucht, teilt ihr Wissen „Open Source“ mit allen Interessierten. Nachteil: Das macht sie schutzlos gegenüber ökonomischem Missbrauch. Der gesamte Weltkongress der Blue Economy in Madrid distanzierte sich in einer förmlichen Erklärung vom deutschen Zweig der „Blue Economy“, weil er das Wissen von Chido und anderen „durch Lizenzen und Zertifizierungen“ kommerziell ausbeute.

In einem Offenen Brief fordert Chido Govera die Berliner Firma „Chidos Mushrooms“ eindringlich auf, ihren Namen aus dem Firmennamen zu streichen. Anders als auf der Berliner Website behauptet, hätten ihre Hilfsprojekte für afrikanische Aidswaisen niemals von den Gewinnen profitiert. Sie fühle sich einmal mehr in ihrem Leben missbraucht. Ein Mitarbeiter bestätigte in einem Antwortbrief nach Simbabwe alle Vorwürfe und kündigte seinen Rückzug aus der Firma an. Anne-Kathrin Kuhlemann, Mitgesellschafterin von „Chidos“, drohte rechtliche Schritte gegen alle an, die „Verleumdungen“ verbreiten – also auch gegen Chido Govera und die taz. Im Übrigen verzichtete sie darauf, „im Detail auf die Inhalte einzugehen, da wir der Meinung sind, dass eine öffentlich ausgetragene Kommunikationsschlacht nicht im Sinne der Beteiligten sein kann.“

Blue Economy in Madrid und El Hierro

23.05.2013

Ende April war ich mit einer Delegation der 1000 FriedensFrauen Weltweit zum 8. Blue Economy Summit in Madrid eingeladen. Auf dem weltweiten Treffen von über 100 Wissenschaftlern und Aktivistinnen präsentierten wir Projekte von Friedensfrauen aus Mexiko, Kolumbien, China und Deutschland zur nachhaltigen Lebensweise und Ernährungssouveränität. Und lauschten fasziniert den anderen Präsentationen. So viele charismatische Redner_innen habe ich persönlich noch nie auf einem Kongress erlebt. Die von dem belgischen Ökonomieprofessor Gunter Pauli initiierte Bewegung der Blauen Ökonomie will ökologische Produkte durch intelligente Kaskadennutzungen von „Abfällen“ auch für Arme erschwinglich machen. „Blau“ deshalb, weil auch der Himmel, das Wasser und der Planet blau ist.

Anschließend reisten wir mit einer kleinen Kongressdelegation nach El Hierro. Die kleinste der kanarischen Inseln ist nicht nur die schönste, sondern auch ein beeindruckendes Modell für Zukunftsfähigkeit. Das Pumpspeicherkraftwerk wird die knapp 11.000 Einwohner mit 100 Prozent erneuerbaren Energien und Wasser versorgen. Der Verkehr soll bis 2020 ebenfalls ausschließlich mit erneuerbaren Energien laufen, die Landwirtschaft soll sukzessive auf Bio umgestellt werden. Mit 60 Fischerfamilien wurde ein Modellprojekt zur nachhaltigen Fischerei ausgehandelt. Soziale Aspekte werden ebenfalls nicht vergessen: Die Einwohner_innen können und sollen mitreden. Ein jährliches „Bimbache“-Musikfestival, benannt nach den gleichnamigen Ureinwohnern El Hierros, verbindet bewusst die unterschiedlichen Kulturen der Kontinente  und trägt zur Integration der zahlreichen Migrant_innen bei.

Weitere Informationen auf www.visionews.net

 

Gartenbuchpreis 2013: Sonderpreis der Jury für unser Terra-Preta-Buch

18.03.2013
Unser Buch „Terra Preta – die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ hat den „Sonderpreis der Jury“ beim deutschen Gartenbuchpreis 2013 gewonnen.
http://www.dennenlohe.de/de/gartenbuchpreis-2013

Begründung der Jury: Terra Preta – die aus Südamerika stammende, sagenhafte fruchtbare „schwarze Erde“ – zieht seit einiger Zeit das Interesse zahlreicher gärtnernder Laien und Fachleute auf sich. Mit dem Band wird nun das erste umfangreichere Buch in deutscher Sprache zu diesem Thema vorgelegt. Dabei beleuchtet das Werk die Möglichkeiten und Grenzen dieses Pflanzsubstrates im Gartenbau. Es behandelt ökologische Aspekte und enthält sowohl konkrete Gebrauchsanweisungen – auch zur Eigenherstellung von Terra Preta – als auch Kurzbeschreibungen von Terra  Preta-Projekten aus aller Welt. Bemerkenswert ist, dass sich gleich drei kompetente Autoren zur Erstellung des Buches zusammengefunden haben.

Beschissatlas gehört zu „Top Ten Zukunftsliteratur“

02.02.2013

Anfang 2013 hat das Team der Robert-Jungk-Bibliothek unseren „Beschissatlas“ in die „Top Ten Zukunftsliteratur“ gewählt. Begründung: Das Buch biete „brisante Fakten“, sei „exzellent recherchiert“ und „ansprechend illustriert“. Das ist bereits die zweite Auszeichnung des von mir geschriebenen und von Yvonne Kuschel illustrierten Buches, das im März 2012 im Ludwig-Verlag (Randomhouse) erschien.

Don´t like Facebook

22.01.2013

Ein gutes neues Jahr allen Lesenden!

Und falls Sie es verwundern sollte, dass auf dieser Website keine Social Media auftauchen, keine Facebook-Däumlinge, kein Twitter-Gewitter, kein RSS, nicht mal eine Kommentar-Funktion: Ich mag dieses Zeugs nicht. Ich will nicht von fremden Daumen gelikt oder ungelikt werden. Ich finde diese virtuellen Rankings schrecklich, die mit höchst fragwürdigen Methoden rein quantitativ über Websites und den Wert von Menschen entscheiden.

In unserem System wird langsam jede Lebensregung berechnet, kalkuliert, bewertet. Ranking-Agenturen senken den Daumen über ganze Länder. Meine innere soziale Rankingagentur hat deshalb Facebook auf Ramschniveau gesetzt – DDD-, schlimmer als Griechenland und Mali zusammen.

Übrigens, wussten Sie schon, dass  die Facebook-Nutzung unglücklich macht? Hat jetzt eine Studie rausgefunden. Über ein Drittel der User fühlt sich während und nach der Nutzung schlecht: einsam, traurig, frustriert. Weil die Leute ihre Kolleginnen und Freunde beneiden, die – oftmals reichlich verlogene – positive Nachrichten über sich selbst auf Facebook rausposaunen.

Viel Spaß damit, aber ohne mich.

 

Endlich!

26.12.2012

Bundeskabinett verabschiedete Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung von UN-Resolution 1325.  

Nach mehrjähriger schwieriger und komplikationsreicher Schwangerschaft hat die Bundesregierung nun bei ihrer Kabinettssitzung vom 19.Dezember 2012 endlich einen Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Resolution 1325 („Frauen, Frieden, Sicherheit“)* auf die Welt gebracht. Der Aktionsplan ist zwar in vielem noch unzureichend und kritikwürdig, aber ein Anfang ist gemacht. Wir freuen uns. Hier die Ankündigung des Auswärtigen Amtes.

Die Geburtshelferinnen vom Bündnis 1325: amnesty international, Deutscher Frauenrat, Deutscher Frauenring, Deutscher Frauensicherheitsrat, Deutscher Staatsbürgerinnen-Verband, Frauennetzwerk für Frieden, Heinrich-Böll-Stiftung, Internationale Frauenliga für Frieden und Freiheit, medica mondiale, Pax Christi, Rosa-Luxemburg-Stiftung, terre des femmes.

Am 22.November hat eine Interministerielle Arbeitsgruppe der Bundesregierung die zivilgesellschaftlichen Gruppen des Bündnis 1325 zu einer Anhörung in der Bundesakademie für Sicherheitspolitik eingeladen; es war ein fruchtbares Treffen in guter Arbeitsatmosphäre, die Regierungsvertreter nahmen etliche Anregungen und Kritikpunkte von uns auf. Und am 10. Dezember lud der Unterausschuss Zivile Konfliktprävention des Bundestages Monika Hauser und mich zu einer Anhörung zum selben Thema. Hier der Bericht einer Bundestags-Mitarbeiterin.

Und zum Herunterladen hier der Vortrag „Warum häusliche Gewalt den Weltfrieden gefährdet“, den ich am 1.12. bei einer von medica mondiale ausgerichteten Konferenz zur Situation der afghanischen Frauen in der Evangelischen Akademie Rheinland hielt.

Helmut Schmidt wittert weltweite Revolution

03.12.2012

Das Vertrauen in die europäischen Institutionen nehme in ganz Europa ab, hat der frühere Bundeskanzler Helmut Schmidt in einem Interview gewarnt. Zugleich stecke China in einer tiefen innenpolitischen Krise, in den USA sei diese nach der Wahl nur scheinbar gelöst. „Ich spüre die Möglichkeit von revolutionären Veränderungen auf der Welt“, so Schmidt. 

Futurzwei Zukunftsalmanach

04.11.2012

Schon wieder ein Buch. Ein dickes. Es wurde von Harald Welzer und Stephan Rammler herausgegeben und enthält zahlreiche Geschichten über ökosoziale Pioniere, darunter auch diejenigen, die ich für Futurzwei geschrieben habe. Aber das Buch ist mehr als eine Geschichtensammlung, es widmet sich dem Schwerpunkt Mobilität. Wie könnten neue nachhaltige Mobilitätssysteme aussehen? Müssen wir angesichts von Peak Oil und Peak Everything Verkehr nicht ganz neu denken, weg von den individuellen Blechdosen, in denen wir uns Tag für Tag verkriechen? Lasst euch anregen von der Lektüre.

„Gute Nachrichten!“ nun auch als Buch

01.10.2012

Am 8.Oktober 2012 erschien mein Buch “Gute Nachrichten! Wie Frauen und Männer weltweit Kriege beenden und die Umwelt retten”, herausgegeben von der Heinrich-Böll-Stiftung und mir. Darin werden 33 Erfolgsprojekte und Geschichten des Gelingens im Bereich Frieden, Umwelt und Geschlechtergerechtigkeit veröffentlicht, allesamt von meiner Website Visionews. Das Buch ist ab 8.Oktober im Buchhandel und bei der Böll-Stiftung erhältlich (buchversandatboelldotde)

Am Montag den 15. Oktober stellten wir das Buch im Rahmen einer Podiumsdiskussion in der Heinrich-Böll-Stiftung  vor. Hier ein Veranstaltungsbericht.

 

Hier der passende Song zu den Billionen:

30.08.2012

Superreiche Superkriminelle verstecken Billionen Dollar in Steueroasen

12.08.2012

Die winzige Schicht der Superrreichen dieser Erde hat zwischen 21 und 32 Billionen Dollar in Steueroasen versteckt, schätzt das Tax Justice Network mit Sitz in London. Eine unvorstellbare Summe, mit der weltweit alle mit Geld lösbaren Probleme schlagartig gelöst werden könnten. Damit könnten Hunger, Unterernährung, Armut, Obdachlosigkeit und viele Krankheiten gestoppt, die Klima- und Energiewende sowie globale Bildungs- und  Gesundheitsprogramme finanziert sowie sämtliche Staatsschulden bezahlt werden. Auch die Eurokrise wäre Vergangenheit.

Dass dies nicht geschieht, sondern die Superreichen weiterhin „legal illegal“ ihre Gelder vor Besteuerung schützen dürfen, ist DER Skandal des 21.Jahrhunderts. Als Superreicher gilt, wer über ein Vermögen von mehr als 50 Millionen Dollar oder 41 Millionen Euro verfügt. Das sind ein Prozent der Weltbevölkerung.

Die allerreichsten 92.000 Personen der Erde haben zusammen mehr als 9 Billionen Dollar vor dem Fiskus versteckt. Dazu gehören vor allem die Milliardäre aus westlichen Industrieländern, aber auch aus afrikanischen, asiatischen und lateinamerikanischen Staaten. Das Tax Justice Network schätzt, dass fast 1,2 Billionen Dollar aus China und fast 800 Milliarden aus Russland abgezogen wurden sowie 306 Milliarden Dollar aus Nigeria und 141 Milliarden aus der Elfenbeinküste.

Nach dieser Studie des Tax Justice Network, die von dem früheren McKinsey-Ökonom James Henry geschrieben wurde, besitzen die oberen 10 Prozent der Weltbevölkerung 84 Prozent der Vermögen und die untere Hälte 1 Prozent. Der weitaus reichste Teil der Superreichen lebt in den USA, danach folgen China und Deutschland.

In unserem „Beschissatlas“ taucht noch eine ältere Schätzung des Tax Justice Network auf, die sich auf rund 13 Billionen belief. Das zeigt, wie schnell sich die Superreichsten auch und gerade in der Krise noch mehr bereichern.

 

Terra Preta Artikel

13.06.2012

Beschissen schön!

30.05.2012

Der „Beschissatlas“ darf seit heute das Prädikat „Die schönsten deutschen Bücher“ tragen. Eine Jury der Stiftung Buchkunst zeichnete das von Yvonne Kuschel illustrierte Werk als eines der „25 schönsten Bücher des Jahres 2012“ aus. “ Die Begründung der Jury finden Sie hier.

Alternativer Medienpreis für Visionews

05.05.2012

Frühlingsfreude: Die Nürnberger Medienakademie hat mir am 4. Mai für unsere Website Visionews den Alternativen Medienpreis verliehen. Genauer gesagt: den 1. Preis in der Sparte Internet. Neben dem Preisgeld, das dem Ausbau von Visionews dienen wird, gab es eine Urkunde und ein Handbuch „Online-Journalismus“. Prima! Online-Journalismus kann ich nämlich überhaupt nicht. Oder sieht hier jemand Facebook- oder Twittersymbole?

Die anderen Preisträger finden Sie  hier. Und ein Bericht der an Visionews beteiligten Nachrichtenagentur Inter Press Service hier zum Download:

GoodnewsIPS

Zivilcourage auf bayrisch und mexikanisch

12.04.2012

Vor kurzem durfte ich in Mexiko an einer Begegnung der besonderen Art teilnehmen: Bayrische und mexikanische Bauern und Gärtnerinnen, die gegen Gentechnik und für eine nachhaltige Landwirtschaft kämpfen, tauschten ihre Erfahrungen aus. Die Reise hatte Nuria Costa organisiert, lateinamerikanische „Livelihood“-Koordinatorin der 1000 FriedensFrauen Weltweit. Hier mein Bericht zum Herunterladen: Zivilcourage

 

FDP: Frauenfeindlichste deutsche Partei

30.03.2012

Die FDP – ausgeschrieben Frauenfeindlichste Deutsche Partei  – killt nicht nur jede Frauenquote wie Unkraut, wo immer sie auch nur zart ihr Köpflein aus dem Boden erhebt, nun hat sie auch noch eine Transfer-Gesellschaft für die 11.000 vorwiegend weiblichen Schlecker-Beschäftigten verhindert. Teilzeitarbeitende Frauen – pah, sowas von uninteressant für diese Knödelköpfe. Wenn unser Beschissatlas nicht schon erschienen wäre, würden wir dieses Beispiel sofort darin aufnehmen.

Beschissatlas erschienen

18.03.2012

Yvonne Kuschel und ich haben nun unseren „Beschissatlas“ auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt. Ein besonders nettes Interview machte MDR-Journalist Karsten Möbius, mal sehen, ob ich es schaffe, das Ding hier hochzuladen…

Beschiss-Atlas

Geschichten des Gelingens

05.02.2012

Futurzwei, die Stiftung Zukunftsfähigkeit, ist am 1.Februar online gegangen, mit bisher insgesamt 71 Geschichten des Gelingens über ökosoziale  Pioniere und Meisterinnen der Selbstermutigung sowie weiteren  Rubriken. Zusammen mit Annette Jensen hab ich viele Stories schreiben dürfen, und auch einige „Nachrichten aus der Wirklichkeit“ (von 2032). Werft mal ein Blick drauf, es lohnt sich, auch wenn man sich auf den ersten Blick vielleicht nicht gleich zurechtfindet. Das ist Absicht. Vielleicht noch ein Tipp: Das Symbol der  Hand hilft euch weiter.

www.futurzwei.org

Hinweis in eigener Sache

17.01.2012

Die Plakatausstellung „Ohne Frauen keine Frieden“, im Auftrag der 1000 FriedensFrauen Weltweit von mir maßgeblich miterstellt, wurde zu meiner großen Freude während der Friedensnobelpreisverleihung in Oslo gezeigt. Neben der englischen Fassung gibt es inzwischen eine in Deutsch, Französisch, Spanisch und Arabisch. Hier der Titel der deutschsprachigen Fassung, die wir Frauen- und Friedensorganisationen gratis zur Verfügung stellen. Wenn Sie Interesse haben, die flexibel und kreativ einsetzbare Ausstellung zu zeigen, wenden Sie sich bitte an die 1000 Friedensfrauen in Bern, info(at)1000peacewomen.org.

TitelDeutsch

Freude!!!

08.10.2011

Der Friedensnobelpreis geht dieses Jahr gleich an drei Frauen, die es verdient haben! Welche Freude! Und noch mehr Freude, dass in der Begründung der Jury endlich auch UN-Resolution 1325 erwähnt wird: Ohne Frauen keinen Frieden. Und auch ein klein bisschen heimliche Genugtuung: Ohne unsere Initiative „1000 Frauen für den Friedensnobelpreis 2005“, heute „FriedensFrauen Weltweit“, wäre das wohl nicht passiert. Immer wieder haben wir darauf hingewiesen, dass es vor allem die Graswurzelfrauen sind, die sich aktiv für Frieden engagieren. Und dass Frieden ein kollektives Produkt ist und nicht von einzelnen Staatsmännern „gemacht“ werden kann.
Leymah Gbowee aus Liberia und Tawakkul Karman aus dem Jemen sind herausragende Beispiele dafür. Die Aktivitäten von ihnen und ihren Mitstreiterinnen werden auch auf unserer Website „Visionews“ gewürdigt.

Wiederaneignung!

29.09.2011

Politiker, eingeklemmt zwischen Krisen, Katastrophen und Kurznachrichten, können kaum mehr regieren. Doch global zeigen sich Anfänge einer neuen Wiederaneignung von Politik, Demokratie und Leben.

Apokalyptischer Schreck in der Morgenstunde. Alle Umweltpolitik hat nichts genützt, der Ausstoß an klimaschädlichen Treibhausgasen hat 2010 mit weltweit über 30 Gigatonnen ein neues Rekordhoch erreicht, vermeldete „Spiegel Online“ vor kurzem mit einem extragroßem Aufmacher. Der Chefökonom der Internationalen Energieagentur, Fatih Birol, halte das Begrenzen der Erderwärmung auf höchstens zwei Grad plus nur noch für „eine nette Utopie“.

Sechs Stunden später: Der Aufmacher ist verschwunden. Nach intensivem Suchen lässt er sich noch in der Rubrik „Wissenschaft“ finden – unter Ferner liefen. Es ist nicht anzunehmen, dass die Bundeskanzlerin, der Bundeswirtschaftsminister, die Chefs der Energiekonzerne oder gar die Präsidenten der USA und Chinas die Fakten auch nur zur Kenntnis nahmen.

Apokalypsen im Stundentakt, und die Regierenden haben weder Zeit noch Interesse noch Möglichkeiten, die Probleme anzupacken. Sicherlich, diese „sogenannte Bundesregierung“, wie der „Spiegel“ jüngst schrieb, agiert politisch wie handwerklich auf jämmerlichem Niveau; sie scheint befallen vom Murxismus-Lähminismus. Doch in der globalisierten Welt, in der Nachrichten, Geld- und Warenströme in Sekunden um den Globus jagen, geraten auch die fähigsten Politiker schnell an ihre Grenzen.

Was war denn in den letzten beiden Jahren? Die fette Finanzkrise. Die Erdbeben in Haiti und Chile. Das Ölleck im Golf von Mexiko. Die wochenlangen Brände um russische Atomanlagen. Die Jahrhundert-Sintflut in Pakistan. Die Erdrutsche in China. Alles schon vergessen. Alles schon so lang her. In Haiti werden weiterhin Frauen in Notunterkünften vergewaltigt, Pakistan ist destabilisiert wie noch nie, in allen Meeren wird eifriger denn je nach Öl gebohrt. Und die Spekulanten kassieren genauso weiter wie Ratingagenturen und Steueroasenbewohner. Die Politik ist nicht einmal mehr dann fähig, sie zu stoppen, wenn es um die Zukunft des Euro und der EU geht. Natürlich wurden hektische Beschlüsse gefällt – aber ohne jede Tiefenwirkung.

Man muss sie fast schon bemitleiden, die Herren und Damen Politiker, sie jagen von Krisentreffen zu Krisengipfel, sie jagen den Ereignissen hinterher, gehetzt von Ereignissen, Schlagzeilen, in jeder Stunde, jeder SMS, jeder Twitter-Nachricht ein neuer Skandal; mit der Schnelligkeit wächst die mediale Hysterie, die Zeitnot, die Atemlosigkeit aller Beteiligten; Nachdenken, Besinnen, gar kreative Problemlösung sind Fremdworte geworden, was alle bestätigen, die mit Berliner Regierungspersonal zu tun haben: „Die entwickeln keine Strategien mehr“, hört man allenthalben; wie ein Junkie klebt die Kanzlerin an ihrem Handy, versendet SMS-Nachrichten, versucht damit die Kontrolle über die Ereignisse und ihre eigenen Leute zu behalten, eine neue Form von Voodoo und genauso wirkungslos.

„Rasender Stillstand“, so nannte Paul Virilio diesen Zustand, „die Diktatur des Jetzt“ sei das, befand der Klimaforscher Hans Joachim Schellnhuber – und erinnerte daran, dass die Menschheit in einem Jahr so viel Öl verbrennt, wie in 5,3 Millionen Jahren entstanden ist. „Nachhaltigkeit“? Ein Treppenwitz.

Die Zeitspanne, in der die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird, wird notwendigerweise immer kürzer. In seinem Buch „Beschleunigung“ beschreibt der Soziologe Hartmut Rosa das Paradox der Moderne so: „Wir haben keine Zeit, obwohl wir sie im Überfluss gewinnen“. Einerseits verfügt die Menschheit über historisch einmalig viele Möglichkeiten, Zeit einzusparen. Andererseits scheint dieselbe Zeit immer schneller zu rasen. Laut Rosa kommen drei Arten von Tempoverstärkung zusammen: die technische Beschleunigung, die Beschleunigung des Lebenstempos und die Beschleunigung sozialer und kultureller Veränderungsraten. Die Folge: Der Zeitraum für Entscheidungen schrumpft, die Zahl notwendiger Entscheidungen wächst, und die Kluft dazwischen reißt auf wie ein Abgrund, auf dessen Rand die Entscheidungsträger traumtänzeln – sie reagieren nur noch und agieren nicht mehr. Die Gefahr ist real, dass sich in den nächsten Jahrzehnten Naturkatastrophen und Wirtschaftskrisen so überstürzen und überlagern, dass nicht einmal mehr die reichen Länder genug Geld, Zeit und Ressourcen zu ihrer Bekämpfung haben, und die wachsende Zahl fragiler Staaten erst recht nicht.

Das klingt extrem düster. Andererseits gibt es unglaublich viel hoffnungsvolle Bewegung von unten, und sie scheint weltweit einen Epochenbruch anzukündigen. Symptome sind die Arabellion mit ihrem Schrei nach Demokratie, Brot und Würde, die direkte Demokratie auf den öffentlichen Plätzen von Kairo und Madrid, die anschwellende Wachstumskritik, der Ruf nach solidarischer Ökonomie und Gemeinwohlwirtschaft, der Massenumstieg auf erneuerbaren Energien und umweltfreundlichere Produktionsweisen. So disparat diese Bewegungen erscheinen mögen, so vielfältig ihre Motive, sie haben doch eins gemeinsam: das Verlangen nach Wiederaneignung und Rückgängigmachen von Entfremdung: Wiederaneignung von Politik, Wirtschaft, Demokratie, öffentlichen Räumen, Arbeits- und Lebensweisen, Wiederverfügung über Gemeingüter, Energie, Mobilität und fruchtbarem Boden, Verkürzung von Handels- und Handlungsketten.

Vor allem zwei technologische Umwälzungen haben das möglich gemacht: das Internet und die dezentralen erneuerbaren Energien. Beide schaffen die neue materielle Basis, dass Menschen mit der Hierarchie zwischen Machtzentralen und Untertanen, Sendern und Empfängern brechen können, beide machen es möglich, dass Demokratie als Selbstbestimmung der Menschen neu gelebt wird, auch als Medien-, Wirtschafts- und Energiedemokratie. Mühsam, noch sehr unreif und instabil, mit allen Problemen und Widersprüchen, zeigt sich hier der Anfang einer neuen ökosozialen Gesellschaftsformation jenseits des erdölgetränkten Turbokapitalismus.

Es sind Versuche, die Souveränität über das eigene Leben und die Gestaltung der Gesellschaft wiederzuerlangen. Wiederaneignung schafft auch Entschleunigung und Verlangsamung. Lautstark fordern Menschen überall, ihr Schicksal mitzubestimmen – ob bei den Antiatomdemonstrationen oder auf dem Tahrirplatz. Sie reklamieren, es besser zu können als die abgehetzte abgehalfterte politische Klasse. Dieser politische Klimawandel könnte entscheidend mithelfen, den physikalischen aufzuhalten. Die verstorbene Alternative Nobelpreisträgerin Dekha Abdi Ibrahim aus Kenia drückte es so aus: „Wenn genug Individuen, Städte und Religionsgemeinschaften auf klimafreundliche Strategien setzen, wird die Politik nachziehen. Von oben wird es keinen Wandel geben. Die Politik führt nicht, die Gesellschaft führt – und die Politik folgt.“ Ute Scheub

Alltags-Helden. Heute: Sozialminister Baaske

28.07.2011

Während andere Politiker urlaubend auf Jachten herumbrausen oder sich für ein Interview per Hubschrauber an den Nordseestrand verfrachten lassen, absolviert Brandenburgs Sozialminister Günther Baaske ein Praktikum in einem Altenheim in Bad Belzig. „Die Anerkennung für den Beruf (der Altenpflege) ist bei mir enorm gewachsen“, verriet der dem Deutschlandradio in einem Interview. „Es ist eine Arbeit, die psychisch, aber auch physisch wirklich große Anforderungen stellt an jeden Einzelnen.“ Die Altenpflegerinnen müssten besser bezahlt werden: „Es ist ja leider so, dass, wenn Sie an Ihrem Auto die Reifen wechseln lassen, dass derjenige wesentlich besser bezahlt wird als der, der womöglich Ihrem Vater oder Ihrer Mutter hier die Windeln wechselt.“

Er mache das mit den Praktika schon viele Jahre: „Ich habe ökologische Gebäudesanierung gemacht, ich war im Hochbau, ich war im Tiefbau, war in der Kinderkrippe und Kindergarten, war im vergangenen Jahr in einer Werkstatt für behinderte Menschen, immer eine Woche, und ich muss sagen, diese Woche gibt mir unendlich viel, sie bereichert, wenn man wirklich mal tiefer einsteigt, als man es ansonsten bei den ministeriellen Besuchen mitkriegt.“

Wäre das nicht eine großartige Sache für alle Minister? Praktika in all den Lebensbereichen, die sie verwalten? Bundessozialministerin Ursula von der Leyen bekocht eine Woche eine Familie, die ihre Lebensmittel von Hartz IV bezahlen muss. Bundesumweltminister Norbert Röttgen wechselt eine Woche Brennelemente in einem Atomkraftwerk und wertet die Radioaktivitätsmessungen aus. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer muss eine Woche lang für pünktliche Züge sorgen. Bundesgesundheitsminister Bahr leert eine Woche Nachttöpfe im Krankenhaus. Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble verfolgt eine Woche lang Steuerhinterzieher. Wetten, dass die Politik sich dadurch verbessern würde?

Blaue Ökonomie schließt Arme mit ein

04.07.2011

Gunter Pauli, der charismatische Mitbegründer der „Blue Economy“, ist der Überzeugung, dass „Grüne Ökonomie“ allein nicht genügt – die Produkte sind zu teuer für die Armen. Er plädiert deshalb für einen neues „Geschäftsmodell“, wie er das nennt. Hier ein Interview, das Annette Jensen und ich für die Pfingstausgabe der taz mit ihm geführt haben. interviewpauli

Gute Nachrichten

14.04.2011

Beim „tazlab“-Medienkongress am 9.April im Berliner Haus der Kulturen der Welt haben sich bei unserer „Goodnews“-Veranstaltung mehrere Medienprojekte zur Nachhaltigkeit vorgestellt, Annette Jensen und ich haben die bisherigen Goodnews-Ausgaben der taz vorgeführt. Weil die sich so gut verkauften, gibt es sie nicht mehr im Print. Deshalb hier für alle Interessierten die PDFs. Hier die erste Ausgabe von Pfingsten 2009: eine-andere-welt-wird-sichtbar
Hier die „Glücks-taz“ vom Nikolaustag 2009: s17-18-son1-01 s18-19-son2-02 20-21 272 s22-23-son11-01 24-25 s28-29-son8-01 s30-31-kultur-01 s33-pol-01 s36-37-reise1-01 s39-son9-011

Hier die „Regio-taz“ vom November 2010: power-aus-der-provinz_20112010

Der Untergang Japans

28.03.2011

Der Atomexperte Najmedin Meshkati von der University of Southern California hat laut heutigen Agenturmeldungen gesagt, die Situation in Fukushima sei deutlich ernster als angegeben. „Das ist deutlich mehr als das, was eine Nation alleine bewältigen kann.“ Meshkati forderte ein Eingreifen des Uno-Sicherheitsrates. Der Sicherheitsrat erscheint dafür in keiner Weise gerüstet – aber unabhängig davon ist klar, dass der verzweifelte Versuch, Japan vor jahrhunderterlanger Verseuchung zu retten, noch Monate dauern kann.

Hier der übersetzte Artikel eines japanischen Journalisten, der schon in seinem 2010 erschienenen Buch „Zeitbombe Atomreaktor“ prophezeite, dass es Japan in zehn Jahren wegen des mangelhaften Erdbeben- und Tsunami-Schutzes für seine Atommeiler „mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit… nicht mehr geben wird.“ Es ist der ausdrückliche Wunsch dieses atomkritischen Journalisten, der in seinem eigenen Land wenig Resonanz erhielt, dass der Artikel eine breite Veröffentlichung erfährt. Deshalb setze ich ihn auf meine Website und hoffe, dass dies noch viele andere Menschen tun werden. Hier der Artikel:

Von Takashi Hirose

„Am 11. März 2011 kam es zum Sanriku-Oki-Erdbeben1 im Nordosten Japans, in dessen Verlauf der Druck im Sicherheitsbehälter des 1. Reaktorblocks des Kernkraftwerks Fukushima Eins außergewöhnlich stark anstieg und danach das Gebäude explodierte. Kurz darauf explodierte auch der 3. Reaktorblock in gleicher Weise. Überdies wurde im 2. Reaktorblock das Druckabbaubecken, das sich im Sicherheitsbehälter befindet, beschädigt. Nehmen die Beschädigungen weiter zu, so steuern wir auf eine hoffnungslose Katastrophe zu. Gleichzeitig breitet sich über den Köpfen der Japaner eine große Flut von Radioaktivität aus. Was ist eigentlich geschehen?

Die Ungeheuerlichkeit, mit der Energiekonzerne und Medien das Wort „unvorhersehbar“ missbrauchen

Ein Tsunami sei eine Naturkatastrophe, gegen die man machtlos ist. So sehe eben das Schicksal Japans aus. Doch dieser verheerende Reaktorunfall ist eine von Menschen verursachte Katastrophe. Verantwortlich dafür sind nicht nur die Energiekonzerne, sondern auch die Fernsehsender, die bisher kein einziges Mal die kritische Situation anprangerten sowie die als Experten bezeichneten Professoren, die bei ihren Fernsehauftritten nur Unsinn von sich gaben.

Am 11. März 2011 um 14:46 Uhr (japanischer Zeit) gab es vor der Küste von Sanriku, ca. 130 km im Ostsüdosten der Halbinsel Oshika-Hantô (38° nördlicher Breite, 142°9‘ östlicher Länge), in 24 km Tiefe ein riesiges Erdbeben der Stärke 9,0. Dass die Stärke des Erdbebens von zuerst 8,4 dann auf 8,8 und zuletzt auf 9,0 revidiert wurde, ist äußerst verdächtig. Meiner Meinung nach haben Menschen, die dieses Erdbeben zum „größten der Weltgeschichte“ machen mussten, weil der Reaktorunfall immer schlimmere Ausmaße annahm, die Werte angehoben. Ganz ähnlich hat sich die chinesische Regierung beim großen Erdbeben von Sichuan (2008) verhalten.

Bezüglich der Bebenwellen wurden beim diesmaligen Erdbeben in Tsukidate (Stadt Kurihara, Miyagi-Präfektur) 2933 Gal gemessen, was einer dreifachen Erdbeschleunigung entspricht. Beim Iwate-Miyagi-Binnenlanderdbeben der Stärke 7,2 im Jahr 2008 wurden jedoch von der Messstelle der Stadt Ichinoseki (Iwate Präfektur) 3866 Gal vertikaler Bewegung festgehalten. Das ist mehr als dieses Mal.
Der staatliche japanische Rundfunk (NHK) betont, es handle sich um „ein Erdbeben, das nur alle 1000 Jahre passiert“, doch die tatsächlichen Schäden dieses Sanriku-Oki-Erdbebens2 und die Ursachen für die Reaktor-Erdbebenkatastrophe gehen auf den Tsunami zurück. Folglich muss gefragt werden, ob die Bedrohung durch einen Tsunami nicht vorausgesehen werden konnte. Unter den japanischen Küsten-Erdbeben wurde schon im Jahr 1896, also ca. vor 100 Jahren, beim Meiji-Sanriku-Erdbeben die Tsunami-Höhe an den Ufergebieten von Iwate gemessen: in Ryôri 38,2 m, in Yoshihama 24,4 m und in Tarô 14,6 m. Deshalb kann ich den Medien nur sagen, sie sollen das Wort „unvorhersehbar“ nicht billig missbrauchen. Und sie sollen aufhören, einen Schaden zu analysieren, nachdem er eingetreten ist. Wer nach dem Unfall behauptet, er sei „unvorhersehbar“ gewesen, ist kein Experte. Für mich Normalsterblichen war alles voraussehbar, und es ist das eingetreten, was ich in meinem im August 2010 veröffentlichten Buch Genshiro jigen bakudan (Zeitbombe Atomreaktor)3 beschrieben habe. Die Energiekonzerne haben nur „absichtlich nichts vorausgesehen“ und die Schuld, die sie sich damit den Strahlenopfern gegenüber aufgeladen haben, ist unermesslich groß.

Nur bei drei der elf Reaktorblöcke gelang der Cold Shutdown
Um das verstehen zu können, müssen wir uns die Ereignisse des letzten Jahres in Erinnerung rufen. Am 25. März 2010 gab der Energiekonzern TEPCO (Tokio Electric Power Company) die vollkommen willkürliche Entscheidung bekannt, dass der 1. Reaktorblock des Kernkraftwerks Fukushima Eins, der am 26. März 1971 in Betrieb genommen wurde, weiterlaufen solle. Ein völlig überalterter Reaktor, der demnächst 40 Jahre läuft, konnte nach der eigenmächtigen Entscheidung des Konzerns insgesamt 60 Jahre betrieben werden, und die NISA (Nuclear und Industrial Safety Agency) erteilte die Genehmigung. Wie bei den Atomkraftwerken von Tsuruga und Mihama (Fukui Präfektur) war dieser Beschluss äußerst bedenklich und gefährlich. Darüber hinaus wurde am 26. Oktober letzten Jahres im ebenfalls überalterten 3. Reaktorblock des Kernkraftwerks Fukushima Eins, der bereits 34 Jahre in Betrieb ist, der gefährliche Plutonium Thermal Use mit Plutonium als Brennstoff gestartet.

Das Kernkraftwerk Fukushima Eins wurde unter den japanischen Kernkraftwerken mit dem niedrigsten Grenzwert für Erdbeben von 270 Gal geplant und gebaut und ist somit das Atomkraftwerk mit der geringsten Erdbebensicherheit. Und dort ist es nun zur Kernschmelze gekommen. In der Präfektur Fukushima, wo mit Erdbeben der Stärke 7.9 gerechnet wird, verläuft die über 70 km breite Futaba-Verwerfung4.

Beim Ausbruch des Erdbebens waren im Kernkraftwerk Fukushima Eins der 1., 2. und 3. Reaktorblock in Betrieb → Scram (Reaktorschnellabschaltung), 4., 5. und 6. Reaktorblock waren zur Routinekontrolle abgeschaltet, im Kernkraftwerk Fukushima Zwei erfolgte bei allen Reaktorblöcken (1, 2, 3 und 4) → Scram (Schnellabschaltung). Steuerstäbe wurden eingeschoben und die Kernspaltungsreaktion in allen Blöcken gestoppt. Aber … …

Vor dem Erdbeben war propagiert worden, es bestehe kein Grund zur Sorge, da die Kernkraftwerke nach einem Erdbeben über die Funktionen „Stoppen“, „Kühlen“ und „Einschließen“ verfügten. Von den Reaktorblöcken aller elf automatisch abgeschalteten Atomkraftwerke sind es heute am 14. März, vier Tage nach dem Erdbeben, nur drei (Kernkraftwerk Fukushima Zwei 3. Reaktorblock, Kernkraftwerk Onagawa 1. und 3. Reaktorblock), deren Zustand einem Cold Shutdown entspricht, d.h. ein stabiler Zustand, wo im Reaktorblock eine Temperatur unter 100° C und ein dem Luftdruck ähnlicher Druck herrscht, die restlichen acht Blöcke laufen unkontrolliert weiter.

Die Kernschmelze setzt nicht erst bei 2800° C ein, sondern schon bei 600° C
Bei einem Reaktor von 1 MW Stromkapazität beträgt die Wärmeproduktion das Dreifache, also 3,3 MW. Wurden diese Reaktoren auch automatisch abgeschaltet, so sondert die zerstörerische Wärme danach dennoch unentwegt Spaltprodukte ab und beträgt nach einem Tag immer noch 15.560 KW. Sei der Brennwert noch so niedrig, wird doch permanent Wärme ausgestrahlt, die beseitigt werden muss, solange die Brennstäbe im Reaktor sind, denn die Hitze wird in einem Reaktor, der ja ein geschlossenes System darstellt, ständig größer und größer.

Und kann man die Hitze nicht abführen, dann gibt es bald keine Kühlflüssigkeit mehr, da Wasser bei 100° C verdampft, wodurch die Brennstäbe schließlich bloßliegen. Kommt es so weit, dann tritt durch die Schmelzung höchst gefährliches radioaktives Material aus und die Brennstäbe sinken ab. Dies wird als Kernschmelze oder Meltdown bezeichnet. Wenn die Brennstäbe nacheinander absinken, dann sammeln sie sich auf dem Reaktorboden, wodurch ihre Temperatur stetig ansteigt und sie zu glühen beginnen. Schließlich schmilzt der Stahl des Druckbehälters, sein Boden wird durchlässig und das ganze radioaktive Material tritt nach außen. Dieses Phänomen bezeichnet man als „China-Syndrom“.
Überdies reagiert das Zirkonium der Brennstabhüllen chemisch mit Wasser und oxidiert, wodurch Knallgas5 entsteht. Da der niedrigste Explosionswert für Wasserstoff bei 4,2% liegt, kommt es zu einer Explosion, sobald dieser Volumenanteil erreicht ist.

Bei einem Siedewasserreaktor wie des Kernkraftwerks Fukushima liegen die Bedingungen für einen normalen Betrieb bei 70 atm und Temperaturen zwischen 280 – 290° C. Üblicherweise wird davon ausgegangen, dass die Kernschmelze durch Überhitzung der Brennstäbe bei einer Temperatur von 2800° C eintritt, aufgrund der Analyse des Three-Miles-Island-Reaktorunfalls jedoch stellte sich heraus, dass es tatsächlich schon bei 600° C dazu kommt (Französische Dokumentation „Alarmglocke Kernkraft – die Sicherheit der Atomkraftwerke hinterfragt“, Ausstrahlung 6. – 7. Juli 2009, NHK BS1). NHK und andere Sender haben ihre regierungstreuen Wissenschaftler mobilisiert und bekräftigen „die in der Menschheitsgeschichte beispiellose Stärke 9“. Betrachtet man jedoch die Zerstörung der Gebäude, so erkennt man, dass die Erschütterung beim Erdbeben in Kôbe sehr viel stärker war. Die Schäden sind also nicht auf das Erdbeben an sich zurückzuführen, sondern vorwiegend auf den Tsunami.

Eine aufgrund der Erdbewegung erfolgte „Reaktor-Erdbebenkatastrophe“ ist in Japan tatsächlich eingetreten
Eine Stunde nach dem Erdbeben, um 15:42 Uhr, verlor das Kernkraftwerk Fukushima Eins seine ganzen Wechselstromquellen, sodass kein Strom von außen ins Kraftwerk gelangte. Würden jetzt noch die Stromquellen innerhalb des Kraftwerks versagen, entstände ein Zustand, in dem rein gar nichts mehr unternommen werden konnte. Und in dieser Lage überfiel der Tsunami die Anlage. Um 15:45 Uhr wurden der Öltank weggerissen, das Stromleitungssystem, darunter die Schalttafeln, überflutet und innerhalb des Reaktors konnte nichts mehr unternommen werden. Um Wasser in den Reaktor einzuspeisen, setzte man die Notkühlung (ECCS) in Kraft, die gleich darauf nicht mehr arbeitete. Auch die Notfall-Dieselgeneratoren funktionierten nicht. Der Stromkreis war mit Wassermassen überflutet und das Stromleitungssystem völlig lahmgelegt. Sowohl Computer als auch die andere Elektronik funktionieren jedoch nur mit Strom.

Für den Fall, dass sowohl die Stromquellen im Reaktor als auch die Notfall-Dieselgeneratoren, also jegliche Energie verloren geht, ist das RCIC (Reactor core isolation colling system) vorgesehen. In dieser Vorrichtung bringt der Dampf der Zerfallswärme eine Turbine in Bewegung, die eine Pumpe zur Wassereinspeisung antreibt. Doch auch diese Vorrichtung arbeitet nicht, wenn die Kontrollfunktionen nicht mehr vorhanden sind.

Da die Notfall-Dieselgeneratoren schon von Anfang an nicht funktionierten, liegt der Schlüssel der ganzen Katastrophe in der Frage, ob Generatoren zum Atomkraftwerk transportiert wurden oder nicht. Doch sogar über diese Tatsache von höchster Priorität gab es keine Nachrichten, was zeigt, wie wenig Fernsehreporter über Kernkraftwerke wissen.

Der Wasserpegel im 1. Reaktorblock sank unablässig. Durch Not-Kondensatoren und das RCIC versuchte man, den nötigen Wasserstand wiederherzustellen, doch wurde der beim Reaktorbau zur Höchstbelastung festgelegte Druck des Sicherheitsbehälters von 4 atm wahrscheinlich mit einer Größe von 8 atm weit überschritten. Dadurch gab es keinen Wärmeabbau, der Wasserpegel sank weiter und vom 4 Meter langen Brennstab ragte 1 Meter aus dem Wasser heraus.

Da der Sicherheitsbehälter zerstört wird, wenn der Druck ansteigt, öffnete man Ventile, um das unter hohem Druck stehende Gas zusammen mit radioaktiven Elementen nach draußen zu leiten. Wenn man den Verlauf dieses Unfalls betrachtet, dann ist Pessimismus angesagt. Doch inzwischen ist die Stufe, auf der man ein Manuskript zur Analyse des Unfalls hätte schreiben können, schon überschritten. Am Mittag des 15. März hatte die radioaktive Strahlung auf dem Gelände schon das 3,5 millionenfache des normalen Störfallplanungswertes erreicht. Im Fernsehen sprachen sowohl die Kommentatoren als auch die Politiker unentwegt von einer winzigen Menge. Wer so etwas tut, ist ein skrupelloser Verbrecher. Darüber hinaus wurde der Sicherheitsbehälter des 2. Reaktorblocks zerstört und im Gebäude des 4. Reaktorblocks fing das Wasser des Abklingbeckens an zu kochen. Hier befinden sich mehr radioaktive Elemente als im Kernreaktor. Meiner Vermutung zum jetzigen Zeitpunkt (15. März, 17 Uhr) nach, ist keine Lösung des Problems möglich, da sich kein Arbeiter dem Abklingbecken nähern kann. Ich wünsche von Herzen, dass meine Vermutung nicht zutreffen wird. Wenn es in einem der sechs Reaktorblöcke des Kernkraftwerks Fukushima Eins zu einer Kernschmelze kommt, dann kann dort kein Arbeiter mehr bleiben. Alle werden flüchten und den Reaktorblock aufgeben. Und danach kommt es zu einer Kettenreaktion, die auf die restlichen Blöcke übergreift.

In diesem Kraftwerk mit all seinen Reaktorblöcken befindet sich wahrscheinlich 10mal so viel Radioaktivität wie im havarierten Kernkraftwerk von Tschernobyl. Trotzdem werden Regierung, NISA, Energiekonzerne und die regierungstreuen Wissenschaftler des Fernsehens sicher weiterhin behaupten, die Radioaktivität sei harmlos. Wenn die japanische Bevölkerung dumm ist, dann glaubt sie dies und nimmt radioaktiv kontaminiertes Gemüse zu sich. Und sofort stirbt man daran nicht. Doch man weiß, dass das Risiko, an Krebs zu erkranken, sehr hoch ist. Nur Sie, die Sie um die wirklichen Sachverhalte wissen, können Ihre Kinder beschützen.

In meinem Buch Genshiro jigen bakudan (Zeitbombe Atomreaktor) steht
„Wenn mir die Frage gestellt wird: ‚Gibt es in 10 Jahren noch dieses Land Japan?‘, dann muss ich mit einer schlimmen Vorahnung antworten: ‚Mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit wird es dieses Land nicht mehr geben.‘ (…) Über das, was auf uns zukommt, kann ich keine detaillierten Informationen liefern, aber uns erwartet ein schreckliches, düsteres Zeitalter. Welche Gestalt es hat, will ich mir gar nicht ausmalen, denn uns erwarten die Schrecken einer ‚Reaktorkatastrophe‘ aufgrund von Erdbewegungen, die nicht im verstandesmäßigen Ermessen der Menschen liegen.“

Und wenn nun wirklich das eingetroffen ist, dann bleibt mir nur noch tiefe, schmerzliche Trauer.“

Doktor- und Adelstitel für alle!

27.02.2011

Und wieder sind die Zeitungen voller Geschichten über Dr. Feelgood alias Dr. a. D. Fehlgutt. Jahaha, da lernt man, wie man es machen muss: Der Universität Bayreuth ein paar Tausender als Spende überweisen, und schon… summa cum fraude. Oder SUMMA CUM gekLAUTE. Wie? Was? Natürlich besteht hier keinerlei Zusammenhang, KEINERLEI! Das haben sicherlich auch diejenigen weit von sich gewiesen, die gestern in einer Demonstration vor dem Berliner Verteidigungsministerium dem Minister die Schuhsohle gezeigt haben.

Im Übrigen verstehe ich die Aufregung der Demonstranten nicht, leistet der Minister doch gerade einen wertvollen Beitrag zur Demokratisierung der Gesellschaft. Er zeigt uns allen beispielhaft: Es ist soooo einfach, einen Doktortitel zu ergattern! Deshalb sollten wir alle sein Werk konsequent zu Ende und selbst einen Doktortitel führen. Und wenn wir schon dabei sind, gleich einen Adelstitel dazu.

Findet: Freifrau Doktor Ute von und zu drunter und drüber Scheub
P.S.: Zu dumm, dass ich meinen Doktortitel schon vor der Guttenberg-Affäre besaß. Hätte ich mir doch viel Arbeit ersparen können!

Hunderttausende in Wut und Zorn

14.02.2011

Erneut haben gestern Hunderttausende protestiert, in der Hauptstadt und in insgesamt 230 Städten und Gemeinden. Sie sind wütend und zornig, sie fordern „Würde und Freiheit“, sie verlangen den Rücktritt des autoritären Herrschers, sie kämpfen „für die Würde der Frauen“. „Erst Mubarak, dann Silvio!“, schreien sie. Auch wenn es wenig wahrscheinlich ist: Hoffen wir, dass Bordellusconi, dieser Schwanz auf zwei Beinen, endlich geht und Italien befreit wird.

Schuhsohlenzeigen hat gewirkt!

11.02.2011

Mubarak ist abgetreten! Großartig! Das ägyptische Volk hat mit seinem mutigen und bewundernswerten Aufstand gezeigt, dass gewaltfreie Revolutionen möglich sind – auch dann, wenn die Gegenseite zu Gewalt greift. Ob wohl das kollektive Schuhsohlenzeigen auf dem Tahrirplatz der letzte Anstoß für den Abgang des Pharao war?

Schuhsohlen für Mubarak

10.02.2011

Wunderbar, wie die Leute auf Kairos Befreiungsplatz kollektiv ihre Schuhsohlen gegen den Diktator Mubarak hochhielten!, als dieser ihren Freiheitswillen mit einer nichtssagenden Rede beleidigte.

Übrigens haben Forscher der Princeton University ein flexibles Material für Schuhsohlen entwickelt, das die mechanische Energie der Füße zu achtzig Prozent in elektrische Energie umwandelt. Es handelt sich um ein gummiartiges Sandwich aus Silikon und weiteren Stoffen, die unter mechanischem Druck eine Spannung aufbauen. Diese Spannung lässt Strom fließen. Irgendwann werden wir also beim ganz alltäglichen Gehen nutzbare Elektrizität erzeugen.

Aber vielleicht ist es ganz gut, dass die Ägypter solche Schuhe noch nicht tragen. Ihr Zorn hätte sonst den ganzen Tahrirplatz unter Strom gesetzt.

Frauen fördern heißt Kriege verhindern

09.02.2011

Am 20.Februar erscheint im Westend Verlag das von taz-Chefredakteurin Ines Pohl herausgegebene Buch „50 Vorschläge zur Veränderung der Gesellschaft“, für das ich zusammen mit Mathias Bröckers und Jürgen Gottschlich die Redaktion gemacht habe. Hier ein Auszug aus einem meiner darin veröffentlichten Beiträge:

„Wo Frauen das Sagen haben, geht es auch den Männern besser“, behaupten zunehmend auch Männer. Zum Beispiel Ricardo Coler, ein argentischer Reporter. Bei der chinesischen Minderheit der Mosuo gebe es weder Ehen noch Kleinfamilien und Gewalt, dafür viele Freiheiten für Frauen und Männer, berichtet er in seinem Buch „Das Paradies ist weiblich“. Maos Kommunisten hatten die Musuo-Männer vom Leben in der mutterzentrierten Großfamilie abbringen wollen – sie weigerten sich.

Ähnlich sah es bei den Semai aus, die bis in die 1980er Jahren unberührt im tiefsten Dschungel von Malaysia lebten. Ethnologen berichteten, die Semai seien das friedlichste Völkchen der Erde, sie kennten keinen Statusunterschied zwischen Frauen und Männern, keine Aggression oder sexuelle Gewalt, auch keinen Staat, kein Privateigentum, keine Hierarchien. Ehen würden auf Zeit geschlossen, außereheliche Beziehungen sähen die Semai als „ein Ausleihen“. Konflikte würden in langen Palavern gelöst. Die Semai sagten über dieses Verfahren: „Es gibt mehr Gründe, einen Disput zu fürchten als einen Tiger.“

Von insgesamt 25 friedfertigen Gesellschaften, die die US-Friedensforscherin Elise Boulding auf www.peacefulsocieties.orgvorstellt, sind 19 geschlechteregalitär: Der Status von Frauen und Männern unterscheidet sich nicht. Es existiert offenbar ein enger Zusammenhang zwischen Statusgleichheit und Friedensfähigkeit. (…)

Statusunterschiede können umgekehrt leicht zu innerer und äußerer Gewalt führen, das weiß man auch von der Unterdrückung ethnischer oder religiöser Minderheiten. Der Geschlechterstatus aber ist ein strategisches Schlüsselelement, weil die konkrete Erfahrung von Gleichheit oder Ungleichheit oder gar Gewalt zwischen Eltern schon bei kleinen Kindern die Spur bahnt, ob sie in ihrem späteren Leben egalitär-gelassen oder autoritär-aggressiv mit allen „Anderen“ umgehen.

Marx hat mit einem schönen Spruch das ganze Elend des Geschlechterkampfs auf den Punkt gebracht – nein, nicht Karl, sondern Groucho Marx. Der Komiker sagte zu einer Dame, die sich seinem Sitzmöbel näherte: „Madam, ich würde ja meinen Sitz für Sie aufgeben, wäre da nicht die Tatsache, dass ich selbst darin sitzen würde!“ Männer wollen Machtpositionen nicht gern abgeben, obwohl es ihnen selbst nützen würde.

Wie gemein: Randalierende Wildsau wird verwurschtet

10.12.2010

So eine menschliche Sauerei ohnegleichen! Da hat ein offenbar hochintelligentes Wildschwein aus dem Westerwald genau erkannt, was sich hinter den heuchlerisch-fröhlichen Schweinebildchen auf einer Metzgerei in Höhr-Grenzhausen verbirgt. Kurz entschlossen nahm es Anlauf, drückte die Eingangstür ein und attackierte die Fleischtheke. Die Fleischverkäuferin flüchtete, eine Kundin ebenfalls. Der Keiler wusste anscheinend genau: Hier geht es um die Wurscht!

Und die Gemeinheit ist: Nun wird er zur derselben verarbeitet.

Die Vereinigung der Vegetarier Deutschlands hat es leider verpennt, dieser armen Sau rechtzeitig die Goldmedaille für mutigen Tierschutz zu verleihen. Stattdessen wurde das Wildschwein von einem Jäger erschossen. Friede seiner Wurst und seinen Schnitzeln.

Noch mehr gute Nachrichten

20.11.2010

Zum dritten Mal haben wir in der heutigen „Sonntaz“ auf 13 Sonderseiten ausschließlich gute Nachrichten veröffentlicht – diesmal Erfolgsgeschichten und vielversprechende Projekte aus der Provinz. (Links zu den beiden ersten Ausgaben weiter unten in meinem Blog) Hier geht es zur Übersicht, hier zu meinem Artikel über die „Powerpflanze“ Madeleine Porr bzw. Amaranth, hier zu meinem Feature über Terra-Preta-Pionierprojekte im Schweizer Wallis und im pfälzischen Hengstbacherhof, hier zu Annette Jensen Reportage über Regiogeld, hier zu Stephan Koschs Interview mit Joachim Sikora, dem Vordenker des „regionalen Aufbruchs“. Nicht alle Artikel stehen im Internet, weitere sind in der Printausgabe zu finden.

Gute Nachrichten

13.10.2010

Weil die Medien voll von schlechten Nachrichten sind, produziere ich immer wieder sehr bewusst gute Nachrichten. Am 31.Oktober 2010 um 13:25 Uhr wird unsere Website visionews online gehen – mit Visionen, Erfolgsgeschichten und guten Nachrichten.

Um 13:25 Uhr deshalb, weil es um die Umsetzung der UN-Resolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit gehen wird, die an jenem Tag zehn Jahre alt wird. Diese Resolution des Sicherheitsrates ist keineswegs eine „Frauenresolution“, und bei ihrer Umsetzung geht es auch nicht um Political Correctness. Sondern um ein Schlüsselelement in der internationalen Außen-, Entwicklungs- und Sicherheitspolitik, wenn es darum geht, Kriege und Gewalt zu verhindern und Friedensprozesse nachhaltig und effizient zu gestalten.

Dies kann man auch in der von mir mitkonzipierten Ausstellung sehen, die derzeit vor der Nase des UN-Sicherheitsrats in New York und demnächst in Berlin und Bern zu sehen sein wird. Hier ein Artikel darüber.

Sarrazynische Lizenz zum Hassen

25.09.2010

Seit Wochen hat die Nation nix Besseres zu tun, als über Thilo Sarrazins Buch „Deutschland schafft sich ab“ zu debattieren. Angeblich deshalb, weil es hierzulande so viele integrationsunwillige Moslems gibt.

Eine kleine Minderheit von Islamisten schottet sich tatsächlich ab. Aber das erklärt in keiner Weise die ungeheure Resonanz auf das Buch. Ich halte die massenhafte Zustimmung zu den sarrazynischen Tiraden vielmehr für eine traurige Bestätigung der Grundthese in meinem Buch „Heldendämmerung“, dass die Angst vieler Männer vor Statusverlust schnell in Hass, Aggression und Gewalt umschlagen kann. Ihre Statuspanik entsteht durch den Bildungsaufstieg der Frauen und – im Falle von Deutschland – auch durch die einer entstehenden migrantischen Mittelschicht.

Der Salonrassist Sarrazin ist auch ein Salonsexist, denn er ergeht sich in einer klassischen Männerfantasie: Er will die Geburtenzahlen von Frauen steuern. Die der deutschen Elite sollen hoch- und die der ausländischen, vor allem der muslimischen Unterschicht, sollen runtergehen. Noch präziser: Er will so viele Frauenkörper wie möglich kontrollieren. Frauen sollen seine Vorstellungen, wie die Welt zu sein hat, zu Diensten sein. Das ist eine sexistische und egomanische Wahnvorstellung, die schon viele Populisten, Rassisten und Fundamentalisten dieser Welt befallen hat.

Und dafür bekommt Sarrazin rauschenden Applaus von all jenen Männern, die sich durch Wirtschaftskrise und weibliche Konkurrenz in ihrer Identität zutiefst bedroht fühlen. Die, weil sie sich stets nach oben orientieren, nach unten hassen. Dass ein „Elite“-Mann wie Sarrazin gegen Moslems zu Felde zieht, gibt ihnen die Lizenz zum Loslassen ihrer niedrigsten Instinkte: Wenn der das darf, dann dürfen wir auch!

Seit Wochen quellen die Bloggs des Internet über von massivsten Pöbeleien und Gewaltfantasien. Die Webmaster kommen kaum mehr nach, die schlimmsten Kommentare zu löschen. Mir kann niemand erzählen, dieser Hass erkläre sich dadurch, dass bestimmte moslemische Jugendliche die Schule nicht schaffen.

Held des Rückzugs

20.06.2010

Ein mexikanischer Matador ist Mitte Juni während eines Stierkampfes aus der Arena geflohen. Er hüpfte über ein Absperrgitter, um einem angriffslustigen Stier zu entgehen. „Das ist nicht mein Ding“, erklärte der 22-jährige Christian Hernández später in einem TV-Interview. Er kündigte an, sich einen anderen Beruf suchen zu wollen.

Im Gegensatz zu den Kriegshelden, die ich in meiner „Heldendämmerung“ portraitiere, halte ich diesen jungen Mexikaner für einen wahren Helden. Er hatte den Mut, dem Gejohle der Menge zum Trotz nicht länger sinnlos das eigene Leben zu riskieren und mit einem ebenso stumpfsinnigen wie tierquälerischen Beruf zu brechen. Ein Held des Rückzugs, der die Courage hat, sich der öffentlichen Meinung entgegenzustellen. !Bravo, Senor Hernández!

Gemeinerweise sah die Polizei das anders. Kurz nach seinem Abgang nahm sie meinen Helden wegen Vertragsverletzung fest. Gegen Zahlung einer Geldbuße wurde er dann wieder freigelassen.

Eine Blume, verwelkt

17.05.2010

Afghanistan: Die erst 23 Jahre alte Provinzabgeordnete Gul Makay Wakili wurde bei einem Taliban-Angriff in der Provinz Nimros getötet. Eine von zahllosen Aktivistinnen, die ihr Leben lassen mussten.

Sie war schön und klug, sie hatte Humor, sie strahlte Optimismus aus und wollte beim Wiederaufbau ihres Landes helfen. Jetzt ist Gul Makay Wakili tot. Die erst 23 Jahre alte Abgeordnete des Provinz-Rates („Schura“) im südwestafghanischen Nimros wurde am 5. Mai bei einem Talibanangriff getötet.

Als ich Gul Makay Wakili im Jahre 2004 kennenlernte, war sie erst 17 und Schülerin der 12. Klasse des Mädchengymnasiums in der Provinzhauptstadt Saradsch. Ihre auffallenden grünen Augen funkelten vergnügt unter dem hellgrünen Kopftuch, als wir sie zusammen mit anderen Schülerinnen zum Gespräch baten. Gul berichtete, sie wolle „Journalistin und Literatin“ werden. Obwohl sie noch kein Abitur hatte, war sie selbst schon als Aushilfslehrerin tätig, unterrichtete morgens vor Schulbeginn Englisch und bildete sich nachmittags am Lehrerkolleg weiter.

Sie war eins jener jungen afghanischen Mädchen, die unglaublich hart arbeiten, weil sie wissen, dass Bildung die einzige Chance für sie und für ihr Land ist. Sie sind auch deshalb so fleißig, weil die wenigsten das Privileg einer höheren Bildung erlangen. Nicht mal als ein Drittel aller afghanischen Mädchen werden eingeschult, noch viel weniger machen Abitur. Und wo sie zur Schule gehen, werden sie bedroht. In Kundus griffen islamistische Kämpfer Ende April und dann nochmals Mitte Mai mehrere Mädchenschulen mit süßlich riechendem Giftgas an, mindestens 80 Schülerinnen und mehrere Lehrkräfte mussten ins Krankenhaus. „Ich war in meiner Klasse und dachte, ich rieche eine Blume“, berichtete ein Mädchen namens Sumaila. „In diesem Moment sah ich, wie meine Klassenkameradinnen und mein Lehrer hinfielen.“ Es war die fünfte Gas-Attacke innerhalb eines Monats in Afghanistan.

Gul und ihre Freundinnen berichteten uns damals über die Zeit unter den Taliban. Frauen und Mädchen durften die Häuser nicht verlassen, und „unsere einzige Beschäftigung war, iranisches Fernsehen zu gucken.“ Das staubige Provinznest Sarandsch, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Iran entfernt, bezieht Strom und Fernsehbilder aus dem Nachbarland. Lachend erzählten die Schülerinnen von ihren Tricks, wie sie die Koranschüler narrten: „Wir wurden einmal beim Fernsehen erwischt, und die Taliban wollten das Gerät beschlagnahmen. Meine Cousins bauten ganz schnell die Innenteile aus und gaben ihnen das nackte Gehäuse mit. Sie haben es nicht bemerkt.“ Gul Makay kommentierte: „Wenn wir Afghanen uns einigen würden, dann könnten wir eine gute Gesellschaft aufbauen. Aber wenn wieder alle um die Macht kämpfen, wäre das schrecklich, und die Taliban kämen vielleicht wieder. Die Angst ist latent da. Deshalb brauchen wir eine Regierung der nationalen Einheit.“

Sie trat deshalb selbst als Kandidatin an, als 2005 Parlament und Provinzräte zur Wahl standen. Ein Viertel der Sitze war für Frauen reserviert, im Falle von Nimros gar drei von neun Posten. Und Gul, deren Namen auf Dari „Blume“ bedeutet, die politisch nicht festgelegt war, die mit allen gut konnte, wurde gewählt. Wieder arbeitete sie viel und hart, und, was neu und ungewöhnlich war: In einem Rechenschaftsbericht machte sie transparent, was die Provinz-Schura getan habe und noch zu tun gedenke. Auch das machte sie beliebt.

Nimros ist ein besonderer Flecken. Neben dem legendären Pandschirtal ist es die einzige Region von Afghanistan, die weder von den Sowjets noch von den Taliban jemals ganz erobert wurde. Das lag an der „Nimrosfront“, einer Widerstandsgruppe aus verfolgten Demokraten, die sich einem „dritten Weg“ zwischen Kapitalismus und Kommunismus verschrieben hatte und den politischen Islamismus ablehnte. Als die Taliban Ende 2001 abzogen, übernahmen ihre Veteranen die Provinzregierung. Bis ungefähr 2005 war Nimros die sicherste afghanische Provinz. Auch die Frauen lebten dort ein wenig besser, kaum eine trug die Burka, und die örtliche Regierung ließ – einmalig in ganz Afghanistan – koedukative Schulen errichten. Auch Gul profitierte von den Bemühungen der lokalen Machthaber um Mädchenbildung.

Die Provinzregierung tat intuitiv das Richtige, obwohl sie keine Kenntnis hatte von den Studien der Weltbank, der Kinderhilfsorganisation Plan International oder der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung, die allesamt zum Ergebnis kommen, Mädchenbildung sei der zentrale Entwicklungsfaktor. Sie verringe die Armut und treibe die Gleichstellung der Geschlechter an, senke die Fruchtbarkeitsrate der Menschen und steigere die der Felder. Gebildete Frauen hätten weniger Kinder, ernährten diese besser und kümmerten sich mehr um ihre Gesundheit und Bildung. Wie um das zu bestätigen, gaben Gul Makay und ihre Freundinnen kund, sie wollten „nicht so schnell heiraten“. „Wir wollen Selbstbestimmung“, forderte Gul.

Umgekehrt gilt: „Attacken auf Mädchenschulen sind Teil der Langzeitstrategie der Taliban, die Gesellschaft in dunkle Zeiten zurückzustoßen“, schreibt der indische Konfliktforscher D. Suba Chandran. „Welchen besseren Weg gibt es, eine Gesellschaft von Ungebildeten heranzuzüchten, als die Mädchenerziehung zu stoppen?“ Doch nicht nur die Koranschüler, auch etliche Warlords der Regierung Karsai betreiben eine „Geschlechtersäuberung“ des öffentlichen Raumes. Politikerinnen, Journalistinnen und Frauenrechtlerinnen werden bedroht, außer Landes getrieben oder ermordet. Wie nun auch Gul Makay.

Seit US-Truppen die Taliban in Helmand bekriegen, werden diese zunehmend in die Nachbarprovinz Nimros getrieben. Provinzgouverneur Gholam Dastegir Asad beklagte sich in Kabul, diese Art von Kriegführung verlagere die Probleme nur, doch weitere Schutzmaßnahmen wurden ihm verweigert. Und dann kam der Angriff der Taliban am 5. Mai, der bislang schlimmste in Nimros. Neun schwer bewaffnete Kämpfer versuchten die abgeschirmten Regierungsgebäude zu stürmen. Afghanische Sicherheitskräfte schossen zurück, die Angreifer verschanzten sich in Privathäusern, die Schießereien dauerten stundenlang. Das Gebäude des Provinzrates, in dem Gul sich mit ihren zwei Kolleginnen aufhielt, war schlechter abgesichert, die Taliban drangen ein, die beiden anderen Frauen konnten fliehen, doch Gul Makay Wakili gelang das nicht mehr.

Am Ende waren mindestens zwölf Menschen tot: die Provinzrätin und mindestens zwei Sicherheitskräfte, aber auch ihre Mörder. Alle neun Attentäter, von denen acht aus Pakistan stammten, wurden nach Angaben des örtlichen Polizeichefs Dschabar Purdeli von Sicherheitskräften erschossen oder starben bei der Detonation ihrer Sprengstoffwesten. Der afghanische Präsident Hamid Karsai verurteilte die Aktion. Anders als üblich nannte er Gul Makay sogar namentlich und sprach ihrer Familie sein Beileid aus. Sie sei eine „fleißige Frau“ gewesen, die für ihr Land viel getan habe. Afghanistan hat eine Hoffnungsträgerin weniger.

Terra Preta – die Graswurzelrevolution

03.04.2010

Der folgende Artikel erschien in der Osterausgabe der taz. Hier die Originalfassung.

Die Schwarzerde Terra Preta hat das Potenzial, mehrere Krisen gleichzeitig zu meistern: die Klimakrise, die Hungerkatastrophe und die Hygienemisere in Slums. Und das alles ohne Großkonzerne, sondern in einer Agrarrevolution von unten. Ute Scheub besuchte einen ihrer Wiederentdecker, den Bodenkundler Haiko Pieplow, am nördlichen Rand von Berlin.

Haiko Pieplow greift in einen seiner Pflanzkübel und lässt die laut Bodenanalysen fruchtbarste Erde der Welt durch die Finger krümeln. Der promovierte Bodenkundler wird dabei malerisch umrahmt von Narzissen und mediterranen Gewächsen, die aus dem Boden seines Wintergartens am Rande von Berlin wachsen. Terra Preta (siehe Kasten) könne Abfälle in Rohstoffe umwandeln und damit eine echte regionale Kreislaufwirtschaft initieren, erläutert der Agraringenieur. Weltweit angewandt, sei sie in der Lage, rund 20 Prozent des Kohlendioxids aus der Luft holen und damit Böden dauerhaft fruchtbar machen. Der Treibgasausstoß würde damit entscheidend verringert und gleichzeitig der Hunger bekämpft. Schwarzerde – hergestellt von Landwirten und Kleinbäuerinnen, Hobbygärtnern und Slumbewohnerinnen – könne eine buchstäbliche Graswurzelrevolution auslösen.

Terra Preta do Indio, so lautet der portugiesische Name für die Schwarzerde aus dem Amazonas, die erstmals von früheren Indiokulturen angelegt wurde. Deutschen Wissenschaftlern, darunter Haiko Pieplow, gelang es ab 2005, ihren Herstellungsprozess experimentell wiederzuentdecken. Im Frühjahr ist in Pieplows Garten und Wintergarten noch nicht viel von den Effekten zu sehen. Aber im Sommer, berichtet der Familienvater, sei hier alles zugewuchert. Hinter der südlichen Glaswand seines raffiniert gebauten und raffiniert belüfteten Passivenergiehauses züchtet er Tomaten, Weintrauben, Guaven, Feigen und Granatäpfel, im Garten gedeihen Obst und Gemüse aus unseren Breitengraden. Ein Hauch von Paradies durchzieht das ganze Grundstück. Wie Pieplow durch das Haus führt und all die Behälter zeigt, in denen Abfälle wiederverwertet werden – Essensreste, Holzspäne, Brauchwasser, Kot, Urin -, da wirkt er wie ein moderner Alchemist, der aus Exkrementen Gold macht – schwarzes Gold.

Alchemie, erster Eimer: ach du heilige Scheiße
Im holzverkleideten Badezimmer steht neben dem Wasserklosett für die Gäste ein weißer Behälter, daneben ein Pott feine Holzkohle. Die luftdicht verschlossene Trockentrenntoilette. Dass sie nicht stinkt und nicht einmal ansatzweise müffelt, ist der Holzkohle zu verdanken, die das Ehepaar Pieplow nach jeder Benutzung per Schäufelchen drüberstreut. „Wichtig ist, Kot und Urin zu trennen“, erklärt der Hausherr und zeigt zwei Pipi-Behälterchen, die der männlichen und weiblichen Anatomie angepasst sind. Urin enthält sehr viel Stickstoff und wertvollen Phosphor, der sich jedoch bei der Herstellung der Terra Preta negativ auswirkt. Pieplow bewahrt sein „Goldwasser“ auf, es dient ihm zehnfach verdünnt in der Vegetationszeit als „ausgezeichneter Dünger“.

Und die Scheiße? Es heiße doch überall, dass es gefährlich sei, menschliche Exkremente auf Äcker aufzubringen? Kot sei ein Wertstoff, klärt er auf. Um dazu zu werden, müsse er jedoch mindestens ein halbes Jahr richtig behandelt werden. Er zitiert den Künstler und Visionär Friedrich Hundertwasser: „Natürlich ist es etwas Ungeheuerliches, wenn der Abfallkübel in den Mittelpunkt unserer Wohnung kommt und die Humustoilette auf den schönsten Platz zum Ehrensitz wird. Das ist jedoch genau die Kehrtwendung, die unserer Gesellschaft, unsere Zivilisation jetzt nehmen muss, wenn sie überleben will.“

Wer Terra Preta produzieren wolle, könne das aber auch ohne Kotverwertung tun, stellt Pieplow klar. Holzkohle, Küchen- oder Gartenabfälle genügten völlig. Doch für die Bewohner von kanalisationslosen Slums in südlichen Ländern sei die neue Toilette perspektivisch ein Segen. „Jeder kann sprichwörtlich sein kleines Geschäft damit machen, Terra Preta herstellen und gleichzeitig teure Abwassergebühren sparen.“ Und er berichtet davon, dass schon die alten Römer Götter der Abfallverwertung angebetet haben: Stercutius, den Gott des Kotes, Crepitus, den Gott des Abwindes, und Cloacina, die Göttin der Abzugskanäle.

Alchemie, zweiter Eimer: Kohl und Kohle
Im Wirtschaftsraum steht ein roter Plastikeimer mit Küchenabfällen und Holzkohle, einige Lagen darunter auch das Kotgemisch. „Sechs Euro hat der gekostet“, sagt Haiko Pieplow und hebt den Deckel hoch. „Riechen Sie was?“ Nein, genauso wenig wie auf dem Örtchen. Die Abfälle, erklärt er, müssten luftdicht abgeschlossen und gepresst werden („Bokashi“), damit die Milchsäurevergärung beginne. Die dafür nötigen Mikroorganismen könne man kaufen, aber im Prinzip seien sie auf Obst und Gemüse ausreichend vorhanden. Auch die – möglichst feine – Holzkohle könne man entweder erstehen oder selbst produzieren. Er selbst stellt eine Dose mit Sägespänen über Nacht in seinen Kamin, am nächsten Morgen sind die Späne geröstet und die Biokohle fertig. „Man kommt von selbst auf die richtigen Ideen, wenn man den ersten Sack Grillkohle zerkleinert hat und schwarz wie ein Schornsteinfeger ist“, sagt er schmunzelnd.

Alchemie, dritter Eimer: Würmer satt
Haiko Pieplow führt in den Garten, dorthin, wo nach etwa einem halben Jahr auch das Bokashi-Gemisch landet: zu den Kompostbehältern. „Erst in den Mägen der Regenwürmer und Kompostbewohner entsteht die Schwarzerde“, erklärt er. Ist Terra Preta also Regenwurm-Sklaverei? „Nein“, lächelt er. „Eher eine Symbiose. Wir füttern sie ja gut. In unserem Kompost gibt es regelrechte Wurm-Nester.“

„Holzkohleverwendung und Milchsäurevergärung sind weltweit bekannte uralte Verfahren, die niemand patentieren kann. Das Neue daran ist, dass man beides zusammenbringt“, erklärt der Agraringenieur. Bisher hätten nur die Indios dieses Geheimnis gekannt.

Deshalb kann kein Großkonzern die Herstellung monopolisieren. Einige kleine Firmen, mit denen Haiko Pieplow teilweise zusammenarbeitet, bieten die Zutaten an, aber man kann genauso selbst experimentieren, um Terra Preta herzustellen. Er hofft deshalb auf die weltweite Kreativität von Kleinbauern und Hobbygärtnerinnen, um die Graswurzelrevolution zu starten.

KASTEN
Das ist Terra Preta
Im Jahr 1542 befuhr der spanische Conquistador Francisco de Orellana den Amazonas, um das legendäre El Dorado zu suchen. Er berichtete von riesigen Städten an seinen Ufern, in denen Millionen Indios lebten. Da spätere Expeditionen nichts mehr fanden, glaubte man lange, Orellana habe gelogen. Dem Spanier entging indes, dass er tatsächlich ein El Dorado gefunden hatte: eine Kultur, die auf dem „schwarzen Gold der Erde“ basierte. Das Wissen um die Herstellung der Indianer-Schwarzerde, die anders als der nährstoffarme Regenwaldboden sehr fruchtbar ist, ging jedoch mit der Ausrottung der Ureinwohner verloren und gelangte erst in den 1990er Jahren in den Fokus von Forschern. Die uralten, teilweise meterdicken Schichten am Amazonas bestehen aus einer Mischung von Holzkohle, Exkrementen, Knochen und organischen Abfällen, durchsetzt mit Tonscherben – wahrscheinlich Überreste von riesigen Tongefäßen, in denen Siedlungsabfälle zu fruchtbarem Dauerhumus für Hochbeete umgewandelt wurde. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Milchsäurefermentierung, wie sie seit Jahrtausenden zur Nahrungskonservierung genutzt wird – Beispiel Sauerkraut.

Das kann Terra Preta
Schwarzerde kann Kunstdünger, Pestizide und Gentechnik ersetzen und damit perspektivisch die Macht der Agrokonzerne wie BASF oder Monsanto von unten aushöhlen. Terra-Preta-Böden erschöpfen nicht, sondern können sogar nachwachsen. Sie sind gut durchlüftet, halten das Wasser viel besser, Nährstoffe waschen nicht aus. In Terra Preta wachsen kerngesunde Pflanzen. Warum? Das erste Geheimnis ist Holzkohle. Die schwammartige poröse Struktur der Biokohle speichert Wasser und Nährstoffe. In ihren Hohlräumen – und das ist das zweite Geheimnis – siedeln sich komplexe Lebensgemeinschaften von Mikroorganismen an. Besonders wichtig sind milchsäurebildende Mikroorganismen. Der Effekt wird in der Landwirtschaft auch durch die aus Japan stammenden „Effektiven Mikroorganismen“ (EM) zur Bodenverbesserung genutzt. Für Terra Preta wird zuerst eine Holzkohlen-Sillage (auf Japanisch „Bokashi“) durch milchsaure Vergärung von organischem Material hergestellt (Küchenabfälle, Stroh, Dung, menschlicher Kot). Die gewonnene Substanz dient als willkommenes Futter für Regenwürmer und anderes Getier, zum Dank scheiden sie schwarze Erde aus. Terra Preta ist im Prinzip auf jedem Balkon, in jedem Kleingarten und in jeder Komposttonne herstellbar. Erwerbslose und Hartz-IV-Empfängerinnen könnten diese Schwarzerde und eigene Lebensmittel erzeugen. Überall, wo Menschen leben, kann Terra Preta die Landnutzung in diesem Jahrhundert revolutionieren.

Hier gibt es Terra Preta
Auf Versuchsböden in Brasilien wuchsen Bananenstauden bis zu fünf Meter pro Jahr, im rheinland-pfälzischen Hengstbacherhof wurden Rote-Beete-Köpfe so groß wie Handbälle. Die Qualität des dort hergestellten Terra-Preta-Substrats stellt nach einer Analyse des Landauer Instituts für Umweltwissenschaften die von Torf und herkömmlichem Kompost weit in den Schatten.
In der weltweit ersten Schwarzerde-Herstellungsanlage, die wie ein größeres Gewächshaus aussieht, sollen demnächst jährlich rund 50.000 Kubimeter Terra Preta für Profilandwirte und Hobbygärtner produziert werden. Geschäftsführer Joachim Böttcher aus Hengstbacherhof sieht sich „Fairness, Transparenz und Nachhaltigkeit“ verpflichtet und plant unter anderem die Gründung einer Schwarzerde-Genossenschaft. (Hier ist er zu sehen in einem SWR-Film) Die Universitäten von Berlin, Bayreuth und Leipzig, Landwirte im Chiemgau und im österreichischen Kaindorf sowie Biowinzer in der Schweiz experimentieren bereits mit Terra Preta. Weitere Infos unter www.triaterra.de oder bei den Chiemgauern.

Biologisch abbaubarer Modellstaat

21.03.2010

Auf der polynesischen Insel Moorea soll ein biologisch abbaubarer Öko-Modellstaat entstehen. In der taz habe ich mich mit den InitiatorInnen Roti Make und Eric Bihl unterhalten.

Heldendämmerung

09.03.2010

Just am internationalen Frauentag erschien mein neues Buch über Männer, Helden, Alphatiere und Betablogger im Verlag Pantheon.

Der SPIEGEL urteilt in seiner Ausgabe vom 15.März:
„Trotz trostloser Befunde en gros und en détail bleibt Scheubs Essay nicht im Morast der Lage stecken: Ihre „Heldendämmerung“ berichtet auch über hoffnungsvolle Initiativen und steckt insgesamt voller Witz und subversiver Erkenntnis.“

Die Neue Züricher Zeitung schreibt: „Ute Scheub geht in ihrem außerordentlich lesenswerten – und keineswegs der feministischen Kampfliteratur zuzurechnenden – Buch der Frage nach, weshalb Männlichkeit seit dem 19. Jahrhundert einen «irrationalen Überschuss» an Brutalität, Terror und Waffengewalt hervorbringt.“

Die Frankfurter Rundschau urteilt: „Es ist ein großer Vorzug dieses Buches, Partei zu nehmen, aber nicht parteiisch zu sein, dafür populär und journalistisch. Kulturgeschichte, Zeitgeschehen – reich illustriert mit Hintergründen, Zitaten, Sittenbildern aus der Welt der Politik und unverstellter Meinung, die aufklären, nicht manipulieren will: Das kann man in Scheubs „Heldendämmerung“ abholen. Und, was am schönsten ist: den unverwirklichten, aber ewig jungen Traum der Vernunft, dass es möglich sein muss, gleichberechtigt und fair in einer Welt zu leben, in der die Politik sich weniger um Rituale und Machterhalt schert als darum, den Menschen zugewandt zu sein.“

Und die WAZ: „Das Buch ist durchaus kämpferisch, verzichtet aber auf die üblichen Zutaten von Frauenbüchern. Scheubs Leitlinie ist Information.“

Hier kommt man zu einer Leseprobe: http://www.randomhouse.de/scheub und einem Vorabdruck in der taz. „5 Fragen an ein Buch“ im Magazin der Süddeutschen Zeitung

Besprechungen des Buches in der Berliner Zeitung, Hamburger Abendblatt, Basler Zeitung und Züricher Tagesanzeiger, Vorwärts, Aviva, im bookreporter, bei Miss Tilly, im Parlament

Auf der Leipziger Buchmesse wurde ich für Buchzeit-Extra meiner Lieblingssendung „Scobel“ in 3 sat, am taz-stand sowie im MDR-Fernsehen interviewt.

Weitere Interviews in Zeit-Online, im Deutschlandradio Kultur, in NDR Kultur , im MDR, im Sender Österreich 1.

Die Nato liebt die Frauen – die Frauen lieben zurück

08.03.2010

Am Nachmittag des Internationalen Frauentages hat Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen um 16 Uhr eine Live-Video-Online-Diskussion organisiert, in der die Anstrengungen der Nato zur Umsetzung der UN-Sicherheitsratsresolution 1325 zu Frauen, Frieden und Sicherheit hervorgehoben werden sollen.

„Die Nato liebt die Frauen – die Frauen lieben zurück“, kommentiert der Deutsche Frauensicherheitsrat, ein Netzwerk von Friedensaktivistinnen und Frauen aus politischen Stiftungen, diese Initiative. Der Frauensicherheitsrat sieht sich nämlich in großer Sorge um die Nato, die nach Einschätzung von Konkursverwaltern in die sofortige Insolvenz geschickt werden muss, um einen betrügerischen Bankrott zu vermeiden.

Bei ihrem Treffen Anfang Februar in Brüssel haben die 28 Nato-Verteidigungsminister laut verschiedenen Agenturmeldungen einen Finanzbedarf für 2010 von rund 2,5 Milliarden Euro genannt. Es fehlen jedoch gut 720 Millionen Euro für den Nato-Haushalt sowie eine Milliarde Euro für die Finanzierung der afghanischen Armee, Zusatzausgaben von Armee- und Polizeiausbildern in Afghanistan noch nicht mitgerechnet. Damit verbleibt mehr als die Hälfte der Nato-Ausgaben ungedeckt – eine Summe, die jedes marktwirtschaftliche Unternehmen in den Ruin treiben würde. Die ohne jede politische Strategie erfolgte Militärintervention in Afghanistan Ende 2001 ist nach Einschätzung des Frauensicherheitsrates auch in finanzieller Hinsicht zu einer abenteuerlichen Unternehmung mutiert, die angesichts von Wirtschaftskrise und aufgelaufenen Schulden im Euroraum und in den USA nicht mehr zu bezahlen ist.

Ein Blick in den Hauptbereich des Nato-Hauptquartiers in Brüssel genügte dem Frauensicherheitsrat, um diese Aussagen zu verifizieren: Wegplatten sind kaputt, Teppichstücke gehen hoch, Fußleisten sind abgesplittert, Trinkgläser sind blind, selbst das Toilettenpapier ist rau und dünn. Auf einem Großplakat wird zwar die Schönheit des geplanten neuen Hauptquartiers angepriesen, doch gut informierte Kreise zeigen sich überzeugt, dass dieser Neubau mangels Geld nie realisiert werden wird.

Angesichts dieser trostlosen Zustände macht der Frauensicherheitsrat der Führungsetage der Nato folgende Vorschläge, mit denen die drohende Insolvenz in letzter Minute abgewendet werden kann:

* Rent a general: Nach dem Vorbild des NRW-Ministerpräsidenten Jürgen Rüttgers könnten hohe Nato-Generäle oder Nato-Verteidigungsminister für Gesprächs- und Fototermine verkauft, geleast oder stundenweise vermietet werden.

* Rent a tank: Die Außenwände von Panzern eignen sich vorzüglich als Plakatierungsfläche für Unternehmen aller Art. Werbeplakate und Parolen wie „Rent-to-kill“ sollten dabei allerdings aus Imagegründen vermieden werden.

* Rent a barrack: Nach dem jüngsten Bericht des Wehrbeauftragten nimmt der Körperumfang deutscher Männer – Soldaten und Zivilisten – in Besorgnis erregender Weise zu. Beim Eintritt des Verteidigungsfalls wird voraussichtlich fast die Hälfte Rekruten in den Panzeröffnungen oder Schützengräben stecken bleiben. Dem könnte mit einem Sofortprogramm zum Umbau von Kasernen in öffentliche Fitness-Studios entgegen gewirkt werden.

www.frauensicherheitsrat.de

Meine persönliche CO2-Diät – eine Woche Selbstversuch

31.12.2009

Unter Tränen gebe ich zu: Ich wollte nur deshalb eine Woche lang meine persönliche CO2-Bilanz protokollieren, weil ich angeben wollte. Ich war mir sicher, dass meine Familie extrem gut dasteht. Ho! Ha! Völker dieser Welt, schaut auf diese Familie heldenhafter Klimaschützer! Aber… was für eine Blamage…

Der Reihe nach. Aus der Klimaforschung wusste ich, dass jeder Erdling nicht mehr als zwei Tonnen Kohlendioxid pro Jahr produzieren darf, wenn der Planet gerettet werden soll, wir Deutschen aber auf durchschnittlich elf Tonnen kommen, wobei allein zwei Tonnen auf unsere Ernährung entfallen. Die Website www.verbraucherfuersklima.de bietet nebst allerlei nützlichen Tipps zur Kohlendioxidreduzierung im Alltag ein Programm an, das die persönliche CO2-Bilanz ausrechnet. Ha, dachte ich, wir sind ja so ökorrekt. Häuschen mit supereffizienter Gas-Brennwertheizung plus Solaranlage, im Kühlschrank alles Bio, Papa fährt ein 5-Liter-Dings, Mama und Sohn nur Fahrrad oder U-Bahn. Und, das Beste: Wir haben keinen Hund. Neuseeländische Wissenschaftler haben laut „New Scientist“ nämlich ausgerechnet, dass diese fleischfressenden Monster jährlich umgerechnet mehr Klimaschädlichkeit produzieren als ein Geländewagen. Jawoll, ihr liebreizenden Labradorbesitzer! Für Katzen dürfte Ähnliches zutreffen, sofern sie sich nicht von Nachbars Wellensittichen ernähren.

Mein Frust fing schon damit an, dass der CO2-Rechner mir ungefragt 1,1 Tonnen zuteilte, einfach nur dafür, dass ich in dieser deutschen Zuvielisation lebe. Dann fragte er nach Gas- und Stromverbrauch und allerlei Gewohnheiten, und siehe da, der Balken, der meinen CO2-Verbrauch anzeigte, wuchs und wuchs. Am Ende stand er bei über sechs Tonnen. Schmach und Schande über mich!

„Na los, runter mit der Bilanz“, begann hier der Sohn zu kreischen, der – wahrscheinlich unter Mutters ungutem Einfluss – zum Radikalökologen geraten ist. „Kochen Sie mit regionalen und saisonalen Lebensmitteln“, rät die Website. Ein Kilo Ökotomaten aus der Region produziere nur 35 Gramm CO2, ein Kilo Flugware von den Kanaren aber schon 7,2 Kilo, ein Kilo konventionelle Tomaten aus einem winters beheizten Gewächshaus gar 9,3 Kilo. Ist einfach zu merken: Treibhäuser verursachen Treibhausgase. Also nachschauen im Erntekalender von Greenpeace, was man jetzt noch essen darf. Doch die gemeinen Greenpeacler bieten für Dezember nur noch eine einzige Sorte Obst an: Äpfel aus dem Lager. Keine Banane, Zitrone, Orange? Schimpfend zähle ich die armen Companeros auf, die in ihren mittelamerikanischen oder sizilianischen Kooperativen darben müssen, weil ich ihnen ihr Obst nicht mehr abkaufe.

Beim Gemüse sieht das Winterangebot etwas besser aus: Kartoffeln, Chicoree, Endivien- und Feldsalat, Kürbis, Kohl aller Sorten, Karotten und Rettiche, Zwiebeln und Lauch – das meiste aus dem Lager. Okay, Genosse Greenpeace, ich versuch mein Bestes. Am Montag gibt es Wirsingkohlsuppe. Am Dienstag Kartoffelsuppe mit Würstchen. Würstchen? Übel, belehrt mich www.verbraucherfuersklima.de. Um ein Kilo Schweinefleisch zu produzieren, werden drei bis vier Kilo Treibhausgase in die Luft gehauen. Auch Ökofleisch schneidet hier kaum besser ab, in manchen Studien sogar schlimmer, und Rindfleisch ist mit über elf Kilo eine Todsünde. Ach bitte, Genosse Greenpeace, gewähre mir doch ein Würstchen pro Woche! Am Mittwoch gibt es Reis mit einer Lauch-Kokos-Orangensoße. Reis? Kokos? Orange?? Ach bitte, bitte, Genosse Greenpeace – denk an die armen Kokosnussschüttler in Tuvalu! Und überhaupt, du bist nicht auf dem Laufenden, Herr Grünfriede: Der Warentransport per Schiff ist nach dem Transport per Rad, Rollschuh oder Ski noch der ökologischste. Fies ist vor allem die Fliegerei, das müsstest du doch wissen.

Am Donnerstag überwältigt mich vollends die Verzweiflung: Nudelauflauf wollte ich machen, lecker überbacken mit Käse-Sahne-Soße, dazu in Butter gedünsteter Mangold. Butter! Käse! Sahne! Der Klimawahnsinn! Die Produktion von einem Kilo konventioneller Butter, belehrt mich das Internet, erzeugt 23, die von Biobutter 22 Kilo Kohlendioxid. Käse und Sahne, egal ob konventionell oder bio, verbrauchen rund 7 Kilo. Aus Sicht des Klimaschutzes, lese ich, sei Kunstkäse aus Milchpulver, Wasser und Pflanzenöl entschieden vorzuziehen. Meine leckeren Vollkornnudeln mit einem Gummiüberzug versehen? Never! Und überhaupt werde ich immer wütender: Während ich mich hier um ein paar Gramm CO2 weniger abmühe, jetten andere ganztags um die Welt, um im Dschungel neue Ölquellen zu finden oder den Globus auf andere Weise zu versauen! Vor Wut lasse ich das Essen anbrennen, und wir gehen beim Italiener essen. Was fläzt auf meiner Pizza? Kunstkäse.

Am Freitag schließlich sage ich mir, dass man die Welt nur retten kann, wenn es dabei genussvoll zugeht. Ehrgeizig geworden, kredenze ich meiner Familie das erste vollregionale Fünf-Gänge-Menü meines Lebens, ausschließlich mit Zutaten von unseren Brandenburger Ökobauern: Chicoree-Birnen-Feldsalat, Nudeln mit Nüssen und Kürbiskernen, Möhren mit Brunnenkresse und Sesam, Kartoffel-Steckrübenmus mit Rapsöl, zum Abschluss Bratäpfel mit Schokostückchen. Woher letztere stammen? Fragt nicht so blöd, natürlich von den ausgedehnten Kakaoplantagen Potsdams.

www.verbraucherfuersklima.de
www.gls.de/Klima
www.greenpeace.de
http://www.ecotopten.de

Heute wieder nur gute Nachrichten

08.12.2009

Zum Nikolaustag veröffentlichte die taz 20 Sonderseiten unter dem Titel „Wir steigern das Bruttosozialglück“, die ich zusammen mit zwei KollegInnen produziert habe. Hier als pdf-Datei einige der Seiten zum Thema Happy Planet Index, Glücksforschung, Glücksvermessung in Bhutan und weitere gute Initiativen und Erfolgsmodelle. Wer die ganze Ausgabe haben will, muss sie beim taz-Verlag bestellen: vertrieb (at) taz.de
s17-18-son1-01
s18-19-son2-02
20-21
s22-23-son11-01
s24-25-son4-012
s26-son6-013
s28-29-son8-01
s30-31-kultur-01
s33-pol-01
s36-37-reise1-01
s39-son9-01

Die Hornissen-Koalition hat gesiegt

07.10.2009

Im Weltall begegnet ein Planet einem anderen. „Was hast du, du siehst so schlecht aus?“, fragt der. „Ich hab Homo sapiens.“ „Kenn ich. Hatte ich auch. Geht wieder weg.“

Ich hoffe, dass ich diesen meinen persönlichen Lieblingsmakaberwitz nach der Kopenhagener Konferenz ins Klo spülen kann, weil die Staatenregierungen sich auf ein Klima-Rettungskonzept geeinigt haben. Derzeit sieht es aber ganz und gar nicht danach aus.

Und dann noch der Frust mit der Bundestagswahl. Ein „Weiter so, mehr GentechnikAtomkraft&Größenwahn, Hurra Wachstum!“ ist das letzte, was wir jetzt brauchen. Nicht nur Schwarzrot oder Schwarzgelb, die ganze Parteiendemokratie ist verbraucht, unfähig, mit dem Wachstumswahn zu brechen, unfähig, der Finanzindustrie und den Energie- oder Agroindustriekonzernen in den Arm zu fallen, unfähig, die zentralen Weltprobleme anzugehen – die Klimakatastrophe, die schreiende Ungerechtigkeit zwischen Arm und Reich. „Die Kopenhagener Konferenz wird die wichtigste Konferenz der Menschheitsgeschichte werden“, sagt der Klimaforscher Hans-Joachim Schellnhuber und weist einmal mehr darauf hin, dass Nichthandeln die Welt extrem teuer zu stehen kommen wird. Aber im ritualisierten Wahlkampf wurde das Thema rangniedriger behandelt als die Absenkung der Eingangssteuerspitze nach dem DeHondtschen Progresslimitüberführungsgesetz oder flächendeckende Sprachtest-Bombardements in Kindergärten. Hat jemand was Erwähnenswertes zu Kopenhagen gehört? Etwa im angeblichen Höhepunkt des Wahlkampfes, dem Fernsehduell zwischen Merkel und Steinmeier??

Gute Aktion:

01.07.2009

Unfairen Einkauf stoppen
Machen Sie mit bei der Unterschriftenaktion, die sich an die fünf größten Supermarktketten – Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro – richtet!

Die Supermarktinitiative fordert:

– die Einhaltung von Arbeits- und Menschenrechten hierzulande und in Entwicklungsländern
– faire Einkaufspraktiken
– Transparenz

Unterzeichnen Sie den Appell an Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und Metro auf
http://www.unfairen-einkauf-stoppen.de

Heute nur gute Nachrichten

30.05.2009

Haben auch Sie den Wahnwitz der Welt, die unzähligen schlechten Nachrichten über Krisen, Kriege und Katastrophen satt? All die News, die so ohnmächtig machen? Während nach Rechnung der Klimaforscher nur noch 15 Jahre Zeit bleiben, um die Überhitzung des Planeten zu stoppen, fällen unsere sogenannten Eliten täglich haarsträubend falsche Entscheidungen. Und verkünden gleichzeitig, ihre Politik und ihr Wirtschaftskurs seien alternativlos. Dabei gibt es weltweit unzählige Erfolgsmodelle, die das Gegenteil zeigen. Nur werden sie in den Mainstream-Medien selten abgebildet. Im Bauch des abgewirtschafteten Neoliberalismus wächst eine neue solidarische und naturverträgliche Wirtschaft heran. In der Pfingstausgabe der taz habe ich zusammen mit Antje Bauer einen winzigen Bruchteil dieser Initiativen zusammengestellt. taz-AutorInnen porträtieren Menschen, die Solarkocher erfunden, Betriebe als Genossenschaften reorganisiert oder mit ihren Nachbarn eine zinsfreie Bank gegründet haben, Menschen, die sich in Ruanda oder Berlin-Neukölln für Frauenrechte und in Südamerika für die Rechte der Natur engagieren, die übers Internet weltweit Kampagnen organisieren oder vor Ort Illegale gesundheitlich versorgen oder verstecken. Solche Projekte machen Mut. Und sie zeigen, dass eine solidarische Welt langsam sichtbar wird. Oder, in den Worten von Arundhati Roy: „Eine andere Welt ist nicht nur möglich. An stillen Tagen können wir sie bereits atmen hören.“
Sie finden diese Seiten unter: www.cl-netz.de

Der Wahnwitz der Welt (30)

06.03.2009

Wettbewerb der Grausamkeiten
Die Nachricht zum internationalen Frauentag 2009: Der brasilianische José Cardoso Sobrinho hat ein neunjähriges Vergewaltigungsopfer aus der katholischen Kirche ausgestoßen. Das Mädchen war vom eigenen Stiefvater geschwängert worden und hatte Zwillinge abtreiben lassen – selbst gerade erst 130 Zentimeter groß und 36 Kilogramm schwer, hätte es deren Geburt sicherlich nicht überlebt. Die Mutter, die die Abtreibung unterstützt hatte, und die Ärzte, die sie durchgeführt hatten, wurden gleich mit aus der Kirche geschmissen. Abtreibung sei ein „Verbrechen“, schlimmer als Vergewaltigung, befand der feine Herr Erzbischof.

Aber hier kommt der Beweis, dass die Christenheit ja sooooooooooo viel besser ist als die Islamis: In Somalia ist ein 13-jähriges vergewaltigtes Mädchen im letzten Herbst wegen „Ehebruchs“ zu Tode gesteinigt worden. Rund 1000 Zuschauer sollen nach Angaben von amnesty international in Mogadischu zugeschaut haben, wie Dutzende Männer Steine auf das Kind warfen.

Bitte, lieber Gott, kannst du mal dein weltweites Girl-Watch anschalten?

Der Wahnwitz der Welt (29)

29.01.2009

Wir sind Holocaustleugner
„Wir sind Papst“, jubelte die „Bild“, als der weiße Rauch aus dem Vatikan aufstieg und der deutsche Bischof Joseph Ratzinger als Papa Ratzi inthronisiert wurde. Ich warte nun auf die Schlagzeile „Wir sind Holocaustleugner“. Kurz vor dem Gedenktag zur Befreiung des KZ Auschwitz hat Papst Benedikt XVI. einen veritablen Holocaustleugner wieder in die Arme der Kirche geschlossen, den britischen Bischof Williamson, gegen den wegen Volksverhetzung ermittelt wird. Da bleibt einem doch jede Spucke im Hals stecken. Der oberste Christenmann versteht es, zuerst die Muslime mit seiner hochgradig arroganten „Regensburger Rede“ zu verstören und jetzt die Juden. Ist da der frühere Hitlerjunge in ihm durchgebrochen? Oder sollte ich mich in seiner historischen Mission vertan haben, und es ging ihm in Wirklichkeit darum, das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes ein für allemal abzuschaffen?

Der Wahnwitz der Welt (28)

14.01.2009

Trost
Das Jahr 2009 begann extrem übel mit Weltwirtschaftskrise und Gazakrieg. All denjenigen, die jetzt Trost erwarten, kann ich nur entgegnen: Woher nehmen, wenn nicht stehlen? Und überhaupt, wo gibt es den Laden, in dem man Trost kaufen oder stehlen kann? Er wäre der Renner in heutigen Zeiten.
Aber ein Trösterchen hab ich doch: Manchmal entsteht aus dem Zusammenstoß zweier Übel auch Gutes. Zum Beispiel finden „Heuschrecken“ dank Wirtschaftskrise nichts mehr zu fressen. Die „Heuschrecke“ Montgomery verkauft deshalb die „Berliner Zeitung“ an den Kölner Verleger Neven du Mont, und die monatelang terrorisierte Redaktion der „Berliner Zeitung“ darf aufatmen. Oder: Die Preisdrückerketten „Aldi“ und „Lidl“ werden seit neuestem von Islamisten boykottiert. Diese hatten das Gerücht aufgebracht, die Besitzer seien Juden und würden alle Einnahmen aus den freitäglichen und samstäglichen Verkäufen nach Israel spenden. Minus mal minus ergibt auch in der Mathematik ein Plus.

Der Wahnwitz der Welt (27)

20.12.2008

Sprechen verboten
In der zentralafghanischen Provinz Ghasni haben islamistische Mullahs nun den Radio- und Fernsehsendern verboten, Stimmen von Frauen oder Mädchen auszusenden. Frauen hätten es nämlich in letzter Zeit immer öfter gewagt, per Handy Kontakt mit Sendern aufzunehmen und dort ihre Stimme zu erheben und ihre Meinung zu äußern. Das aber sei hochgefährlich. Ihre Stimmen verursachten Unruhe und unmoralische Regungen bei den Männern, und das sei nach dem Islam verboten.
Man muss den Mullahs zustimmen: Männer, die es nicht ertragen, dass Frauen eine Stimme haben, sind tatsächlich von unmoralischen Regungen durchdrungen.

Der Wahnwitz der Welt (26)

07.11.2008

Obamamamia
Was für ein großartiger Sieg, was für eine Erleichterung nach acht Jahren Bush: Barack Hussein Obama ist neuer US-Präsident! Barack ist ein Kisuaheli-Wort und bedeutet „Gesegneter“. Hussein hieß der Enkelsohn des Propheten Mohamed, der Name bedeutet „Kleiner Hassan“ oder „Kleiner Schöner“. Und Obama bedeutet im Persischen „Er mit uns“. Also: Gesegneter kleiner Schöner, sei mit uns!

Der Wahnwitz der Welt (25)

07.10.2008

Banküberfall

Dieser Tage strengt sich der Wahnwitz der Welt schwer an, noch wahnwitziger zu sein als bisher. Das Wort „Banküberfall“ bekommt eine ganz neue Bedeutung: Es sind die Banken, die uns alle überfallen, die Staaten und die Steuerzahler. Wir erleben den gigantischsten Raubüberfall der Geschichte. Manager, die zweistellige Millionenbeträge pro Jahr verdient und Milliardenverluste erwirtschaftet haben, halten der Politik nun die Pistole an die Brust: Geld her oder Leben! Entweder ihr blecht, oder wir reißen euch in den Abgrund. Das Wort Unverschämtheit ist viel zu schwach dafür, um solch einen Vorgang zu beschreiben.
Das afghanische Parlament, eines der korruptesten der Welt, ist in Sachen Geldbesorgung übrigens einen anderen innovativen Weg gegangen. Es hat einer Privatbank ermöglicht, seine Filiale im Herzen des „Hohen Hauses“ zu eröffnen. Es dürfte sich weltweit um die einzige Volksvertretung handeln, die sich solche Sitten erlaubt. Chapeau, meine Herren und wenigen Damen in Kabul, Sie sind offenbar die einzigen, die die Bankenkrise vorausgesehen und sich eine Möglichkeit organisiert haben, schneller als alle anderen Ihre Konten leerzuräumen, wenn es nottut.

Der Wahnwitz der Welt (24)

28.08.2008

Krakologie
Kraken sind unglaublich intelligent. Sie öffnen Gläser mit Deckeln, sofern darin ein leckeres Krebslein hockt, und können sogar Menschengesichter unterscheiden. Die Kraken im Versuchsaquarium von Seattle wedeln immer dann mit den Armen, wenn ihr Fütterer kommt. Wenn jedoch jener Meeresbiologe erscheint, der sie mit einem Stock geärgert hat, dann verspritzen sie Wasser und verziehen sich. Kraken haben acht Arme, drei Herzen und sagenhafte neun Hirne – in jedem Arm eins plus Haupthirn. Ihre Arme denken also mit. Wäre das nicht eine Lösung auch für die Menschen? Ein Hirn für jedes Körperteil? Denn offensichtlich ist das im Kopf überfordert mit den komplizierten Gemengelage auf Erden. Ich weiß das genau, denn ich bin Präsidentin des von mir gegründeten Wissenschaftszweigs der Bobologie. Die Wissenschaft von der menschlichen Dummheit – bobo heißt auf spanisch „doof“ -, versucht, die vorhandene Blödheit zu einem neuen Energie-Rohstoff umzuformen. Wenn wir mit Doofheit heizen und Auto fahren könnten, wären doch fast alle Probleme gelöst, oder? Aber bisher sind wir leider zu doof für diese Erfindung.

Der Wahnwitz der Welt (23)

21.08.2008

AKWs zu Schnapsfabriken
Ehe der Streit um längere Laufzeiten für Atomkraftwerke nun völlig aus dem Ruder läuft, möchte ich hier einen Vorschlag zur Güte machen. Er dürfte den Bundestag begeistern, den schon Joschka Fischer 1983 „eine unglaubliche Alkoholikerversammlung“ nannte. Also: Legt die Dinger still, Schwerter zu Pflugscharen, Atomkraftwerke zu Schnapsfabriken! Dass das geht, beweisen seit einigen Jahren unsere russischen Freunde. Am Ufer der Wolga steht das Atomkraftwerk Nischni Nowgorod, das nach der Katastrophe von Tschernobyl aus Sorge vor einem weiteren Super-GAU nicht ans Netz ging, umgebaut wurde und jetzt hochprozentige Brennstoffe für russische Kehlen produziert. Im Inneren des Kraftwerks werden nunmehr Wodkaflaschen der Marken „Nischni Nowgorod Kreml“, „Ins neue Jahrhundert“ und „Goldenes Chochloma“ abgefüllt. „Unser Wodka ist Natur pur“, preist das Unternehmen „Room“ seine Wässerchen auf seiner Website an. Der Liter kostet umgerechnet gerade mal 0,73 Euro – Mann! Deutsche Atomkraftwerke sollten sich meiner Meinung nach jedoch kultursensibel anpassen und Bier brauen. Ich trinke nämlich kein Bier.

Der Wahnwitz der Welt (22)

14.08.2008

Wels und Einhorn
Die Sommerzeit ist gut für manche tierische Entdeckung. Diese Erfahrung musste im Juni eine Schwimmerin machen, die im Schlachtensee heftig von unten attackiert und gebissen wurde. Wäre es ein Mann gewesen, man hätte ihn im traumatisierten Zustand eines reaktivierten frühkindlichen Kastrationskomplexes aus dem Wasser ziehen müssen. Aber es waren weder Dr. Freud noch König Ödipus, die in unsichtbaren Gewässertiefen ihr Unwesen trieben, sondern ein Wels, der sich in seinen Laichgründen gestört fühlte. Ähnliches passierte im Landkreis Hildesheim, als Menschen im Altarm der Innerste einen Alligator vermuteten und um ihre Körperteile fürchteten. Das Krokodil stellte sich als gefährlich zuschnappende Alligatorschildkröte heraus. Vermutlich war sie von ihrem Besitzer ausgesetzt worden, der womöglich ebenfalls seine Manneskraft bedroht sah. Aber es gibt auch tierische Gestalten, die uns in Entzücken versetzen: In der Toskana ist ein Einhorn gesichtet worden. Das zauberhafte Tier ist ein junger Rehbock, der nur ein Horn hat. Und das wächst, wie im Märchen, aus der Mitte seiner Stirn. Die Poesie der Biologie!

Der Wahnwitz der Welt (21)

07.08.2008

Das Sommerloch
Ich sitze mit meinem Laptop in einem Straßencafé. Die große Leere der Sommerferien weht durch die Straßen, saugt die Menschen von Wegen und Plätzen. Eine seltsame Gestalt mit einer rüsseligen Nase nimmt neben mir Platz. Plötzlich sehe ich: Da, wo gerade noch eine Stuhllehne war, ist nur noch ein nichtsfarbenes Nichts. Und dann – schlmpffff, die Rüsselnase macht komische Geräusche – ist auch der Tisch weg. „Verflucht!“, brülle ich. Aber die Gestalt beachtet mich nicht und frisst sich weiter durch die Landschaft. Das nächste Opfer ist eine Sitzbank – pfzzumb, auch sie im ewigen Möbelhimmel. Ssstffffzzzz – auch die Kellnerin! Mir kommt ein furchtbarer Verdacht: Die Gestalt muss das Sommerloch sein! Das ganze Café ist schon weg, ich beuge mich schützend über meinen Laptop, bereit, mein Letztes zu verteidigen: diese Kolumne, mein Testament, aber der Rüssel schlurpft schon an den Tischbeinen herum, bscchhhglub, er pfffuht wie ein Staubsauger, gleich bin ich an der Reihe, jetzt bi -m öoilasOIUIusetfr rteaos lkj =)9uwert r rwepfffff f f f o o o o
Die Redaktion trauert.

Der Wahnwitz der Welt (20)

02.08.2008

Überhitzungen
Die Hitze macht Menschen und Dingen zu schaffen, beide drehen langsam durch. In den USA erschoss ein Mann seinen Rasenmäher, weil der nicht mehr starten wollte. In Belgrad beendete ein siebenjähriger Autofahrer sein Fahrdebüt mit einem Frontalcrash – zehn Verletzte inklusive. Die Neubauten des Bundestages in Berlin wollten hier nicht zurückstehen: Das Paul-Löbe-Haus schmiss eine Glasplatte aus dem sechsten Stock, das Jakob-Kaiser-Haus warf eines von vier Ruderbooten, die im Foyer als Kunstobjekt schweben, in selbiges hinunter. Aus Frust oder weil es baden gehen wollte? In Frankfurt schließlich setzte ein Autofahrer aus Wut über die Benzinpreise seinen BMW in Brand. Was zur Frage überleitet, ob es sich hier um ein Autodafé – also um Selbstverbrennung – handelt oder um ein Auto-Autodafé. Und ob dieser Auto-Autopilot in eigener Auto-Autonomie handelte und als Auto-Autokrat seiner Auto-Autoerotik ein Ende setzen wollte. Aber das sind philosophische Fragen, die man bei 33 Grad ungestellt sein lassen sollte – ich geh jetzt unter die Dusche. Hoffentlich ist sie nicht in der Zwischenzeit Ver.di beigetreten und streikt.

Der Wahnwitz der Welt (19)

24.07.2008

Wir sind alle Hussein
Er kommt! Heute kommt er, der große Erlöser, der Säulenheilige, der neue Messias aus Amerika! „Herr, Obama dich unser“, beten seine Jünger auf einer neuen Karikatur von Seyfried. Da hat der Herr Karikaturist aber was unterschlagen, heißt unser Held doch mit vollem Namen Barack Hussein Obama. Aber Hussein erinnert doch zu sehr an einen gewissen Saddam, der, nunja…, und dann auch noch dieser komische Nachname Obama, wie Ossama… Die rechtsgestrickten US-Medien haben diese Assoziationen so genüsslich ausgeschlachtet, dass jeder zehnte Amerikaner den Christen Obama für einen Muslim hält. Aber just deswegen haben seine Fans nun die Bewegung „Wir sind alle Husseins“ ausgerufen. Wie sie auf der Website „facebook“ stolz verkünden, lassen sie sich alle, ob männlich oder weiblich, katholisch oder jüdisch, auf den Namen „Hussein“ taufen. Heute also trifft Barack Hussein Obama nacheinander Angela Hussein Merkel, Frank-Walter Hussein Steinmeier und Klaus Hussein Wowereit, um anschließend unter der Gold-Else alias Platin-Hussein-Grete vor Zehntausenden zu reden. Ute Hussein Scheub

Der Wahnwitz der Welt (18)

18.07.2008

Fruchtbevölkerung
Aus der Welt der Wissenschaften flatterte mir gestern folgende Pressemitteilung entgegen: „Welche Einstellungen und Gefühle hegt die in Deutschland lebende Bevölkerung – Deutsche wie Migranten – gegenüber der deutschen Sprache? Diesem Themenkomplex stellt sich jetzt ein Wissenschafterteam in einem von der VolkswagenStiftung geförderten Vorhaben.“ Also das Gefühl des Internets zur deutschen Sprache lässt sich leicht mit dem automatischen Übersetzerdienst „Babelfish“ testen. Man muss den Text nur, sagen wir, ins Englische, sodann ins Chinesische und über den Umweg des Französischen zurück ins Deutsche übersetzen. Das Ergebnis ist wahrhaft poetisch: „Welcher Weise und das Gefühl die Fruchtbevölkerung – Deutschen wie ´trocknet; Immigration – Leben in Deutschland, über d´Deutsch? Eine Mannschaft des Wissenschaftlers des Projektes, das sich jetzt stützt; Unterseiten der Masse von S zu dieser Angelegenheit der Gruppe.“ Welch Lyrik: Unser langweiliges Volk wird zu einer nach Genuss und Abenteuer duftenden „Fruchtbevölkerung“, der schnöde alte Volkswagen wird zur S-Klasse, zur „Unterseite der Masse von S“. Ist das nicht großartig? Probieren Sie doch auch mal. Wenn Sie diesen Text durch die Übersetzungsmaschine „Babelfish“ jagen, werden Sie Ihr blaues Wunder der Romantik erleben…

Der Wahnwitz der Welt (17)

09.07.2008

Radioaktive Autos
Für wie doof hält man uns eigentlich? Aus allen Kanälen schallt uns derzeit entgegen, dass die Atommeiler weiter laufen müssen, weil das Benzin knapp wird. Die weltweite Nachfrage nach Autos steige – „und damit der Bedarf an Strom“, heißt es diese Woche in einer pronuklearen Werbebeilage, Entschuldigung, Titelgeschichte des Spiegel. Interessant, dass Spiegel-Redakteure ihre Sportwagen mit Atomkraft fahren. Zapfen sie radioaktive Brühe für ihren Tank etwa im bald abgesoffenen atomaren Endlager Asse ab? Leute, die aus radioaktiven oder anderen Gründen nicht mehr richtig ticken, werden übrigens anderwärtig eleganter entsorgt. Rund 10.000 Kalifornier forderten jetzt per Unterschrift, eine Kläranlage nach dem hirnabgesoffenen US-Präsidenten Bush zu benennen. Sollten wir nicht auch….? Nun ja, eine Dreckumwälzanlage nach unserem Bundeshorstel zu benamsen ist vielleicht nicht so charmant. Aber womöglich gibt ein Oberrudelführer aus der Journaille oder der CDU/CSU seinen Namen dafür her, den Atommeiler Krümmel oder die Asse umzubenennen. Glos´ Atomklo? Krümmelmonster Volker Kauder?

Der Wahnwitz der Welt (16)

04.07.2008

Peinlichster Politiker Preis
Seit ich mich entschlossen habe, einen Preis für den Peinlichsten Politiker (PPP) zu vergeben, kann sich meine Jury – bestehend aus mir, mir und mir – vor Bewerbungen kaum mehr retten. Hoch im Kurs steht etwa der polnische Präsident Lech „Kartoffel“ Kaczynski, der im Frühjahr warnte, der EU-Vertrag von Lissabon zwinge polnische Priester dazu, eine Schwulenhochzeit nach der anderen auszurichten. Darüber ärgert sich nun sein französischer Amtskollege Nicolas Sarkozy, ebenfalls ein heiß gehandelter Preiskandidat. Monsieur le Président geht es nun keineswegs um Homos – seine eigene Heteromonströsität musste er ja unbedingt mit Protz, Prunk und Bruni zur Schau stellen. Sarkozy zürnt vielmehr, weil ihm gleich zu Beginn seiner aufgeblasenen Show zur EU-Ratspräsidentschaft eine Kartoffel in den Weg rollte. Vorgestern ließ er seine Wut an einem armen Tontechniker aus, weil der ihn angeblich nicht grüßte. Schon einmal hatte er einen Mann zur Sau gemacht, der ihm nicht die Hand geben wollte: „Dann hau doch ab, du Blödmann!“ Wer Majestät nicht beachtet, den tritt er in den Abgrund. Wir müssen um Polen zittern!

Der Wahnwitz der Welt (15)

26.06.2008

Ich bin ein Staat
Der Trend zur europäischen Kleinstaaterei geht weiter: Seit wenigen Tagen ist auch das Inselchen Forvik nahe den Shetland-Inseln ein eigener Staat. Vor sieben Jahren kenterte dort in der Nähe der Brite Stuart Hill, Spitzname „Käptn Kalamität“, mit seinem selbstgebauten Boot. Nebenbei schoss er mit seiner SOS-Leuchtmunition fast einen britischen Militärhubschrauber ab. Der Pilot fischte ihn dennoch aus dem Meer und setzte ihn – zur Strafe? – auf dem unbewohnten Eiland ab. Stuart Hill lebt dort seitdem, sturmumtost, in einem Zelt. Vor kurzem wurde es ihm aber doch langweilig, und er rief die Unabhängigkeit Forviks aus. Demnächst will er eigene Münzen, Briefmarken und eine Nationalflagge herausgeben. Ob er Präsident, Kaiser, Diktator oder Staatsvolk werden will, hat Käptn Kalamität indes noch nicht entschieden. Und jetzt frage ich Sie, verehrtes Publikum: Wollen wir nicht alle unsere Ruhe haben vor Steuereintreibern, Orthopäden, Militärs und anderem Pack? Wenn jeder von uns seinen Kleinstaat ausriefe, wäre das nicht eine Lösung für all unsere Probleme? Es verabschiedet sich mit herzlichem Gruß: Ihr vereinigtes Königinnenreich Ute von Scheub.

Der Wahnwitz der Welt (14)

19.06.2008

Quassologie
Mobiltelefone sind nicht gesundheitsgefährdend, sagen Wissenschaftler jetzt, obwohl das Langzeit-Experiment an lebenden Menschen ja noch nicht abgeschlossen ist. Krebs entsteht oft erst nach 30 Jahren, und Massen-Quassologie dieser Art findet erst seit 10, höchstens 20 Jahren statt. Aber seien wir nicht kleinlich, ist ja nur ein Großversuch. Inzwischen gibt es rund 100 Millionen Geräte auf etwa 82 Millionen Bundesbürger – woraus man schließen kann, dass 18 Millionen alleingelassene Handys wahrscheinlich heimlich miteinander telefonieren. Die restlichen 82 Millionen haben sich längst zusammengeschlossen, um per Dauer-Lärmbelästigung an öffentlichen Orten die Volksgesundheit zu untergraben und jede Theateraufführung und jedes Konzert nachhaltig zu versauen. Von den zahllosen Unfällen schon gar nicht reden, die nicht nur quasselnde Autofahrer verursachen, sondern auch SMS-tippende Kinder, die beim Gehen stieläugig auf ihren Display starren. Inzwischen soll es Jugendliche geben, die nicht mehr wissen, wie man ohne Handy miteinander reden kann. Aber Gesundheitsgefahren? Ham wa nich.

Der Wahnwitz der Welt (13)

12.06.2008

Doofologie
Man staunt ja immer wieder, was es für Wissenschaftsgebiete gibt: Allgemeine Topologie, Balkanologie, Byzantistik, katalanische Philologie, Mediävistik, Nephrologie, Parasitologie, Pulmologie… Auf dem Wissenschaftsmarkt findet sich für jeden exzentrischen Geschmack etwas. Doch ein Spezialgebiet von übergeordneter Wichtigkeit fehlt geradezu schmerzhaft: die Wissenschaft, die Ausmaß und Funktionsweise der  menschlichen Dummheit erforscht, die Bobologie, von spanisch „bobo“, doof. Die Dummheit – ist sie nicht allumfassend und weltenumspannend? Hat sie nicht längst alle Wissensgebiete heimtückisch durchdrungen, Politik und Wirtschaft unterwandert und viele Bereiche des Lebens? Wir müssen nur auf einen gewissen Gast aus Übersee schauen, den die Kanzlerin gerade im Schloss Meseberg empfing. Die Unreife quillt ihm aus jedem Knopfloch. Juvenile Grinseritis im Gesicht, läuft er wie Django, der zu viel in der Blase hat. Mit pubertärer Militanz versucht er der Welt und besonders seinem Papa klar zu machen, wie wichtig er ist. Jetzt erzählt er, dass der Iran die größte Gefahr für den Weltfrieden ist – dabei ist er es selbst. Ein klarer Fall für die Bobologie.

Der Wahnwitz der Welt (12)

10.06.2008

Kamelkarawanen

Jüngst ritt ein Oberbayer in München auf einem Kamel in den Knast, um kundzutun, dass in den Behörden „viele Esel oder Kamele sitzen müssen“. Um ein unbezahltes Knöllchen von 25 Euro einzutreiben, hatte man ihn zu eintägiger Haft verurteilt, die den Steuerzahler 140 Euro kostete. Dieser tapfere Bayer verdient Nachahmung! Zum Beispiel bei dem Vorhaben von Energiekonzernen und Bundesregierung, die Klimakatastrophe mit 26 neuen Kohlekraftwerken zu beschleunigen und Deutschland hitzemäßig in Klein-Dubai umzuwandeln. Das ist eine ganze Kamelkarawane wert, die man vor die Tore von Vattenfall & Co treiben könnte. Oder der Export von Mord&Totschlag, verschämt Rüstungsgüterausfuhr genannt: Kleinwaffen und Streubomben machen Deutschland zum weltweit drittgrößten Rüstungsexporteur und heizen andernorts Kriege an. Das wären mindestens drei Eselherden, ein Esel für jeden Abgeordneten, der das nicht verhindert hat. Ach, was für ein weites Arbeitsfeld! Das Regierungsviertel würde zum Freilandzoo. Selbst die Rindviecher, die man gerade zur Milchproduktion nicht mehr braucht, hätten eine neue Berufsperspektive.

Der Wahnwitz der Welt (11)

29.05.2008

Jubilophobie
Leiden Sie langsam auch an Jubilophobie? Schon das ganze Jahr 2007 wurden 40 Jahre Studentenrebellion abgefeiert, dieses Jahr sind es 40 Jahre 68-er, nächstes Jahr haben wir zu erwarten: 40 Jahre Ende der Revolte, 40 Jahre Mondlandung, 40 Jahre Woodstock, 40 Jahre Heirat zwischen John Lennon und Yoko Ono und „Spiel mir das Lied vom Tod“– da sieht man doch, wie das alles endet. Des weiteren arbeitet unsere Zunft schon jetzt eifrig an den folgenden, 2009 erscheinenden Artikeln: 100 Jahre künstlicher Kautschuk, 100 Jahre Postschecks, 100 Jahre Willy Millowitsch, 200 Jahre Scheidung zwischen Napoleon I. und Joséphine, 250 Jahre Erfindung des Rollschuhs, 250 Jahre Fluidums-Hypothese. Sie wissen nicht, was das ist? Sie haben es gefälligst zu wissen! Und weil das alles immer noch nicht reicht, erinnern Medien wie geschätzte Magazin „Spiegel-Online“ zwischendurch an Themen wie „10 Jahre USB-Stick“. Vorschlag an meine Journalistenkollegen: Speichert all eure jubilatorischen Ergüsse auf besagtem USB-Memorystick und schießt ihn in Erinnerung an 40 Jahre Mondlandung auf den Erdtrabanten.

Der Wahnwitz der Welt (10)

22.05.2008

Tierisches Treiben
Der Mai ist gekommen, die Tiere schlagen aus. In der Nähe der Antarktis vergriff sich jüngst ein Seebär bei der Partnerwahl. Die runde hundert Kilo schwere Robbe bedrängte einen gerade mal fünfzehn Kilo leichten Königspinguin. Der Vogel empfand das Liebeswerben bei 85 Kilo Gewichtsunterschied nicht so lustig. Am Ende gab der Gewichtigere doch nach und ging schwimmen. Die Biologen, die das Treiben beobachteten, staunten. Von schwulen Pinguinen und Seeadlern hatten sie schon gehört, auch von lesbischen Delfinen, aber dass ein Säugetier einen Vogel zu vögeln versucht, war ihnen so neu, dass sie aufgeregt einen wissenschaftlichen Aufsatz verfassten. Aber vielleicht hätten sie sich vorher in Münster umhören sollen. Daselbst verliebte sich auf dem Aasee vor zwei Jahren die schwarze Schwandame Petra in ein großes weißes Tretboot und wich ihm nicht mehr von der Seite. Doch ach, wir leben in treulosen Zeiten: Vor etwa zwei Monaten fand Petra einen neuen weißen Partner, einen Höckerschwan. Sie bauten gar schon fleißig an einem Nestlein, da verließ er sie. Und Petra, nunmehr in Trauerschwärze gekleidet, wurde von mitleidigen Müsteraner zurück zu ihrem Tretboot gebracht.

Der Wahnwitz der Welt (9)

15.05.2008

Tor(en) der Freiheit
Es gibt Momente, da erlebt man Berlin als Fleisch und Stein gewordene Utopie. Solch ein Moment spielte sich in den Pfingsttagen vor dem Brandenburger Tor ab, das schon so viele Szenen deutsch-militaristischen Größenwahns erlebt hat. Offenbar hatten sich dort alle Verrückten dieser Welt verabredet – zum denkbar friedlichsten Stelldichein. Rechts vom Tor, begleitet von Trommelschlägen, bogen goldfarben gekleidete Mädels von Falun Gong ihre Knochen zum Lotussitz und demonstrierten gegen den chinesischen Kommunismus – oder was von ihm übrig blieb. Links dankte die FDJ – oder was von ihr übrig blieb – für die Befreiung am 8. Mai 1945 lautstark den Sowjets – oder was von ihnen übrig blieb. In der Mitte der Szene demonstrierte ein Sensenmann in einer Gruppe von Hertha-Fans – für was eigentlich, für den Abstieg von Hertha? Dahinter bauten sich für ein Gruppenfoto grünuniformierte Volksarmisten auf – oder was von ihnen übrig blieb. Und dann – „Indianer!“, schrie mein Begleiter. Fünf Stück, in voller Kriegsbemalung. Sie legten ihre Pfeile an – ich fiel sterbend vom Rad. Vor Lachen.

Der Wahnwitz der Welt (8)

14.05.2008

Keller, Kühltruhen, Katakomben
Leichen im Keller – was für eine Untertreibung in diesen Tagen. Allenthalben öffnen sich Keller, Kühltruhen und Katakomben, aus denen nacktes Grauen steigt. In Amstetten lebte ein Opa seine perverse zweite Identität im Dunkel seines Vergewaltigungskeller aus; in Wenden im Sauerland suchte ein 18-jähriger nach Pizza und fand drei Babyleichen in der elterlichen Tiefkühltruhe; im kalifornischen Sacramento bewahrte ein Mann rund 300 Katzen in den Gefriertruhen seines Wohnhauses auf, womöglich für den Kochtopf. Und würde das alles nicht schon den Tatbestand von mindestens einem, wenn nicht drei Untergängen des Abendlandes erfüllen, hat sich nun auch durch Aktivitäten irgendwelcher Grabschnüffler und Gruftbuddler herausgestellt, dass die Ruhestätte unseres Nationaldichters keineswegs das enthielt, was der Grabstein versprach, nämlich einen Schiller. Und schon gar nicht einen vollständigen. Sondern zwei Schädel undefinierbarer Herkunft mitsamt undefinierbaren Knöchelchen. Vielleicht waren gar Katzenellbogen oder Rattenbeinchen dabei? Es ist nur noch grauenhaft. Aber das Seltsame ist: Der Himmel blaut, die Tulpen leuchten, und beim Italiener schmeckt das Erdbeereis immer noch so gut, dass die Sonne vor Lust dahinschmilzt.

Der Wahnwitz der Welt (7)

11.04.2008

Thomas Beatie, 34-jähriger US-Amerikaner aus dem Staate Oregon, ist inzwischen im sechsten Monat schwanger. Er freue sich zusammen mit seiner Ehefrau Nancy sehr auf das Kind, verriet er einem Schwulen-Magazin. „Ich werde der Vater meiner Tochter sein, Nancy die Mutter. Eine normale Familie.“

So normal, dass die gesamte Weltpresse über den Transsexuellen berichtete. Thomas Beatie wurde als Frau geboren und entschloss sich vor mehreren Jahren, sich zum Mann zu wandeln. Er schluckte das männliche Sexualhormon Testosteron, ließ sich die Brüste entfernen und einen schütteren Bart wachsen. Nur Eierstöcke und Gebärmutter blieben.

Als Ehefrau Nancy, mit der er seit zehn Jahren zusammenlebt, wegen einer Totaloperation keine Kinder bekommen konnte, entschloss sich ihr Gatte, diese Aufgabe zu übernehmen. Nach einer künstlichen Befruchtung wurde er mit Drillingen schwanger, verlor sie aber nach einer „lebensbedrohlichen Situation“. Diesmal aber verlaufe alles ohne Komplikationen, so Thomas Beatie. Das Kind soll im Juli zur Welt kommen.

Dräut hier eine Revolution der Geschlechterverhältnisse? Verlieren wir Frauen nun unsere letzte Bastion der Weiblichkeit? Nachdem die Männer die letzte Bastion der Männlichkeit verloren, indem sie zu Sitzpissern wurden? Ach was. Und noch nicht mal der erste Fall eines schwangeren Mannes. Schon mehrfach waren transsexuelle Männer guter Hoffnung, bloß hatten sie keine Lust, in der Weltpresse als Monstren breitgetreten zu werden.

Aus den medizinischen Akten Bayerns ist noch ein anderer kurioser Fall bekannt. Im vorletzten Jahrhundert schwoll der Bauch eines älteren Mannes plötzlich an. Die alarmierten Ärzten fanden einen Embryo in der Bauchdecke: Es war die Zwillingsschwester des Mannes. Die beiden waren im Bauch ihrer Mutter zusammengewachsen, das Mädchen hatte sich nicht weiterentwickelt, der Junge wurde ganz normal geboren. Aus unbekannten Gründen fing der in seinem Bauch versteckte Schwester-Embryo im Alter plötzlich an zu wachsen.

Der Wahnwitz der Welt (6)

17.02.2008

Ministerium für Wahrheit und Liebe in Afghanistan

Karim Khoram hat sich als afghanischer Minister für Information, Kultur und Tourismus einen Namen gemacht. Und was für einen! Halb Afghanistan lacht über diesen Minister-ohne-jede-Information-und-Kultur, seit er an seinem Ministerium die Schilder auswechseln ließ. Der Paschtune hatte die Wörter für „Kultur“ und „Tourismus“ in der afghanischen Verkehrssprache Dari für persische Lehnwörter gehalten und deshalb ausmerzen lassen. In Afghanistan spricht man Dari und nicht Persisch!, ließ er verkünden. Dabei weiß jedes afghanische Kind, sofern es die Chance eines Schulbesuches hat, dass Dari und Farsi (Persisch) zwei Dialekte ein und derselben Sprache sind. In Khorams Muttersprache Paschtu gibt es allerdings tatsächlich kein Wort für Kultur, und das sei angesichts solcher Ausgeburten wie Khoram ja auch kein Wunder, höhnt man nun auf afghanischen Websites (siehe auch www.kabulpress.org).

Schon weit weniger witzig ist, dass unter „Informations“minister Khoram immer mehr Journalisten aus den abenteuerlichsten Gründen verfolgt werden. In Masar-i-Scharif ließ der Minister den Fernsehdirektor, den Pressedirektor und einen lokalen Fernsehjournalisten entlassen, weil sie die Wörter „Student“ und „Universität“ auf persisch geschrieben bzw. gesprochen hatten. Der jüngste Fall ist besonders krass: Im Januar verurteilte ein Gericht in der Provinz Balkh den 24-jährigen Journalisten Parwiz Kambakhsh zum Tode, weil er islamkritische Artikel verteilt habe. Das Verfahren war nach Einschätzung verschiedener Menschenrechtsorganisationen extrem unfair und ein Fall von Sippenhaft: In Wirklichkeit sollte offenbar sein Bruder getroffen werden, Berichterstatter des in London ansässigen „Institute for War and Peace Reporting“. Der Minister selbst ließ erklären, das Verfahren sei keineswegs ein Verstoß gegen die Pressefreiheit. So etwas lässt sich leicht behaupten, wenn man nicht die mindeste Ahnung hat und auch nicht haben will, was Pressefreiheit überhaupt bedeutet.

Um die kulturellen Kenntnisse von „Kultur“minister Khoram ist es ähnlich bestellt. Ein engagierter Sammler von Fundstücken der früheren hochentwickelten Kulturen in Afghanistan wollte seine kostbaren Schätze in der Zitadelle von Herat ausstellen, doch der Minister verbot es ihm mit dem Argument, er habe durch seine Aufkäufe von Antiquitäten Plünderer unterstützt. Ein typischer Fall von Projektion: Khoram ist Mitglied der radikalislamistischen Partei Hisb-e-Islami. Deren langjähriger Führer Gulbuddin Hekmatyar gilt als einer der schlimmsten Massenmörder Afghanistans, während des Bürgerkriegs der Mudschaheddin war er und seine Partei mitverantwortlich für Massaker und Massenvergewaltigungen, für die Zerstörung Kabuls mit rund 60.000 Toten und die Plünderung seiner Kulturschätze.

Und so einer ist also heute Minister für Desinformation und Unkultur. Entschuldigung, das darf man natürlich nicht sagen. Wie wäre es denn – eingedenk des „Ministeriums für Wahrheit“ in Orwells berühmten Roman „1984“ – mit „Minister für Wahrheit und Liebe“?

P.S.: Übrigens hat der famose Minister auch eine Galerie in „Gallery“ umbenennen lassen, weil er das Dari- bzw. Farsi-Wort „Negarestan“ (Bilder-Ort) für „unislamisch“ hielt. Das englische Wort „Gallery“ ist also islamisch? Wenigstens diese absurde Entscheidung hat das afghanische Kabinett inzwischen aufgehoben.

Krude Biologismen im Deutschlandradio

20.12.2007

Normalerweise bin ich ein großer Fan von Deutschlandradio Kultur: www.dradio.de. Ich bin sehr dankbar, dass es noch ungedudelte Sender gibt, in denen Journalisten tatsächlich noch einige Minuten am Stück sprechen und Zusammenhänge schildern dürfen, ohne wegen Verhinderung von Werbespots verhaftet zu werden.

Nun aber haben mir in den letzten Tagen gleich zwei Beiträge wirklich die Schuhe ausgezogen. Der eine war ein Interview, das die Moderatorin Katrin Heise am 4.12. mit dem Bildungsforscher Rindermann führte. In diesem Interview vertrat dieser sogenannte Wissenschaftler die Meinung, es gebe genetisch bedingte Intelligenz-Unterschiede zwischen den „Rassen“, afrikanische Buschmänner seien dümmer als Weiße und Asiaten. Trotz einiger halbherziger Relativierungsversuche plapperte Herr Rindermann im Grunde den rassistischen Unsinn nach, den der US-Genetiker James Watson vor kurzem verbreitet hatte. Mir ist vollkommen rätselhaft, warum ein seriöser Sender wie Deutschlandradio sich ausgerechnet einen Mann als Interviewpartner aussucht, der – unkorrigiert von der Moderatorin! – mit einem „Rasse“-Begriff hantiert, der sich in Nazi-Nähe befindet und auch von den Naturwissenschaften längst wiederlegt wurde. Evolutionsgenetiker wie Luca Cavalli-Sforza haben immer wieder darauf hingeweisen, dass es „nur eine Rasse gibt – die menschliche“. Die Unterschiede in Hautfarben und Gesichtsformen sind höchst oberflächlich, und die genetischen Unterschiede innerhalb einer Ethnie sind viel größer als die zwischen den Ethnien.

Der zweite Beitrag von Kristin Raabe trug den Titel „Althergebrachte Muster – warum Menschen Kriege führen“, lief am 18.12. unter „Forschung aktuell“ und war auf der Website nachlesbar. Ich habe selten einen Text gelesen, in dem auf so wenig Raum so viele unhaltbare Thesen und ideologische Vor-Annahmen dargeboten wurden. Das fängt schon mit dem Bildchen über dem Artikel an: eine explodierende Rakete, darunter der apologetische Satz „Krieg liegt den Menschen im Blut“. Sodann erfahren wir, dass der israelische Wissenschaftler Azar Gat angeblich herausbekommen hat, in der Steinzeit seien viel mehr Männer gestorben als in heutigen Kriegen, sie hätten, ähnlich wie Tiere, vor allem um Nahrung und Zugang zu Frauen gekämpft. Auch im Zweiten Weltkrieg hätte „die Aussicht auf Sex viele Rekruten erst in die Armee“ gelockt. Und wo es viele junge Männer gäbe, da gäbe es halt Gewalt.

Im Grunde könnte ich jeden Satz dieses Artikels zerpflücken, aber dafür ist mir meine Zeit zu schade und der Aufwand zu groß. Jedenfalls hat sich die Autorin nicht die geringste Mühe gegeben zu reflektieren, was sie da überhaupt schreibt. Es gab in der Geschichte der Menschheitsentwicklung viele hunderttausend Jahre ohne Krieg – nicht jeder Kampf zwischen Menschengruppen ist gleich Krieg! – , und auch heute noch existieren vollkommen friedliche Stammesgesellschaften – nachlesen unter www.peacefulsocieties.org, einer Website, die von der US-Friedensforscherin Elise Boulding initiiert wurde.

Der Wissenschaftler und die Redakteurin wollen uns weismachen, dass Kriege unvermeidlich und junge Männer nur auf Gewalt und Vergewaltigung aus sind. Kriege Das ist durch und durch männerfeindlich und menschenfeindlich. Aber es erspart natürlich die mühsame ethnologische, politische und sozioökonomische Analyse, welche menschliche Interessensgruppen wann, wo, wie und warum Kriege betrieben haben.

Aufruf an die Bundesregierung

23.11.2007

Deutscher Frauensicherheitsrat, Womnet, Forum Menschenrechte und Gunda-Werner-Institut für Feminismus und Geschlechterdemokratie in der Heinrich-Böll-Stiftung fordern anlässlich des Internationalen Tages gegen Gewalt an Frauen:
Die Bundesregierung muss Druck ausüben, damit Kriegsverbrecher in Afghanistan bestraft werden

Straflosigkeit zerstört Gesellschaften von innen

Die Situation in Afghanistan verschlimmert sich immer mehr. Die Sicherheitslage ist katastrophal, Gewalt, Armut und Verelendung greifen um sich. Beim deutschen Engagement in Afghanistan spielen militärische Aspekte die Hauptrolle, während der zivile Aufbau genauso ins Hintertreffen gerät wie die Debatte über die Ursachen der Verzweiflung in der Bevölkerung. Dabei ist ein Grund mit Händen zu greifen: das Amnestiegesetz, das die Regierung unter Präsident Hamid Karsai im März 2007 erlassen hat. Allen Kriegsverbrechern der letzten 28 Jahre, ob innerhalb oder außerhalb der Regierung, wurde Straflosigkeit garantiert. Um die Ungeheuerlichkeit dieses Gesetzes zu kaschieren, ließ Karsai es in einem Punkt ändern: Privatpersonen dürfen nunmehr vor Gericht Anklage gegen Kriegsverbrecher erheben. Wer aber als Privatperson wagt, die mächtigen Warlords und Drogenbarone herauszufordern, riskiert sein Leben. Und viele Richter sind entweder korrupt oder fundamentalistisch eingestellt oder sie sind nicht vorhanden – von vielen ist keine Hilfe zu erwarten. Die zahllosen Massenvergewaltigungen und anderen Kriegsverbrechen, die die heute in der Regierung sitzenden Warlords der „Nordallianz“ begangen haben – zum Beispiel die Zerstörung von Kabul und die Tötung von rund 65.000 Menschen Anfang der 90er Jahre – werden auf diese Weise ungesühnt bleiben. Für die afghanischen Frauen, in deren Namen angeblich das Land befreit wurde, ist das besonders schlimm.

Wir fordern die Bundesregierung dringend auf, politischen Druck auf die Regierung Karsai auszuüben, damit der Skandal der Straflosigkeit ein Ende findet. Der gepeinigten Bevölkerung raubt er die Hoffnung auf Gerechtigkeit und auf Veränderung ihrer Lage. Straflosigkeit belohnt Verbrecher und Verbrechen. Straflosigkeit lädt dazu ein, weitere Verbrechen zu begehen. Straflosigkeit zersetzt jede Moral. Straflosigkeit beschleunigt und vervielfacht den Zyklus der Gewalt. Straflosigkeit nimmt den Opfern jede Lebenskraft und zerstört ihre Identität. Das gilt ganz besonders, wenn es um Akte sexualisierter Kriegsgewalt ging.

Gerade wir Deutschen sollten hier eine besondere Sensibilität und Verantwortung zeigen. Zahllose Nazi-Täter durften in der Bundesrepublik der Nachkriegszeit ungestraft ihre Beamtenkarrieren fortsetzen, während die überlebenden Opfer vergeblich darauf warteten, dass das ihnen angetane Unrecht endlich öffentlich anerkannt würde. Viele Verwerfungen der Nachkriegsgeschichte, unter anderem den RAF-Terrorismus, kann man ohne diese Straflosigkeit nicht verstehen.

Zudem verletzt das Amnestiegesetz die afghanische Verfassung oder zumindest ihren Geist. In Artikel 3, § 72 ist geregelt, dass politische Ämter nur von Personen ausgeübt werden dürfen, die einen „guten Ruf“ haben und nicht „wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ verurteilt worden sind. Davon kann bei den Warlords keine Rede sein.

Die Bundesregierung ist eine der wichtigsten internationalen Geldgeber in Afghanistan, sie hält wirksame Druckmittel in der Hand. Wir fordern sie dringend auf, alles für ein Ende der Straflosigkeit zu tun. Das Amnestiegesetz muss fallen, die Justiz muss aufgebaut und demokratisiert werden, die Rechte der Menschenrechtskommission müssen gestärkt werden, es muss ein echter Wahrheitsfindungs- und Versöhnungsprozess in der Gesellschaft begonnen werden. Den Warlords darf es nicht länger erlaubt sein, die Zukunft des Landes zu kidnappen.
Diese Erklärung, unterzeichnet vom Frauensicherheitsrat, Womnet, dem Forum Menschenrechte und dem Gunda-Werner-Institut in der Heinrich-Böll-Stiftung, wurde heute an Bundeskanzlerin Merkel und Außenminister Steinmeier geschickt.

Nähere Informationen über die Organisationen unter www.frauensicherheitsrat.de, www.glow-boell.de, www.womnet.de und www.forum-menschenrechte.de.

Ent-rüstet euch: 1325 verwirklichen!

31.10.2007

Mit 1, 3, 2 und 5 Knoten im Taschentuch erinnert der Frauensicherheitsrat die Bundesregierung an ihr Versprechen, UN-Resolution 1325 endlich zu verwirklichen. Die Resolution, die die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen auf allen Ebenen von Friedensprozessen fordert, wurde am 31.10.2000 einstimmig vom UN-Sicherheitsrat verabschiedet. Im „verflixten siebten Jahr“ ist die Resolution nach Einschätzung des Frauensicherheitsrats noch weniger umgesetzt worden als in den Jahren zuvor.

Auch für das kommende achte Jahr sieht der Frauensicherheitsrat mehr als genug Handlungsbedarf. Einen Anlass zur Ent-rüstung im wahrsten Sinne des Wortes ist die Absicht des Direktors der Europäischen Rüstungsagentur, 2008 zum „Jahr der Rüstung“ zu machen. Alexander Weis, früher Abteilungsleiter im deutschen Verteidigungsministerium, plant nach einem Bericht der FAZ vom 24.Oktober, mit dem Bau von Militärhubscharaubern und Aufklärungssatelliten zwei große europäische Rüstungsprojekte zu verwirklichen. Ein Vorhaben, das jeder demokratischen Legitimation und Kontrolle entbehrt. Der Frauensicherheitsrat fordert, die dafür vorgesehenen Gelder auf Projekte zur Konfliktprävention und zur Gleichstellung von Frauen und Männern umzuverteilen, um Resolution 1325 auch auf europäischer Ebene zu verwirklichen. Europäische AktivistInnen und PolitikerInnen verschiedener Couleur haben sich auf der vom Frauensicherheitsrat und der Heinrich-Böll-Stiftung organisierten Konferenz „Roadmap to 1325“ im Mai 2007 in Berlin für diese Verwirklichung starkgemacht.

Der Wahnwitz der Welt (5)

13.06.2007

Der G8-Gipfel ist vorüber, das zynische Welt-Business kann weitergehen as usual. In einem Artikel für „Spiegel Online“ berichtete heute ein Korrespondent über den Organhandel in Indien: Junge, verarmte, in die Schuldenfalle geratene Frauen sehen sich gezwungen, ihre Nieren zu verkaufen – meist an reiche, ältere Männer aus Indien, den arabischen Ländern oder Europa. Stückpreis: 500 Euro.
Im Wirtschaftsteil von „Spiegel Online“ war gleichzeitig nachzulesen, welches Jahresgehalt Stephen Schwarzman bekommt, Chef des Finanzinvestors Blackstone: 398,3 Millionen Dollar, umgerechnet etwa 300 Millionen Euro – dreißigmal mehr als „Victoryman“ Josef Ackermann von der Deutschen Bank. Wäre Schwarzman in einem indischen Slum zur Welt gekommen, hätte er, um diese Summe zu erhalten, einen Körper mit 600.000 Nieren haben müssen.

Der Wahnwitz der Welt (4)

27.03.2007

Zwei Drittel aller Japaner wollen ihre Kinder laut einer Umfrage mit einem Satellitenhandy überwachen. 66,4 Prozent aller Befragten gaben an, sie fänden es gut, ihren Nachwuchs jederzeit per GPS-System orten zu können. Ob auf dem Klo, in der Speisekammer oder unter der Bettdecke der neuen Freundin – die japanische Mutti weiß alles über Kiddy. Big Mama is watching you. Einziger Vorteil: Wenn in den nächsten Jahren immer neue Fälle von akuter Paranoia und Verfolgungswahn die japanische Gesellschaft erschüttern, wissen wir, woran es gelegen hat.

Der Wahnwitz der Welt (3): Kochen mit der GSG 9

22.03.2007

In der neuen SAT.1- Serie „GSG 9“ zeigen unsere Blitzkrieg-Jungs, was sie so drauf haben: Terroristen jagen, Attentäter fesseln und zu versandfertigen Paketen verschnüren, kurz, all das, was man eben im deutschen Alltag so braucht. Um die deutsche Hausfrau nicht zu verschrecken, demonstrierten die Mannen von der GSG 9 in einer der Folgen, wie küchentauglich sie sind. Aufgaben, die selbst die unentwegte Apfelkuchenbäckerin Eva Herman komplett überfordert hätten, lösten sie mit Bravour: mit verbundenen Augen und Handschellen Hummersalat, Hackbraten und Kaiserschmarrn zuzubereiten. Nicht Schmarrn, sondern gleich Kaiserschmarrn! Darauf muss man erstmal kommen. Wahrlich, Schwiegersöhne zum Anbeißen! Und ein Tusch dem Sender, der es wahrhaftig versteht, die zuschauerträchtigsten Eventprogramme miteinander zu kreuzen.

Darf ich vielleicht auch noch ein paar bescheidene Vorschläge machen? Zum Beispiel würde mir gefallen: „Die schönsten Volkslieder“, vorgetragen vom Opferchor der GSG 9, szenisch fesselnd dargestellt von Sängern mit Handschellen und Mundknebeln. Oder eine 987teilige Folge „Sex in the Kitchen“. Am besten fände ich aber, wenn die deutsche Fußballmannschaft, gewandet mit dem Trikot der GSG 9, im Kochtopf von Johannes B. Kerner sitzen und mit dem Berliner Eisbären Knut knutschen würde.

Der Wahnwitz der Welt (2)

22.03.2007

Der Wissenschafts- und Technologieausschuss des US-Repräsentantenhauses hat Anfang Februar seine umwerfende Kompetenz in Sachen Klimakatastrophe bewiesen. Dana Rohrabacher, Abgeordneter der republikanischen Bush- und Öl-Partei, gab sich in einer Anhörung alle Mühe zu beweisen, dass es angeblich schon in anderen Zeiten ähnlich hohe Kohlendioxid-Konzentrationen in der Erdatmosphäre gab wie heute: “Wir wissen nicht, was diese anderen Zyklen in der Vergangenheit verursacht hat… Das können Blähungen der Dinosaurier gewesen sein, wer weiß?” Jedenfalls weiß ich nun, wie sich Pupse von politischen Dinosauriern anhören.

Der Wahnwitz der Welt (1)

22.03.2007

Die Bundesregierung dürfe nicht zulassen, dass die EU mit Emissionsminderungen für deutsche Auspüffe “die deutsche Ober- und Mittelklasse kaputt macht”, hat der bayrische Wirtschaftsminister Erwin Huber (CSU) gefordert. Das allein ist ein klasse Spruch, aber jetzt kommt´s noch besser: “Die Deutschen dürfen von Brüssel nicht zu einem Volk von Kleinwagenfahrern degradiert werden.” Bravo, Erwin! Die Deutschen müssen Weltmeister bleiben, gelle, egal ob beim Autobahnrasen oder beim Klimakillen.

Aber wahrscheinlich hat das der Huber Erwin nur für die Christenheit getan. Die “Wiedereintrittsstelle” der Evangelischen Kirche im Münsterland tourt nämlich seit 2004 mit einem Minibus durch die Gegend, um verirrte, also aus der Kirche ausgetretene Schäfchen einzufangen. Pro Jahr hätten dadurch 30 Menschen den Weg zurück zur Kirche gefunden, verkündete der Evangelische Kirchenkreis Steinfurt-Coesfeld-Borken Anfang Februar stolz. Booah, was für eine erfolgreiche Rückholaktion! Macht (bei bescheiden gerechneten 50 Kilometern Schäfchensuche pro Tag und einem bescheiden gerechneten Ausstoß von 150 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer) im Jahr 91 Kilogramm Kohlendioxid pro wieder eingefangenem Christen. Die Schöpfung bewahren nennt man sowas, gell.

Erster Blogeintrag

12.02.2007

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Ferner erkläre ich mich für nicht verantwortlich und distanziere mich ausdrücklich von dem Schwachsinn, der in diesem und weiteren Blogs und überhaupt allen Blogs weltweit verkündet wird. Der Medientheoretiker Geerd Loovink hält die Bloggerei nicht für partizipative Mediendemokratie, sondern für Nihilismus, für ein Symbol des Zerfalls der Massenmedien und ihrer Glaubwürdigkeit: „Von den Positivisten als Kommentare der Bürgermedien verkauft, unterstützen die Blogs die Mediennutzer auf ihrem Weg von der Wahrheit zur Nichtigkeit.“ Selbstverständlich erkläre ich mich auch für Geerd Lovinks Aussage für nicht verantwortlich und distanziere mich ausdrücklich von ihr.

Ganz besonders aber distanziere ich mich von den Herren Steinmeier, Steinbrück und Steingart, von Kai Diekmann, Matthias Matussek und Ulf Porschardt und allen anderen postmodernen Turbo-Ego-Shootern und von Bush, Ahmadinedschad und His Illness King Jung-Ill sowieso.

Neues Buch




Demokratie – die Unvollendete. Plädoyer für mehr Teilhabe. Erschienen im Juni 2017 im oekom-Verlag.

 

 

 

 

Zusammen mit Stefan Schwarzer: Die Humusrevolution – Wie wir den Boden heilen, das Klima retten und die Ernährungswende schaffen.“ Erschienen im Februar 2017 im oekom-Verlag. Mehr unter www.humusrevolution.de 

Termine:

6.-8.10.2017  „Unser Boden, unser Leben“ – Herbstgespräche auf Schloss Goldegg, Österreich, mit Ute Scheub

5.10.2017 Vortrag und Diskussion von Ute Scheub zur Humusrevolution, Salzburg, Österreich, Heffterhof, 19:30 Uhr

14.7.2017, 19:30 Uhr: Weingut Dilger, Freiburg: Vortrag im Rahmen des Agrikulturfestivals über die Humusrevolution

1.6.2017, 20 Uhr: Nachbarschaftszentrum Mittelhof, Berlin-Zehlendorf: Vortrag: Demokratie- die Unvollendete

31.5.2017, 20 Uhr: Hof Apfeltraum, Eggersdorf bei Müncheberg: Vortrag über Humusrevolution

30.5.2017, 19:30 Uhr: Bruno Taut Laden Berlin-Zehlendorf: Vortrag über Humusrevolution

19.5.2017, 20 Uhr Bärenwirt in Mals, Vinschau, Südtirol: Vortrag über Humusrevolution

14.5.2017:  Blumberger Mühle bei Angermünde: Gratulationsreigen zum 20. Geburtstag

12.5.2017,19:30 Uhr,  Antikriegsmuseum Sievershausen nahe Hannover: Ohne Frauen keinen Frieden, Vortrag zur gleichnamigen Ausstellung der 1000 Friedensfrauen weltweit

27.4.2017, Berlin, 18 Uhr, Baumhaus Wedding: Glücksökonomie

25.4.2017, Berlin, 19 Uhr, stratum, Boxhagener Straße: Die Humusrevolution

21.4.2017, Berlin, 19 Uhr, Innovationskreis: Die Humusrevolution

5.4.2017, Karlsruhe, Thomashof: „Vom Glücks des Genug“

1.4.2017, Augsburg, 9 Uhr, Zukunftstagung der Umweltstation Augsburg: „Weniger ist mehr“

5.3.2017, 17 Uhr: „Erzählbar“ im Buchhändlerkeller Berlin-Charlottenburg, im Gespräch mit Medi Kemper

27.-29.1.2017: Symposium zu „Aufbauender Landwirtschaft“ im Ökodorf Schloss Tempelhof

21.1.2017, ab 15 Uhr: Vorstellung des neuen Buches „Humusrevolution“ auf dem „Suppn Talk“ der Heinrich-Böll-Stiftung nach der Demonstration „Wir haben es satt“

17.11.2016, 18 Uhr, Breklum: Vortrag über FriedensFrauen Weltweit

3.11.2016, 18 Uhr, Berlin-Zehlendorf: Fotobericht über Bec Hellouin

2.9.2016, 14 Uhr, Berlin: Stadt Land Food, Speakers Corner

2.7.2016, 19:30 Uhr, Trebnitz: Jenseits des Wachstums – deutsch-polnisches Zukunftsgespräch im Schloss Trebnitz

24.6.2016, 18 Uhr, Wittenberge, Kulturhaus: Vortrag „Ackergifte? Nein danke!“

19.5.2016, 19:30 Uhr, Luzern (CH): Vortrag „Weniger ist mehr“, Comundo, Romero-Haus

7.5.2016, 18 Uhr, Mainz, Kunsthalle: Vortrag zu BruttosozialGLÜCK im Rahmen des Projekts „In Zukunft Mainz“

28.4.2016, 19 Uhr, Hameln, Stadtwerke: Vortrag und Lesung zu „Ackergifte nein danke“

19.4.2016, 19:00 Uhr, Christian-Jansen-Kolleg, Breklum bei Husum: Vortrag im Rahmen der Tage der Utopie zusammen mit Annette Jensen zum Thema „Glück, Frieden und anderes Wirtschaften sind machbar, Frau Nachbar“

18.3.2016, 19:30 Uhr, Lahnstein: Vortrag über Ackergifte? Nein danke“ bei der GGB-Frühjahrstagung, „Die Erde ist unsere Heimat“ www.ggb-lahnstein.de

18. und 19.2.2016, Christian-Jansen-Kolleg, Breklum bei Husum: Glücksökonomie – eine Chance für die Zukunft, mit Annette Jensen

11.1.2016, Universität Bielefeld, Hörsaal 7, 18:15 Uhr: Gesundheit aus dem Boden. Über den Zusammenhang zwischen Erde, Weltklima und menschlichem Wohlergehen. Vortrag im Rahmen des Forums Offene Wissenschaft

15.12.2015, Berlin, Grüner Salon der Volksbühne, 19 Uhr: Szenische Lesung des Buches „Die Troika – Macht ohne Kontrolle, Eine griechische Tragödie in fünf Akten“, mit Rolf Becker und Juno Meinecke

27.11.2015, Schwalmstadt, Museum an der Schwalm, 19 Uhr: Vorstellung des Buches Glücksökonomie

22.11.2015, Berlin-Kreuzberg, 16 Uhr Share Fair, Bauhütte gegenüber dem Forum Factory: Vortrag zu Terra Preta

17.11.2015, Berlin-Kreuzberg, Gesundheit aktiv, Gneisenaustr. 42, 19:30 Uhr: Vortrag „Glück und Gesundheit erringt man niemals allein“

12.11.2015, Zürich, SCS, 17 Uhr: Vorstellung des Buches Glücksökonomie, zusammen mit Annette Jensen

11.11.2015, Lörrach, Alte Feuerwache, 20 Uhr: Vorstellung des Buches Glücksökonomie

29.10.2015, Gemeindehaus Nebelschütz, Lausitz: Vorstellung der Kampagne „Urinale 2015“ und „Ackergifte nein danke“

22.10.2015, Bern, Münsterplatz, 15 Uhr: Friedenstische der 1000 FriedensFrauen Weltweit

26.9. 2015, Berlin, Prinzessinnengarten 15 Uhr: Vorstellung der Kampagne „Urinale 2015“ und „Ackergifte nein danke“

13.9.2015, TU Berlin, Solikon, 14:30 Uhr: Open Space: Feedback zur „Wandeltaz“

12.9.2015, TU Berlin, Solikon, 14:30 Uhr: Moderation Landwirtschaftsforum

11.9.2015, TU Berlin, Solikon, 14:30: Workshop „Ist das Politik, oder kann das weg?“

4.9.2015: Erscheinungsdatum der „Wandeltaz“, Motto „Wir können auch anders“

16. Juli 2015, 20 Uhr, Renden bei Calau, Alte Gaststätte: Vortrag und Lesung „Ackergifte nein danke“

11.Juni 2015, Berlin, DGB, Keithstraße: Vorstellung ökosozialer Initiativen

27.Mai 2015, Langeoog, Haus der Insel, Saal 1, Vortrag zur Glücksökonomie: „Glück und Gesundheit erringt man niemals allein“

1.Mai 2015, Basel: Apero des „Zeitpunkts“, Gedanken zum strategischen Optimismus

29.April 2015, Freiburg: Vorstellung des Buches „Glücksökonomie – Wer teilt, hat mehr vom Leben“

28.April 2015, Murg in Baden: Wie wollen wir leben? Vom Bruttosozialprodukt zum Bruttosozialglück

21.bis 26.April 2015, Bildungshaus St.Arbogast, Vorarlberg in Österreich: Vorstellung des „Aktionsplanes zur Förderung des Guten Lebens“ im Rahmen des Festivals „Tage der Utopie“

1.April 2015, 20 Uhr, Hotel Panorama, Mals, Südtirol: Lesung und Präsentation des Buches „Ackergifte nein danke“

25.März 2015, 13-18 Uhr, SUPERMARKT, Berlin-Wedding: OpenBarCamp „Berlin auf dem Weg zur Sharing City“

26.Februar 2015, 19 Uhr, Hotel Bluhm, Kyritz: Lesung und Präsentation des Buches „Ackergifte nein danke“

27.Januar 2015, 18 Uhr, Supermarkt, Berlin-Wedding, Brunnenstr.68: Vorstellung der Potenzialanalyse zur Share & Collaborative Economy im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung

17.Januar 2015, Politischer Suppentopf in der Heinrich-Böll-Stiftung nach der Demonstration „Wir haben es satt“: „Ackergifte nein danke!“

14.Januar 2015, 19:15 Uhr, EMA-Gemeindehaus, Berlin-Zehlendorf: „Was ist Glück?“ Lesung und Diskussion. Eine Gemeinschaftsveranstaltung vom Nachbarschaftsverein  Papageiensiedlung e.V., Bündnis  90/Die Grünen Steglitz-Zehlendorf, KAUTZ, der kirchliche Arbeitskreis Umwelt in Teltow-Zehlendorf , Bund für Umwelt und Naturschutz SüdWest , Volkshochschule Steglitz-Zehlendorf , Stadtteilzentrum Steglitz e.V., Weltfriedensdienst WFD

21.November 2014, 19:30 Uhr, Bruno-Taut-Galerie Berlin, U-Bahnhof Onkel Toms Hütte: Buchvorstellung „Glücksökonomie – Wer teilt, hat mehr vom Leben“

13.-15.November 2014: Bitcoin meets Blue Marble, Slow Politics Konferenz im Berliner SUPERMARKT

30.Oktober 2014, 16 Uhr, Schloss Tempelhof: Glücksökonomie – Vortrag im Rahmen des Symposiums „Begeistert leben und zusammen wirken“

24.Oktober 2014, 20 Uhr, Münster, Aula der Evangelischen Studentengemeinde: Buchvorstellung „Glücksökonomie“

9. Oktober 2014, 18 Uhr, Münchner Zukunftssalon: „Glücksökonomie. Wer teilt, hat mehr vom Leben“ – Vortrag und Buchpräsentation

8. Oktober 2014: Vorstellung unseres neuen Buches „Glücksökonomie“ auf der Frankfurter Buchmesse, Leseinsel der unabhängigen Verlage, Halle 4.1

4.Oktober 2014, 17 Uhr, Stadt Land Food Messe in Kreuzberg: Vorab-Lesung aus meinem gerade im Druck befindlichen Buch „Ackergifte nein danke“

3.Oktober 2014, 15 Uhr, Hutfabrik Luckenwalde: Die Gier und das Glück, Talk aus dem Jahr 2025, zusammen mit Harald Welzer, Jaana Prüss, Philipp Ruch vom Zentrum für politische Schönheit und weiteren Podiumsgästen

17.September 2014, 17:15 Uhr: Vorlesung an der Universität von Brugg, Schweiz: Systemscheitern und Scheitersysteme

6.September 2014, 10 Uhr: Vitaregiotag im Ökospeicher Wulkow: Hoffnungszeichen – interessante ländliche Projekte

„5. September, 11 Uhr: Vorstellung unseres neuen Buches „Glücksökonomie – Wer teilt, hat mehr vom Leben“ auf der Degrowth-Konferenz an der Uni Leipzig

4. September, 11 Uhr: Workshop auf der Degrowth-Konferenz an der Uni Leipzig

3. September 2014, 20 Uhr: „Magical Mystery Tour – wie Teilen das Glück vermehrt“. Abendveranstaltung auf der „Degrowth“-Konferenz an der Universität Leipzig

22. bis 30.August 2014: Fahrradtour zur „Degrowth“ in Leipzig

12.Juni 2014, 16 Uhr, London, Gipfel gegen sexualisierte Kriegsgewalt: Launch der Global Campaign Women Seriously

27.Mai 2014, 18 Uhr, Wissenschaftszentrum Berlin: Kommentar zum Leviathan-Band „Erfolg“

10.Mai 2014, 12 und 16 Uhr, Ladenstraße Onkel Toms Hütte: Workshop zur Terra-Preta-Herstellung zusammen mit Ayumi Matsuzaka

12.April 2014, tazlab im Berliner Haus der Kulturen der Welt, Veranstaltung „Bruttosozialglück für alle“

2.April 2014, 12 Uhr, Urach: Podiumsdiskussion im Rahmen der Tagung „Die Waffen nieder“

5.März.2014, 17 Uhr, GIZ Berlin: Fachgespräch zu Frauen in Friedensprozessen

1.März 2014, 12 Uhr, Rathaus Berlin-Zehlendorf: Podiumsdiskussion zu Globalem Lernen im Rahmen der Reisebörse

8.Februar 2014, Linz, Grüner Gemeindetag für Oberösterreich, Vortrag zu Solidarischer Ökonomie

18.Januar 2014, Supp´ntalk nach der Großdemonstration „Wir haben es satt“ in der Heinrich-Böll-Stiftung

2.November 2013, 16 Uhr, Wuppertal, Jahrestagung Humane Wirtschaft, Vortrag über Terra Preta

25.Oktober 2013, 9:30 Uhr, Ökospeicher Wulkow, Vortrag über Terra Preta

18.Oktober 2013, 9 Uhr, Staatskanzlei Potsdam, Runder Tisch zu Bildung für Nachhaltige Entwicklung

15.August 2013, 19 Uhr, Theater am Rand in Zollbrücke (Oderbruch): Vorstellung des Terra-Preta-Buches

1.Juli 2013, 9-20 Uhr, Europäische Akademie Berlin: The missing gender link: Rechtliche Aufarbeitung und Versöhnungsprozesse nach Kriegs- und Menschenrechtsverletzungen gegen Frauen

11.Juni 2013, 19:30 Uhr, Bruno-Taut-Galerie Berlin-Zehlendorf: Die Ökoinsel El Hierro, Vortrag

3.Juni 2013, 19 Uhr, Schweisfurth-Stiftung München: Vorstellung des Buches „Terra Preta“

22.Mai 2013, 9-18 Uhr, NRW-Vertretung Berlin: Zukunft gewinnen – Gedenkveranstaltung zum 100. Geburtstag von Robert Jungk, Moderation der Podiumsdiskussion

15.Mai 2013, 9 Uhr, BAKS: Die Rolle von Frauen in bewaffneten Konflikten, Vortrag

24.Mai 2013, Blue Economy Summit in Madrid: Panel zu ökologischen Projekten der 1000 FriedensFrauen Weltweit, zusammen mit Nuria Costa (Mexiko), Beatriz Toloza (Kolumbien), Xu JiYing (China), Lam Tsz Man (Hong Kong), Ayumi Matsuzaka (Japan) und Haiko Pieplow (Deutschland)

20.April 2013, tazlab im Haus der Kulturen der Welt, Zelt 3: „Die Ökonomie des Glücks“, zusammen mit Annette Jensen, sowie „Terra Preta – die schwarze Revolution aus dem Regenwal“, Lesung und Workshop zusammen mit Haiko Pieplow

18.April 2013, 19 Uhr, Berlin, Blütensaal im Botanischen Museum, Botanischer Garten von Berlin: Vorstellung unseres Buches „Terra Preta – die schwarze Revolution aus dem Regenwald“

16.April 2013, Berlin-Brandenburgische Akademie, Tagung des Instituts für Menschenrechte zu „Wien+20“, Podiumsdiskussion zu Frauenrechten

12.April 2013, 19:30 Uhr, Berlin, Nachbarschaftsgalerie Bruno Taut: Buchvorstellung zu Terra Preta

22.-24. März 2013, Romainmotier, Schweiz: „Was tun? Wer tut es?“ Tagung zu Handlungsmöglichkeiten für neue soziale Zukünfte

17. März 2013, Leipziger Buchmesse: Vorstellung meines neuen Buches „Terra Preta – Die schwarze Revolution aus dem Regenwald“ im Sachbuchforum, 12 Uhr

16. März 2013, Leipziger Buchmesse: Vorstellung meines neuen Buches „Terra Preta – Die schwarze Revolution aus dem Regenwald“: 15 Uhr im Naturkundemuseum und 19 Uhr im Botanischen Garten

15.März 2013, Friedrich-Ebert-Stiftung Berlin: Wann ist der Mann ein Mann? Tagung zu Männlichkeitskonstruktionen

7.März 2013, Evangelische Akademie Rheinland: Den Frieden fördern – aber wie? Werte und Prinzipien eine Friedenslogik

13.Februar 2013, Berlin, 18 Uhr, Südost Europa Kulturzentrum: Vorstellung meines Buches „Gute Nachrichten – Wie Frauen und Männer Kriege beenden und die Umwelt retten“

30.Januar 2013, 20 Uhr, Ulm, Volkshochschule, Einsteinhaus, Vortrag zu Gute Nachrichten und Geschichten des Gelingens

19.Januar 2013, 15 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung, Suppentalk nach der „Wir haben es satt“-Demo

23.Dezember 2012, 17 Uhr, Zeitpunkte, rbb-Kulturradio: Interview zu meinem neuen Buch „Gute Nachrichten“

10. Dezember 2012, Berlin, Bundestag, 16:30 Uhr, Unterauschuss Zivile Konfliktprävention, Paul-Löbe-Haus: Anhörung als Sachverständige und Mitglied des Frauensicherheitsrates zum Nationalen Aktionsplan 1325 zusammen mit Monika Hauser. Hier der Bericht einer Bundestags-Mitarbeiterin über die Anhörung.

30. November/ 1.Dezember 2012, Bonn: Vortrag zum Thema „Warum Gewalt gegen Frauen den Weltfrieden gefährdet“ bei der Konferenz „Hoffnung auf Frieden und Angst um die Frauenrechte in Afghanistan“, veranstaltet von der Evangelischen Akademie im Rheinland und medica mondiale

25. November 2012, 18 Uhr, Belladonna, Bremen: Festvortrag anlässlich des 20-jährigen Bestehens der Frauen in Schwarz in Bremen

23. November 2012, 19:30 Uhr, Bruno-Taut-Galerie, Berlin: Vorstellung und Lesung aus den neuen Büchern „Gute Nachrichten!“ und „Futurzwei Zukunftsalmanach“.

15. Oktober 2012, 19 Uhr: Podiumsdiskussion und Buchvorstellung in der Heinrich-Böll-Stiftung in Berlin-Mitte, Schumacherstr.8, in Kooperation mit dem Gunda-Werner-Institut, Inter Press Service Deutschland und den 1000 FriedensFrauen weltweit.

14. Oktober 2012, 11.15 bis 12.15 Uhr: Buchvorstellung „Gute Nachrichten!“ auf der Frankfurter Buchmesse, Forum Dialog, 5.1 A 962.

6.Oktober, Vortrag und Podiumsdiskussion über Bruttosozialglück, Bundesfrauenkonferenz der IG Bau, Steinbach/Taunus

8.September 2012, Galerie, Ladenstraße, Berlin-Zehlendorf, Lesung aus „Verrückt nach Leben, Berliner Szenen aus den 1920er Jahren“ im Rahmen des Festes anlässlich des 80.Jahrestages der Ladenstraße

5.September 2012, Frankfurt, Museum für Angewandte Kunst, Auszeichnung des „Beschissatlas“ als eines der schönsten deutschen Bücher des Jahres 2012

SOMMERPAUSE

24.Mai 2012, 19.30 Uhr, Berlin, Bruno-Taut-Galerie Zehlendorf: Vorstellung des „Beschissatlas“

4.Mai 2012, 20 Uhr, Nürnberg, Medienakademie: Verleihung des Alternativen Medienpreises an Ute Scheub für ihre Website www.visionews.net

14.April 2012, 14 Uhr, Berlin, Vorstellung der Gemeinwohl-Ökonomie mit Christian Rüther, taz-lab, Haus der Kulturen der Welt

19.März 2012, 19.00 Uhr, Berlin, Vorstellung des „Beschissatlas“ zusammen mit Yvonne Kuschel, taz-Café

16.März 2012, 19.30 Uhr, Dortmund, Von Machos, Memmen und anderen Klischees, Vortrag auf der Tagung des Bundes für soziale Verteidigung

14.März 2012, 19.30 Uhr, Leipzig, zusammen mit Yvonne Kuschel Vorstellung unseres neuen Buches „Beschissatlas“ am Vorabend der Leipziger Buchmesse, Schaubühne, Grüner Salon

6.März 2012, 17 Uhr, Rathaus Erfurt, Vortrag über „Heldendämmerung“

12.Februar 2012, 17 Uhr, Berlin, Bruno-Taut-Galerie: Bruno Taut und die Frauen der 1920er-Jahre

2011

23.11., 17 Uhr, Kinderuniversität in der Barockfabrik Aachen, Vortrag: „Denkt mal, Warum kommen mehr Männer als Frauen ins Gefängnis?“

6.11., 11 Uhr, Hamburg- Niendorf, Vortrag „Ohne Frauen keinen Frieden“ über die 1000 Friedensfrauen Weltweit beim Frauenfriedensgebet, Haus der Kirche

4.11., 19 Uhr, Festvortrag im Rathaus Saarbrücken: „Paradox Deutschland – emanzipiert unemanzipiert“

15.10., 11 Uhr, Vortrag auf der Freiburger Frauenkonferenz: „100 Jahre E-mann?-zipation!“, Konzerthaus Freiburg

20.6., 17 Uhr, Uni Bielefeld, Hörsaal 12, Vortrag von Annette Jensen und Ute Scheub im Rahmen des „Forums Offene Wissenschaft“: Anzeichen und Keime einer neuen Lebensweise ohne Wachstum

17.6., 16 Uhr, Hamburg, Baseler Hof, „Was Frauen bewegt und was sie bewegen“, Podiumsdiskussion zum 10.Geburtstag von filia, die frauenstiftung.

6.-8.5., Breklum, Christian Jensen Kolleg: Tagung zu den „1000 Friedensfrauen – Globale Netzwerke: Welche Anstöße geben sie für unser Engagement?“ Veranstalter: Nordelbisches Frauenwerk. Anmeldung beim Christian Jensen Kolleg

9.4., 18 Uhr, Berlin, Haus der Kulturen der Welt: Goodnews-Veranstaltung im Rahmen des „Medienlab“-Kongresses von taz, Le Monde Diplo, Freitag, Perlentaucher und Reporter ohne Grenzen

7.4., 19 Uhr, Rathaus Schwäbisch Gmünd: Vortrag zu der Ausstellung der 1000 Friedensfrauen und „No Women – No Peace“

5.4., 21 Uhr, „Klipp+klar“, Talkshow des RBB zur Zukunft der Bundeswehr. Diskussion mit Michael Wolfssohn, Jörg Schönbohm, Peter Sodann, Ute Scheub.

14.3., 17 Uhr, Leipziger Buchmesse: Präsentation unseres neuen Buches „50 Vorschläge zur Veränderung der Gesellschaft“

8.3., UN-Gebäude, Genf: Eröffnung der von mir mitkonzipierten Ausstellung „No Women – No Peace“ bzw. „Sans Femmes Pas Du Paix“

5.3., 18 Uhr, taz Café: Vorstellung unseres neuen Buches „50 Vorschläge zur Veränderung der Gesellschaft“

25.1.2011, 11 Uhr: Veranstaltung des Frauenrats zu Resolution 1325, Landessportbund Berlin, anschließend Treffen des „Bündnis 1325“

9.1.2011, Berlin, 17 Uhr: Präsentation des Films „1000 Frauen und ein Traum“, Bruno Taut Galerie, Ladenstraße Onkel Toms Hütte

15.11., München: Lesung aus der „Heldendämmerung“, Club Voltaire

13.11., Georgsmarienhütte, 14-18 Uhr: Vortrag über die „Heldendämmerung“ im Rahmen des FrauenForums der Volkshochschule Osnabrücker Land

10.11., Langenhagen, 19 Uhr: Vortrag über die „Heldendämmerung“ im „Treffpunkt“, veranstaltet von der Volkshochschule Langenhagen

3.11., Lüneburg, 20.00 Uhr: Lesung aus der „Heldendämmerung“,
Cafe Ventuno (auf dem Campus der Leuphana Universität),

2.11., Berlin-Pankow, 19.30 Uhr: Vortrag über die „Heldendämmerung“, Galerie Forum Amalienpark

1.11., Bern, Schweiz: Eröffnung der Ausstellung „No Women – No Peace – 10 Jahre UN Resolution 1325 zu Frauen, Frieden, Sicherheit“ der 1000 Friedensfrauen weltweit

31.10., Berlin-Mitte, 13:25 Uhr: Pressekonferenz des Frauensicherheitsrates und seiner Kooperationspartner zum zehnjährigen Jubiläum von UN-Resolution 1325 und zur Vorstellung des globalen Medien-Projektes Visionews

28.-30.10., Berlin-Mitte: Internationale Konferenz zum 10. Jahrestag von UN-Resolution 1325, Gunda-Werner-Institut der Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr.8

17.10., Darmstadt, 11 Uhr: Podiumsdiskussion zum Thema „Das starke Geschlecht – die Feminisierung der Gesellschaft“ im Rahmen der „Neuen Darmstädter Gespräche“, Staatstheater

11.10., Hamburg, Literaturzentrum: Vortrag über die „Heldendämmerung“

6.10., 17 Uhr, Bahnhofspassage Potsdam: Eröffnung der Ausstellung über die 1000 Friedensfrauen weltweit

17.9., Bonn, Haus der Geschichte, 17 Uhr: Podiumsdiskussion mit Alternativen Nobelpreisträgerinnen, veranstaltet vom UNIFEM-Komitee Deutschland

1.9., Hameln, 19 Uhr: Lesung aus der „Heldendämmerung“ im Rahmen des Hamelner Kulturforums, Lalu im Hefehof

5.7., Bonn, 20 Uhr: Lesung aus der „Heldendämmerung“, Bonner Montagsclub

23.6., Leipzig, 13 Uhr: Vortrag zur „Heldendämmerung“ anlässlich des 20jährigen Jubiläums des Vereins „Frauen für Frauen“

4.6., Zürich, 19.30 Uhr, Technopark Auditorium: Lesung und Diskussion zur „Heldendämmerung“ anlässlich des Zurich Pride Festivals

19.5., Hamburg, 20.00 Uhr, Polittbüro, Steindamm 45: Lesung aus der „Heldendämmerung“

18.5., Berlin, 12-19.30 Uhr, Heinrich-Böll-Stiftung: Fachgespräch Zivile Konfliktbearbeitung

17.5., Hannover, 19.30 Uhr, Künstlerhaus, Sophienstr.2: Präsentation der „Heldendämmerung“ und Diskussion mit Prof. Rolf Pohl und Michael Pelke

5.5, Tübingen, 20.15 Uhr, Deutsch-Amerikanisches Institut: Lesung aus der „Heldendämmerung“

29.4., Wiesbaden, 19.30 Uhr, Hoftheater: Lesung aus der „Heldendämmerung“

14.4., Berlin, Volkshochschule Charlottenburg, 19 Uhr: Vortrag „Globalisierung, Geschlecht, Gewalt“, Rathaus Charlottenburg, Anmeldung bei der Volkshochschule City-West

25.3., Berlin-Friedrichshain, Neue Mälzerei, 10 Uhr: Eröffnung der Konferenz „Gender Counts“ anlässlich des 10.Jahrestages von UN-Resolution 1325, organisiert von OWEN in Kooperation mit dem Frauensicherheitsrat und dem Forum Ziviler Friedensdienst.

19.3., Leipzig, 11 Uhr: Präsentation und Lesung aus „Heldendämmerung“, taz-Stand auf der Leipziger Buchmesse. 14 Uhr: Interview für Figaro/MDR

18.3., Leipzig, 21 Uhr: Interview zur „Heldendämmerung“ in Gerd Scobels „Buchzeit extra“, 3 sat, 21 Uhr, sowie für MDR artour.

11.3. Berlin, 20 Uhr: Präsentation und Lesung aus „Heldendämmerung“, Ernst-Moritz-Arndt-Kirche, Onkel-Tom-Str.80, veranstaltet von der Buchhandlung Born

9.3., Berlin, 18 Uhr: Präsentation der „Heldendämmerung“, im Gespräch mit Rolf Pohl und Gitti Hentschel, veranstaltet vom Gunda-Werner-Institut, Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstr.8

8.3., Weimar, 19.30 Uhr, Stadtbibliothek: Präsentation aus der „Heldendämmerung“

27.2., Hamburg, 17 Uhr: Zivilgesellschaftliche Beiträge zu einer konstruktiven Klimapolitik, Gesprächsforum im Rahmen der Tagung Klimawandel und Konflikte der Arbeitsgemeinschaft für Friedens- und Konfliktforschung und der Evangelischen Akademie Villigst, Junges Hotel, Kurt-Schumacher-Allee 14

19./20.2., Berlin, Volkshochschule im Rathaus Charlottenburg, ab 17 Uhr: Wochenendseminar zusammen mit Katrin Himmler: „In meiner Familie war niemand Nazi – oder doch? Spurensuche in der familiären Vergangenheit, Teil 2“, Anmeldung über die VHS Charlottenburg

13.2.10, Berlin, EMA-Gemeindehaus, 15 Uhr: Veranstaltung der Nachbarschaftsinitiative Papageiensiedlung zur Ladenstraße

29.1.10. Berlin, Heinrich-Böll-Stiftung, 16-20 Uhr: Vernetzungstreffen des Frauensicherheitsrates zu Aktivitäten zum 10.Jahrestag von UN-Resolution 1325, Schumannstr.8

27/28.11.09: Berlin, Volkshochschule im Rathaus Charlottenburg, ab 17 Uhr: Wochenendseminar zusammen mit Katrin Himmler: „In meiner Familie war niemand Nazi – oder doch? Spurensuche in der familiären Vergangenheit“

27.11.: Berlin, Rathaus Charlottenburg, Festsaal, 10 bis 17 Uhr: Moderation der Fachtagung „Demokratische Gesprächsstrategien gegen Parolen“

25.11.: Berlin, Jugendherberge Wannsee, 20 Uhr: Lesung aus „Das falsche Leben“

18.10.: Berlin, Rathaus Schöneberg, Foyer, 11.30 Uhr: Ausstellung „1000 Friedensfrauen“ (bis 8.11., werktags 9-17 Uhr)

8.7.: Berlin, Heinrich-Böll-Stiftung, 16.30 Uhr: Podiumsdiskussion zu UN-Resolution 1820 – Sex und Gewalt im Kriegskontext, im Rahmen von „Gender is Happening“

24.6.: Berlin, Dahlemer Krug, 19.00 Uhr, Frauensalon: Film, Vortrag und Diskussion über die 1000 Friedensfrauen weltweit.

11.6.: Berlin, taz-Redaktion, 18.30 Uhr: Ethik im Qualitätsjournalismus. Seminar der taz Panter Stiftung mit jungen NachwuchsjournalistInnen

27.5.: Berlin, Rathaus Charlottenburg, Pommernsaal, 18 -21 Uhr: EU-Wahlen, was bringt es mir? Podiumsdiskussion mit EU-KandidatInnen

26.5.: Berlin, Heinrich-Böll-Stiftung, 14-20 Uhr: Fachgespräch „Schutzverantwortung und Gender“ in Kooperation mit dem Frauensicherheitsrat

22.5.: Bremen, Kirchentag, 15 Uhr: Erlösung und Sünde – Podiumsdiskussion
Glocke, 18 Uhr: Mit solchen Vorfahren leben? Podiumsdiskussion zusammen mit den „Täterkindern“ bzw. „Täterenkeln“ Niklas Frank, Monika Hartwig, Uwe von Seltmann,

24./25.4.: Berlin, Volkshochschule Charlottenburg, 2. Teil des Wochenendseminars „Auf Spurensuche in der familiären Vergangenheit“, zusammen mit Katrin Himmler

19.4.: Berlin, Haus der Kulturen der Welt: Abschlussgespräch des Kongresses !Was tun? zum 30.Geburtstag der taz

17.3.: Frankfurt am Main, Literaturforum: Die zweite Generation – Podiumsgespräch mit Lizzie Doron

11.3., 19-21 Uhr: Berlin, Rathaus Charlottenburg: Vorstellung der Initiative „1000 Friedensfrauen“ im Rahmen des Charlottenburger Frauenfrühlings, mit Filmvorführung

7.3., 17 Uhr, Rosa-Luxemburg-Stiftung Berlin: Vorstellung der „taz panter Stiftung“ im Rahmen der Linken Medientage

5.3., 12-18 Uhr: High-Level-Konferenz Gewalt gegen Frauen in Konflikten, was kann die Entwicklungspolitik tun?

26.2., 19.30 Uhr: Berlin, taz-Café, Vorstellung der „taz panter Stiftung“

20./21.2. 2009: Volkshochschule Charlottenburg, Wochenendseminar zusammen mit Katrin Himmler: „In meiner Familie war niemand Nazi – oder doch? Spurensuche in der familiären Vergangenheit“

Donnerstag, 13.November, Berlin, Lesung aus dem „Falschen Leben“, Volkshochschule Charlottenburg

Mittwoch, 12.November, Nordhorn, 20 Uhr, Lesung aus den „Friedenstreiberinnen“

Mittwoch, 5.November, Hamburg, 20 Uhr: Die Shoa erinnern, Podiumsdiskussion

Samstag, 1.November, 15 Uhr, Laatzen, Podiumsdiskussion zur internationalen Frauenbewegung, Donna Clara, Hildesheimerstr. 343

Donnerstag, 23. Oktober, 20 Uhr, Hamburg, Literaturzentrum, Schwanenwik 38, Lesung aus dem Falschen Leben

Samstag, 11.Oktober, 10 Uhr, Bonn, Jahrestagung des Frauensicherheitsrates, Gustav-Stresemann-Institut

Freitag, 10.Oktober, 18 Uhr, Bonn, Podiumsdiskussion zu Militärintervention und Frauenrechten in Afghanistan, Zentrum für Entwicklungsforschung an der Universität Bonn

Freitag, 3.Oktober, 16.30 Uhr, Salzburg, Podiumsdiskussion zu Medien, Krieg, Geschlecht, Gesellschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität, Rudolfskai 42

Freitag, 26.September, 16 Uhr, Berlin, Podiumsdiskussion zum Neuen Feminismus, Friedrich-Ebert-Stiftung, Hiroshimastr. 17

Mittwoch, 17.September, 17 Uhr, Berlin, Podiumsdiskussion zu ziviler Konfliktprävention, Friedrich-Ebert-Stiftung, Hiroshimastr.17

Samstag, 30.August 2008, 9.30 Uhr, Frankfurt am Main: Podiumsdiskussion zur EKD-Friedensdenkschrift, Zentrum Ökumene, Praunheimer Landstr 206

Mittwoch, 25.Juni, 20 Uhr, Berlin, VIA, Schönhauser Allee 175: Lesung aus dem „Falschen Leben“

Mittwoch, 18. Juni, 19 Uhr, Berlin Hertie School of Governance, Schlossplatz 1, Brauchen wir einen Aktionsplan zur Umsetzung der
UN-Resolution 1325? Podiumsdiskussion

Mittwoch, 21.Mai, 18 Uhr, Rotes Rathaus Berlin: Moderation der Auftaktveranstaltung der Berliner Volkshochschulen zum Thema „Ferienbräute? Nicht mit uns“

Mittwoch, 9.April, 20 Uhr, Marktheidenfeld: Lesung aus dem „Falschen Leben“

Montag, 10.März, 19.30 Uhr, Rostock: Rede zur Eröffnung der Ausstellung „1000 Friedenfrauen weltweit“, Begine

Sonntag, 9.März, 15 Uhr, Berlin: Erzählcafé zu unseren Projekten in der afghanischen Provinz Nimroz, EMA-Gemeindehaus, Onkel-Tom-Str.

Mittwoch, 27.Februar, 19.30 Uhr, Berlin: Lesung aus „Das falsche Leben“ und Diskussion im Babylon, Luxemburger Str.30

Donnerstag, 24. Januar und Freitag, 25.Januar 2008, Ellwangen: Lesungen aus dem „Falschen Leben“

Sonntag, 13. Januar 2008, 18 Uhr, Berlin: Lesung aus dem „Falschen Leben“, Literaturlounge Wilmersdorf, Kleine WeinWirtschaft, Zietenstr. 27

Donnerstag, 13.Dezember 2007, Prag: Vortrag über deutsche Medien und Minderheiten

Samstag, 24.November 2007, 10 Uhr, Münster: Vortrag bei der Podiumsdiskussion „Frauen, Frieden und Sicherheit – UN-Resolution 1325“, veranstaltet von der Universität Münster im Tagungshotel Agora, Bismarckallee 11 b

Mittwoch, 21.November 2007, 18 Uhr, Hamburg: Vortrag bei der Podiumsdiskussion „Friedensförderung mit und für Frauen – Was bringt die UN-Resolution 1325?“, Institut für Friedensforschung, Beim Schlump 83

Dienstag, 13.November 2007, 19.30 Uhr, Hamburg: Vortrag bei der Podiumsdiskussion „Trauma als transgenerationelle Hypothek – Wege aus dem Kreislauf der Gewalt“ anlässlich des 10.Geburtstags von SEKA, Bürgertreff Altona-Nord, Bühnensaal, Gefionstr. 3, Hamburg

Donnerstag, 14.Juni: Lesung aus dem „Falschen Leben“, taz-Salon Hamburg

Montag, 4.Juni: Lesung aus dem „Falschen Leben“, Bonn

Donnerstag, 10.Mai: Lesung aus dem „Falschen Leben“, Frauenzentrum Laatzen, 19.30 Uhr

Freitag, 4.Mai, bis Sonntag, 6.Mai: „Roadmap to 1325“, Europäische Vernetzungskonferenz, Ernst-Reuter-Haus Berlin, Veranstalter: Feministisches Institut der Heinrich-Böll-Stiftung in Kooperation mit dem Frauensicherheitsrat, amnesty international und anderen

Mittwoch, 2.Mai: Lesung aus dem „Falschen Leben“, Neustadt/ Schleswig-Holstein, Kulturwerkstatt FORUM, Alter Güterbahnhof, 20 Uhr, Veranstalter: Buchladen Buchstabe, Cap Arcona Arbeitskreis Neustadt

Dienstag, 24.April: Lesung aus dem „Falschen Leben“, Magdeburg, EineWeltHaus, Schellingstr.3-4, 19.30 Uhr, Veranstalter: Kulturzentrum Moritzhof und Civitas-Netzwerk

31.März/1.April: Workshop „Wie Frauen Frieden machen“, das Interreligiöse Lernhaus für Frauen trifft die deutschsprachigen „1000 Friedensfrauen weltweit“, Rathaus Charlottenburg, Berlin

Mittwoch, 7.März 2007: Vortrag über „1000 Arten, wie Frauen Frieden machen“, anlässlich der Eröffnung der Ausstellung über die 1000 Friedensfrauen in der Evangelischen Stadtakademie Frankfurt, Römerberg, 19.30 Uhr

Sonntag, 27.Januar 2007: Lesung aus dem „Falschen Leben“ um 11 Uhr in Waldkirch, Georg-Scholz-Haus, Merklinstr.19

Freitag, 25. Januar 2007: Lesung aus dem „Falschen Leben“ um 19.30 Uhr in Freiburg, Theatersaal der Staudinger-Gesamtschule, Staudinger Str.10

Herbst und Winter 2006:

Donnerstag, 19.10.:
Lesung aus den „Friedenstreiberinnen“, Friedensmuseum Nürnberg

Donnerstag, 26.10., 20 Uhr:
Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Lebenszeugnisse“ Gespräch über mein Buch „Das falsche Leben“ mit Wolfgang Benz, Literaturforum im Brecht-Haus, Chausseestr. 125, Berlin-Mitte

Dienstag, 14.11., 19.30 Uhr:
Lesung in der Volkshochschule Osnabrück

Freitag, 8.12, 19.30 Uhr:
Lesung im Museum Neukölln, Ganghoferstr.3, Berlin-Neukölln